Im Jugendhilfeausschuss stand am Mittwoch auch das Thema „Umsetzung der Anforderungen aus dem aktualisierten Schulsozialindex“ auf der Tagesordnung. NN-Foto: RD
6. Juni 2024 · Kleve

Kein guter Tag für die Schulsozialarbeit in Kleve

Offene Klever äußern sich zur vorgesehenen Neuverteilung der Stellen

KLEVE. Im Jugendhilfeausschuss stand am Mittwoch auch das Thema „Umsetzung der Anforderungen aus dem aktualisierten Schulsozialindex“ auf der Tagesordnung. Aktuell gibt es neun Schulsozialindexstufen. Erstmals sind vier Klever Schulen auf die Indexstufe 7 „abgerutscht“. Es entstand also Handlungsbedarf, weil die bisher gültige Verteilung der Schulsozialarbeit nur die Indexstufen 1 bis 5 berücksichtigte. Nachdem Offene Klever und SPD bereits zum Haushalt 2024 mit Nachdruck weitere Stellen gefordert hatten, die erst abgelehnt und schließlich doch einstimmig beschlossen wurden, sollten diese nun auf die Schulen verteilt werden. Was den Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses dazu von der Stadtverwaltung präsentiert wurde, enthielt jedoch „erstaunliche“ Grundannahmen. Sagen die Offenen Klever. So werde der Verteilung bei den Grundschulen pauschal ein Verhältnis von einer Stelle auf 500 Schüler zugrunde gelegt, obwohl in Kleve keine Grundschule so groß sei. Was nach einer fairen Verteilung aussehe, entpuppe sich bei genauerem Hinsehen als harter Einschnitt. Ein Beispiel dafür sei die Willibrord-Schule in Kellen: Für sie galt seit 2021 der Sozialindex von „3“. Ende 2023 veröffentlichte das Bildungsministerium NRW die neuen Indexstufen: Danach gilt für die Grundschule jetzt die Indexstufe „4“. Sie hat folglich einen größeren Unterstützungsbedarf. Auf Basis dieser neuen Indexstufe hatte der Jugendhilfeausschuss im März 2024 für die Willibrord-Schule eine Erhöhung der Schulsozialarbeit auf eine Vollzeitstelle vorgesehen. Jetzt erfolgte die Kehrtwende: Die neue Konzeption sieht eine Kürzung auf eine 0,25-Stelle für Schulsozialarbeit vor.

Ratsmitglied Marco Hendricks von den OK kann nicht verstehen, warum der Jugendhilfeausschuss diese Folge der Neuverteilung mit großer Mehrheit akzeptiert hat. „Ein weiteres Indiz dafür, dass das Berechnungsmodell der Stadtverwaltung auf tönernen Füßen steht, sind die zugrunde gelegten Zahlen der Schüler: Teilt man diese durch die Klassen an der jeweiligen Schule, dann ergibt das nicht selten Klassenstärken von mehr als 33 Kindern“, so Hendricks.

Der Fachbereichsleiter habe im Jugendhilfeausschuss eingeräumt, dass die von ihm vorgelegten Zahlen geringe Abweichungen enthalten könnten. Hendricks: „Offenbar als gering gelten die rund 100 Schüler die der Grundschule „An den Linden“ auf dem Papier hinzugerechnet worden sind. Im Gegensatz zur Willibrord-Grundschule bekommt die Grundschule „An den Linden“ so in Zukunft mehr als doppelt so viele Stellen für Schulsozialarbeit.“

Hendricks stellt fest: „Der Rat bekommt davon nichts mit. Zwar bewilligt er Haushaltsmittel, aber in Kleve wird er an manchen Diskussionen und Entscheidungen nicht beteiligt. Nicht einmal eine Kenntnisnahme ist vorgesehen. Und der Schulausschuss war nicht einmal mitberatend beteiligt. Die Konzeption der Stadt sieht einen jährlichen Bericht zur Schulsozialarbeit im Fachausschuss vor. Dieser wäre vor der Beschlussfassung nützlich gewesen, um Vergleiche anstellen zu können. Eine Anhörung der Schulleitungen, die mit dem getroffenen Resultat leben müssen, fand im Fachausschuss nicht statt. Und in der Schulleiter-Dienstbesprechung soll die Neuverteilung ganz anders dargestellt worden sein.“

Die Offenen Klever wollen das so nicht stehen lassen: „Wir haben uns für mehr Schulsozialarbeit eingesetzt. Deshalb werden wir eine so drastische Kürzung nicht hinnehmen“, teilt Hendricks mit.

Im Jugendhilfeausschuss stand am Mittwoch auch das Thema „Umsetzung der Anforderungen aus dem aktualisierten Schulsozialindex“ auf der Tagesordnung. NN-Foto: RD