Kunst und Alltag als Einheit
Im Museum Goch werden ausgewählte Exponate der Sammlung Hiltrud Neumann gezeigt
Exemplarisch werden im Museum Goch über 100 ausgewählte Kunstwerke aus der privaten Sammlung Hiltrud Neumanns gezeigt. Mit ihren über 3.500 Werken gelangte die Sammlung, noch zu Neumanns Lebzeiten, 2015 als Schenkung in den Besitz der Kunststiftung Goch. Nach zweijähriger Bearbeitung durch die Volontärin Natascha Frieser bietet die Ausstellung neue und wesentliche Einblicke in die Sammlung, ihre kunsthistorische Bedeutung sowie die Sammlungsphilosophie.
Die beachtliche Objektanzahl von circa 3.500 Werken wurde in über 40 Jahren zusammengetragen und in der Wohnung der Sammlerin in Mönchengladbach präsentiert. Kunst und Alltag gingen ineinander über, und die Kunst wurde zu Neumanns Lebensmittelpunkt. Schwerpunkte waren zunächst regionale Künstlerinnen und Künstler aus Mönchengladbach, was sich in den folgenden Jahren auf Künstler des Rheinlandes zwischen Köln und Düsseldorf erweiterte. Teilweise sind auch internationale Positionen vertreten, so unter anderem Ulrich Rückriem, Guiseppe Penone, Tony Cragg, Felix Droese, Gregor Schneider oder Mischa Kuball, die Hiltrud Neumann durch ihre zahlreichen Kontakte und umfängliche Vernetzung kennenlernte. So umfasst die Sammlung zum Beispiel größere Konvolute von Heiner Koch, Martin Lersch, Ingrid Langanke, Georg Ettl oder Klaus Schmitt. Hiltrud Neumann wies jedem neu hinzugekommenen Kunstwerk seinen eigenen Platz innerhalb des Ensembles zu. Mit dem Satz „Die Kunst sucht sich ihren Platz“ beschrieb sie diesen Prozess, der bis zu mehreren Wochen dauern konnte. Teilweise waren die Werke im Dialog zueinander angeordnet oder auch in größeren Werkgruppen präsentiert. Neumanns gesamte Wohnung kann nur als ein Gesamtkunstwerk verstanden und der Übergang von einer Petersburger Hängung (eine besonders enge Reihung von Gemälden) zum „horror vacui“ (übersetzt: die Scheu vor der Leere) als fließend wahrgenommen werden. Zum Anspruch dieses Gesamtkunstwerkes gehörte auch die öffentliche Präsentation. Ab 1989 öffnete Hiltrud Neumann jeden ersten Freitag im Monat die Türen ihres „Privatmuseums“ für geladene Gäste zum sogenannten „offenen Wohnzimmer“. Hier konnte nicht nur über Kunst diskutiert werden, das Treffen galt auch dem interdisziplinären Austausch zwischen Kunstschaffenden, Galeristen, Sammlern und Mitarbeitenden aus unterschiedlichsten Museen. Dadurch wurde die Sammlung über die Grenzen Mönchengladbachs hinaus zu einem wichtigen Anlaufpunkt für die Kunstszene.
Sammeln war für Hiltrud Neumann eine sehr persönliche und leidenschaftliche Angelegenheit. Es ging ihr nicht um eine monetäre Investition. Im Vordergrund standen stets der persönliche Kontakt und die Freundschaft zu den Künstlern. Auch die soziale Verantwortung und mäzenatische Förderung lagen ihr sehr am Herzen. Für ihr kulturelles Engagement wurde sie 2011 mit dem Rheinlandtaler des LVR (Landschaftsverband Rheinland) ausgezeichnet. Die Ausstellung in Goch bildet erstmals mit einem umfangreichen Einblick in die private Sammlung die Haltung und das Lebenswerk von Hiltrud Neumann ab. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf mit dem Museum Goch. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Pagina-Verlag Goch mit Beiträgen des Museumsteams sowie der Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf erschienen. Katalog und Ausstellung werden gefördert von der Kunststiftung Goch. Zu sehen sind die Exponate aus der umfangreichen Sammlung Neumann bis zum 23. Oktober. Die Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 10 bis 17 uhr, samstags und sonntags, 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Auch am Sonntag, 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) ist das Museum geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro (ermäßigt zwei Euro).
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage unter www.museum-goch.de.
„Zirkus“, Holz 2001, von Georg Ettl.Foto: Museum Goch/Z. Couso-Martell
Hannes Forster „Grundriss No. 240“, 2004, MDF-Platte mit Graphit. Foto: Museum Goch/Z. Couso-Martell
2015 hat der Frankfurter Fotograf Peter Loewy im Auftrag der Kunststiftung Goch die Sammlung von Hiltrud Neumann in ihren Privaträumen dokumentiert. Foto: Museum Goch/Peter Loewy