Kessel stemmt sich gegen den demografischen Wandel
Bewerbung bei einem Modellprojekt des Landes Nordrhein-Westfalen geplant
KESSEL. Unter dem Motto „Gemeinsam gegen den demografischen Wandel – Zu Hause alt werden“ fand kürzlich im „Haus am See-GochNess“ eine Veranstaltung statt. Der Einladung des Verkehrs- und Heimatvereins (VHV) waren mehr als 150 Menschen gefolgt.
Zunächst berichtete der erste Vorsitzende des VHV, Bernd Thönnesen, vom aktuellen Stand der Umsetzung der acht Arbeitskreise des Dorfentwicklungskonzeptes „Kessel 2030“. Bei der Dorfbefragung in 2023 hatten sich acht Schwerpunktthemen herauskristallisiert und zu allen acht Themen wurden Arbeitskreise gebildet. Ein Lenkungskreis begleitet die Arbeitskreise und tagt regelmäßig. Einige Themen wurden sehr intensiv bearbeitet, wie „Dorfladen einrichten“, „Schule bleibt“, „Nationalpark Reichswald“, Wohn- und Lebensqualität („Dorftreff“), sowie Neustart der Kessler Jugend und Betreuung- und Wohnangebote. Der Arbeitskreis Mobilität/ Verkehrsanbindung wird gerade wieder aktiviert. Der VHV wird alle diese Themen weiterverfolgen und nach Möglichkeiten zur Umsetzung suchen.
Die Dorfentwicklung sei ein langfristiges Projekt mit ersten kleinen Erfolgen, aber auch großen Rückschlägen wie beim Thema Dorfschule, so der VHV. Der Arbeitskreis „Betreuung- und Wohnangebote“ hatte unter anderem das Thema Pflege- und Hilfebedürftigkeit bearbeitet: „Wie können wir uns hier in Kessen noch besser aufstellen, um in unserem schönen Ort auch im Alter gut leben zu können?“ Diese Frage beantworteten die beiden eingeladenen Experten Dr. Ralf Tebest und Torsten Anstädt.
Dr. Tebest berichtete zunächst darüber, dass er schon seit mehr als zwölf Jahren zufriedener Bürger in Kessel ist und schon lange nach einer Möglichkeit gesucht hat, sich mehr in seiner neuen Heimat engagieren zu können. Dem Fachautor, Hochschuldozenten und kommunalen Pflegeplaner zufolge besteht eines der zentralen Probleme darin, dass das Unterstützungssystem für pflege- und hilfebedürftige Menschen inzwischen so kompliziert ist, dass nur noch ausgewiesene Experten einschätzen können, welche Leistungsansprüche es gibt, wie und wo man sie in Anspruch nehmen kann. „Zukünftig wird die Versorgung nur noch sichergestellt werden können, wenn die Bürgerinnen und Bürger eines Ortes wie Kessel noch mehr aufeinander acht geben und sich auch alle professionellen Unterstützer in einem klar formulierten und kommunizierten Konzept einbringen“, war eine der zentralen Botschaften aus dem Vortrag von Dr. Tebest über diese komplexen Rahmenbedingungen.
Den zweiten Vortrag hielt Thorsten Anstädt. „In meinem Stadtteil gibt es für jeden dort lebenden Menschen eine Pflegegarantie. Dies bedeutet, dass jede beziehungsweise jeder die Pflegeleistungen bekommt, die sie oder er benötigt“, eröffnete der aus Wiesbaden angereiste überzeugte Quartiersaktivist seine Ausführungen. Torsten Anstädt machte in seinem Vortrag aber auch anhand vieler Beispiele sehr deutlich, dass das Thema Pflege nicht alleine betrachtet werden darf. So sei es in Wiesbaden gelungen, ganz viele Organisationen und Angebote so miteinander zu vernetzten, dass sie von allen Nachbarn leicht in Anspruch genommen werden können. Und dies seien eben nicht nur Angebote der Pflege, Medizin oder Therapie, sondern auch Orte der Begegnung und Freizeitaktivitäten. „Einsamkeit hat oftmals deutlich negativere Folgen als die meisten Krankheiten“, war eine seiner zentralen Aussagen. Die besondere Bedeutung der Prävention von Pflege- und Hilfebedürftigkeit war für ihn ebenfalls eine wichtige Botschaft.
Kessel wird sich nun bei einem Modellprojekt des Landes Nordrhein-Westfalen bewerben, um auch für seine Bürger zukünftig eine Garantie ausstellen zu können, dass sie bei Pflege- und Hilfebedürftigkeit, bis ans Lebensende in ihrem Heimatdorf bleiben zu können. Die beiden Experten erhielten großen Applaus, denn die Besucher waren sehr zufrieden mit den aufgezeigten Informationen und den Möglichkeiten, die sich in dem Quartiersprojekt Wiesbaden schon ergeben haben. Das Beispiel aus Wiesbaden hat Lust gemacht auf ein Quartiersprojekt in Kessel.
150 Interessierte waren der Einladung des Verkehrs- und Heimatvereins Kessel (VHV) gefolgt und informierten sich bei den Vorträgen der beiden Experten. Foto: privat