„Kirche in Gesellschaft sein“
Geistliches Wort zur Fastenzeit von Münsters Diözesanadministrator Hamers
NIEDERRHEIN. „Ich bin durchdrungen davon, dass wir Kirche in der Gesellschaft sind – wir geben Impulse zu wichtigen Fragen in die Gesellschaft, und wir empfangen Impulse aus der Gesellschaft.“
Das hat der Diözesanadministrator des Bistums Münster, Dr. Antonius Hamers, in einem geistlichen Wort zur Fastenzeit betont. Es wurde in den Gottesdiensten im Bistum Münster verlesen oder als Videobotschaft gezeigt. Hamers leitet das mitgliederstärkste deutsche Bistum in der Zeit der Vakanz des Bischofsstuhls.
Für den Diözesanadministrator reagiert Kirche aus dem Evangelium heraus auf gesellschaftliche Fragen, „indem wir uns für den Schutz menschlichen Lebens, für die Bewahrung der Schöpfung, für den Frieden und für die Würde jedes Menschen einsetzen“. Dieses Engagement zeige sich auch und gerade vor Ort in den Pfarreien, wo die Kirchen in aller Regel im wahrsten Sinne des Wortes offen und einladend seien. „Wer sich einschließt, nicht in den Dialog geht und sich in der Gesellschaft ausgrenzt, der verrät das Evangelium. Jesus lehrt uns, auf alle Menschen zuzugehen und unsere Türen und unsere Herzen offen zu halten“, betont Hamers. Er dankt allen, die sich im Bistum Münster in diesem Sinne engagieren.
Zwar hätten die Kirchen im Bistum Münster gerade in den ländlichen Gebieten noch immer eine hohe Bedeutung. „Zugleich müssen wir so ehrlich sein, dass wir gerade im städtischen Bereich nicht alle Kirchen und kirchlichen Räume werden halten können. Wir stehen vor grundstürzenden Veränderungen, die uns auch dazu zwingen werden, Gebäude aufzugeben“, räumt der Diözesanadministrator ein. Offene Türen und offene Herzen seien nur möglich, wenn die Gläubigen aus ihrer Beziehung zu Jesus Christus handelten. „Zu Beginn der Fastenzeit lade ich Sie ein, die Beziehung zu Christus im persönlichen Gebet und in der gemeinsamen Feier der Gottesdienste zu bedenken und zu vertiefen“, wendet sich Hamers an die Gläubigen.
Er geht in seinem Text auf das Evangelium von der Wüstenerfahrung Jesu und auf die drei Versuchungen ein, in die der Teufel Jesus in der Wüste führt: Habsucht, Eitelkeit und Macht-missbrauch. Sicher, so macht Hamers im Blick auf Kirchensteuer und Vermögen deutlich, biete die materielle Basis der Kirche viele Möglichkeiten. „Zugleich bin ich erschrocken, welch großen Stellenwert materielle Strukturen mitunter haben – wenn mit großer Vehemenz an Kirchen und kirchlichen Gebäuden festgehalten wird, obwohl die Kirchen und Räume nur noch wenig genutzt werden und es nahe läge, kirchliches Leben zu konzentrieren“, wirbt er für einen nachhaltigen und sparsamen Einsatz der Ressourcen. Im Blick auf die Eitelkeit warnt er davor, der Versuchung zu erliegen, vor allem beliebt und anerkannt zu sein. Hamers: „Es reicht nicht, in erster Linie auf der Welle der scheinbaren Mehrheitsmeinung zu surfen. Unsere Aufgabe ist es, Diskussionen zu ermöglichen und nicht Meinungen im Vorhinein auszugrenzen. Es gilt, Spaltung zu überwinden, Probleme zu benennen, die Menschen bewegen, und die Politik zu mahnen, Probleme anzugehen und zu lösen. Unser Auftrag bemisst sich nicht am politischen Beifall, sondern an der prophetischen Kraft des Evangeliums.“
Und im Blick auf die Versuchung des Machtmissbrauchs, wirbt Hamers dagegen für mehr Demut. Angesichts des Mitgliederschwunds und der wachsenden Pluralisierung der Gesellschaft sei der gesellschaftliche und politische Einfluss der Kirche inzwischen ohnehin begrenzt. Wichtig sei Demut aber auch im innerkirchlichen Umgang. „Auch Macht und Hierarchie innerhalb der Kirche müssen kontrolliert und begründet werden, damit sie nicht missbräuchlich ausgeübt werden“, hebt der Diözesanadministrator hervor.
Hamers zeigt sich am Ende des Fastenwortes davon überzeugt, dass das Bistum Münster bei allen Herausforderungen gut aufgestellt ist: „Ein neuer Bischof kommt in ein Bistum, in dem er auch in säkularen Zeiten gelebten Glauben und Engagement vorfindet.“ Das Fastenwort gibt es im Wortlaut und als Videobotschaft auf www.bistum-muenster.de
Dr. Antonius Hamers, Diözesanadministrator des Bistums Münster. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Achim Pohl