„Kurzsichtige Finanzsicht“
5. Februar 2026 · Wachtendonk

„Kurzsichtige Finanzsicht“

Grüne kritisieren kurzsichtigen Beschluss zum Bürgerhaus Wachtendonk

WACHTENDONK. Die in der Wachtendonker Bücherei engagierten Ehrenamtler können aufatmen, da ihre Zukunft zunächst mal gesichert scheint. Auch die Nutzung des Bürgersaals und der anderen Räume soll wieder möglich werden. Erschreckend für die Grünen-Fraktion Wachtendonk sei aber, dass sich CDU/WWG gegen eine sogar nachweislich wirtschaftlichere Sanierungsvariante entschieden hätten und mit ihrer Mehrheit gegen den Verwaltungsvorschlag die „Minimal“-Variante durchgebracht hätten, teilt die Fraktion mit.

Bruno Jöbkes kritisiert diese Entscheidung: „Die Sanierung ist jetzt zwar gesichert, aber die Chance auf Betriebskostensenkung durch Energiesparen wurde vertan. Das ist eine kurzsichtige Finanzsicht und eine fast schon bewusste Entscheidung gegen das in 2024 einstimmig beschlossene Klimaschutzkonzept.“

Gegenstand der Ratssondersitzung war die Frage, ob die Sanierung durchgeführt werden soll und wenn ja, ob dabei zusätzliche energetische Verbesserungen umgesetzt werden, die dauerhaft die Betriebskosten senken und aktiver Klimaschutz sein würden. Die letztlich mit CDU/WWG-Mehrheit beschlossene „Minimal“-Variante zur Sanierung inklusive Schaffung von Flucht- und Rettungswegen kostet 964.000 Euro. Zusätzlich standen drei energetische Maßnahmen zur Abstimmung: Instandsetzung der defekten Lüftungsanlage (145.000 Euro), Zubau von einer PV-Anlage mit Speicher (53.000 Euro) und Austausch der Gasheizung von 1987 durch eine Wärmepumpe (196.000 Euro). „Diese Investitionskosten sind aber nur realistisch, weil die Umsetzungen in die Sanierungsmaßnahmen integriert sind“, erklären die Grünen.

Vor der Abstimmung referierte ein Vertreter der NRW.Bank, wie auch aus Sicht des CDU-geführten Landesfinanzministeriums, Maßnahmen an öffentlichen Gebäuden bewertet werden sollten, analog zur privaten Immobilienwirtschaft. Zentrale Aussage ist, neben den reinen Investitionskosten sollten auch die Betriebskosten der Folgejahre berechnet werden.

Mit dem entsprechenden Kalkulationstool hatte Wachtendonks Kämmerer Alexander Pasch auf Basis von Berechnungen von Fachplanern (Architekt, Elektroplanung, Gas-/Wärmeplanung) Varianten aufgestellt. „Auch ohne die detaillierten Berechnungen war klar ersichtlich, welche Energie- und damit Kosteneinsparungen aus jeder der drei Maßnahmen in 40 Jahren resultieren würden. Hintergrund sind nicht nur die steigenden Energiekosten, sondern auch die zukünftig deutlich steigende CO2-Abgabe auf Gas“, führen die Grünen aus. „Es hätte sich gerechnet: Energieeinsparung durch die Lüftungsanlage rund 14 Prozent, durch die PV-Anlage zusätzlich 20 Prozent und durch die Wärmepumpe 34 Prozent. Die Amortisation war nach 40 Jahren Nutzung mehr als deutlich, aber schon nach 20 Jahren gegeben.“

„Werden die Maßnahmen jedoch erst nachträglich durchgeführt, so werden die Investitionskosten dafür wahrscheinlich deutlich höher liegen“, so Rolf Huyskens. Mit ihrer Festlegung auf die „Minimal“-Variante habe CDU/WWG auch die Nutzung von Fördermöglichkeiten für technische Innovationen für Energiesparen und klimaschonendes Heizen kategorisch ausgeschlossen. Die dafür zur Verfügung stehenden Fördertöpfe für kommunale Investitionen hätte die Verwaltung aufgeführt, aber der Schritt sei blockiert worden. Für die Grünen in Wachtendonk sei diese Entscheidung, „die sich gegen alle ökonomischen und technischen Ratschläge stellt und die kommunale Verpflichtung zum Klimaschutz außer Acht lässt“, nicht nachvollziehbar.