Kreis Kleve eröffnet offiziell die Rettungswache Kerken
An die Einweihung mit Segnung der Räume schloss sich ein Tag der offenen Tür an
KERKEN. Der Kreis Kleve hat die Rettungswache in Kerken offiziell eröffnet. Der Rettungsdienst des Kreises Kleve hat die neue Rettungswache in Kerken bereits vor knapp einem Jahr – am 1. November 2025 – in Betrieb genommen. Nun wurde die offizielle Einweihung des Neubaus an der Eyller Mühle 1 zusammen mit einem Tag der offenen Tür nachgeholt.
„Bei jedem Einsatz unseres Rettungsdienstes steht ein einzelner Mensch im Mittelpunkt – mit seinen Schmerzen, seinen Sorgen und seiner Hoffnung auf schnelle Hilfe“, betont Landrat Christoph Gerwers. „Wenn dann die Notrufnummer 112 gewählt wird, müssen viele Dinge ineinandergreifen. Vom Disponenten in unserer Leitstelle über passende Rettungsfahrzeuge bis zu unseren gut ausgebildeten Einsatzkräften, die oft unter hohem Druck die richtigen Maßnahmen treffen müssen.“ Dafür braucht es auch moderne Gebäude und eine leistungsfähige Ausstattung. Deshalb hat der Kreistag im Oktober 2020 beschlossen, drei neue Rettungswachen im Kreisgebiet zu errichten. Neben Kleve-Donsbrüggen und Straelen gehört die Rettungswache Kerken zu diesem wichtigen Ausbau des Rettungsdienstes.
Zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Standorts Kerken endete im November 2025 eine lange Geschichte in Wachtendonk. Die dortige Rettungswache war mehr als 40 Jahre lang in Betrieb und entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen. Darüber hinaus kann von der Rettungswache Kerken aus nun auch das Gebiet der Gemeinde Rheurdt inklusive des Ortsteils Schaephuysen vom Rettungsdienst des Kreises Kleve versorgt werden. Historisch war dieser Bereich über viele Jahrzehnte durch den Kreis Wesel mitversorgt worden. „Für diese langjährige Unterstützung und die gute Zusammenarbeit danke ich dem Kreis Wesel ausdrücklich“, so Landrat Gerwers. „Zuständigkeiten können sich verändern. Die enge Zusammenarbeit darf es nicht. Notfälle machen an Kreisgrenzen nicht halt. Deshalb werden wir uns auch während dieser Übergangsphase und selbstverständlich in Zukunft weiterhin gegenseitig unterstützen.“
Dank nach Wachtendonk
Einen Dank richtete der Landrat auch an die Nachbarschaft der ehemaligen Rettungswache Wachtendonk: „Eine Rettungswache ist nicht immer die leiseste Nachbarin. Umso herzlicher danke ich der Nachbarschaft in Wachtendonk für die gute Gemeinschaft, das Verständnis und das vertrauensvolle Miteinander in all den Jahren.“ Kerkens Bürgermeisterin Iris Itgenshorst bedankte sich in ihrem Grußwort insbesondere bei den Mitarbeitern: „Sie als Einsatzkräfte sorgen bei jedem Wetter rund um die Uhr für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Ich bitte Sie, meinen Dank auch an Ihre Familien weiterzugeben.“
Segnung der Rettungswache

Die neue Rettungswache in Kerken. NN-Foto: Theo Leie
Die Ausstattung
In der Rettungswache Kerken ist ein Rettungswagen 24 Stunden an sieben Tagen stationiert. Zusätzlich gibt es einen „Zwölf-Stunden-Rettungswagen“ in der Zeit von 7 bis 19 Uhr. Die neue Rettungswache Kerken ist eine Nebenwache der Rettungswache Geldern. In beiden Rettungswachen arbeiten insgesamt 46 Mitarbeiter zuzüglich sieben Auszubildenden zum Notfallsanitäter. „Diese Menschen sind das Herz unseres Rettungsdienstes“ betonte Landrat Christoph Gerwers mit Blick auf die anwesenden Kollegen aus den Rettungswachen.
Im Jahr 2026 gab es bis Ende Juli aus der neuen Rettungswache Kerken 1.328 Einsatzfahrten in der Notfallrettung, zudem aus der Rettungswache Geldern 2.542 Einsatzfahrten eines Rettungswagens, insgesamt 673 Einsätze eines Notarzteinsatzfahrzeugs sowie 1.581 Einsatzfahrten eines Krankentransportwagens.
Details zum Neubau
Die Bauzeit der Rettungswache Kerken lag zwischen Ende Juni 2024 und Oktober 2025. Die Bauausführung lag in den Händen der Kreis Kleve Bauverwaltungs-GmbH (KKB) und beauftragten Fachfirmen aus der Region. Der Neubau umfasst drei Fahrzeughallen. Zusätzlich gibt es im Gebäude eine Waschhalle, Sozialräume, Ruheräume, einen großen Schulungsraum und Funktionsräume wie beispielsweise Lager.
Zur „Blackout-Vorsorge“ ist die Rettungswache mit einem Notstromaggregat und einer Betriebstankstelle ausgestattet. Einen hohen Wert legten der Kreis Kleve und die KKB auf den Aspekt der Nachhaltigkeit: Der Energiebedarf des Gebäudes ist mit 42,9 kWh pro Quadratmeter und Jahr deutlich geringer als es die Vorschriften fordern und entspricht einem „Effizienzhaus 40“. Die Heizung wird mit Geothermie betrieben ‒ im Sozialtrakt über Fußbodenheizung, in der Fahrzeughalle über Deckenstrahlplatten. Warmwasser wird über einen elektrischen Durchlauferhitzer gewonnen.
Für Energie sorgt eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Fahrzeughalle mit einer Leistung von 30,8 Kilowatt-Peak mit einem Batteriespeicher mit 12 Kilowatt. Das Dach des Sozialtrakts ist als Gründach gestaltet. Die Lüftung beinhaltet eine Wärmerückgewinnung. Am Waschplatz der Fahrzeuge gibt es eine Abwasserreinigung. Die Regenwasserversickerung ist über Versickerungsmulden optimiert. Die Baukosten inklusive der Einrichtung liegen bei rund 4,1 Millionen Euro.
Bedarfsplanung für den Rettungsdienst
Im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans für den Rettungsdienst des Kreises Kleve im Jahr 2020 hatte ein Fachgutachter die Versorgungsbereiche der Rettungswachen im Kreisgebiet neu festgelegt. Der Kerkener Neubau resultiert aus dieser Planung. Mit Eröffnung der neuen Rettungswache in Kerken wurde die nicht mehr zeitgemäße Rettungswache Wachtendonk zum 1. November 2025 außer Betrieb genommen. Im südlichen Kreisgebiet ‒ Stadt Straelen, Gemeinden Kerken, Rheurdt und Wachtendonk ‒ stehen künftig tagsüber vier und nachts zwei Rettungswagen bereit. Früher war es jeweils einer nachts und tagsüber. Dies verbessert die Abdeckung der Notfallrettung in diesem Gebiet erheblich.
Symbolisch übergab Landrat Christoph Gerwers (vorne, 2.v.re.) die Rettungswache in Kerken an den Leiter der Wache, Thomas Angerstein (vorne, 4.v.li.) und seinen Stellvertreter Marcel Selhof (vorne, 3.v.re.). NN-Foto: Theo Leie