Kampf um den Notarztstandort
Über 30 Vereine aus Xanten und Rheinberg setzen sich für den nächtlichen Notarztstandort ein / Am Montag tagt ein Kreis-Ausschuss
Dies hatte seitens der betroffenen Kommunen und des Xantener Krankenhauses zu erheblicher Kritik geführt. Auch im Kreistag gab es Vorbehalte und daher den Beschluss, die Einsatzzahlen noch einmal zu evaluieren. Das Evaluationsergebnis liegt nunmehr vor, führt aber bei den Krankenkassen weiterhin zu der Auffassung, dass ein Notarztstandort in den Nachtstunden ausreicht“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises Wesel.
Status Quo erhalten
Die Arbeitsgruppe zum„Erhalt der nächtlichen Notarztstandorte in Rheinberg und Xanten“ findet das unverantwortlich. Über 30 Vereine aus Xanten und Rheinberg haben sich zusammengetan, um den nächtlichen Notarztstandort zu sichern. „Wir wollen den Status Quo einfach nur erhalten“, sagt Volker Markus, Sprecher der Arbeitsgruppe.
Die Vereine fordern in einem offenen Brief den Landrat und den Kreistag Wesel dazu auf, von den Plänen Abstand zu nehmen. „Die Rettung von Menschenleben sowie die best- und schnellstmögliche notfallärztliche Versorgung der Bevölkerung in unserem Gebiet sind im Rahmen der Daseinsvorsorge oberstes Gebot. Es ist abzusehen, dass mit der Verlegung der beiden Notarztstandorte die gesetzlich geforderte Qualität der Notarztversorgung nicht mehr gewährleistet werden und die notwendige Versorgung in Notfällen vom jeweiligen Wohnort abhängen kann. Die Menschen in den dörflichen Randgebieten sind dann nur noch Bürger zweiter Klasse“, sagt Markus. Die 15 Minuten, in denen der Notarzt in einem Notfall beim Patienten eintreffen soll, könnten etwa in Eversael oder Obermörmter dann nämlich nicht mehr eingehalten werden.
Mit der Abschaffung des nächtlichen Notarztstandortes in Xanten und Rheinberg möchte die Kreisverwaltung Geld einsparen. Die Arbeitsgruppe hält jedoch dagegen und sagt, dass durch drei zu unterhaltende Standorte (Alpen tagsüber und nachts, Rheinberg und Xanten tagsüber, Anm. d. Red.) sogar höhere Kosten entstünden. Zudem habe die Verwaltung einen realitätsfremden und nicht repräsentativem Evaluierungszeitraum von nächtlichen Notfalleinsätzen während der Coronavirus-Pandemie zur Diskussionsgrundlage genommen und den Tourismus sowie die Freizeitangebote und abendlichen Veranstaltungen der Vereine nicht berücksichtigt. Die hätten während der Coronavirus-Pandemie schließlich weniger stattgefunden als zu nicht-Corona-Zeiten.
Der Ausschuss für Gesundheit, Bevölkerungs- und Verbraucherschutz des Kreises Wesel wird sich in seiner Sitzung am kommenden Montag um 16 Uhr im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Wesel mit der Thematik befassen. Die Gremien, die diese Entscheidung final mit der Mehrheit ihrer Mitglieder treffen werden, sind der Kreisausschuss, der am 8. Dezember um 16 Uhr tagen wird, und der Kreistag in seiner Sitzung am 15. Dezember, ebenfalls um 16 Uhr. Die Arbeitsgruppe hat zuvor mit den Fraktionen Kontakt aufgenommen und Gespräche geführt. Man habe positive Rückmeldungen erhalten, sagt Markus. Am kommenden Montag sind zudem Mitglieder der Arbeitsgruppe, die sich auch über mangelnde Inkenntnissetzung beklagen, eingeladen, in die Beschlussvorlage zu schauen.
Die Arbeitsgruppe plädiert ganz klar dafür, den nächtlichen Notarztstandort für Xanten und Rheinberg zu erhalten. Sie möchte damit auch einen Präzedenzfall verhindern. Denn die Sorge sei da, dass andere Kommunen nachziehen und ebenfalls Notarztstandorte schließen würden. Der Notarztsandort für Xanten und Rheinberg sollte notfalls über die Kreisumlage finanziert werden. Dass sich die Kommunen Xanten und Rheinberg an der Finanzierung beteiligen müssen, sehen sie als letzten Ausweg. „Rheinberg steht oft kurz vor der Haushaltssicherung – einmal haben wir sie sogar schon gehabt. Was ist dann, wenn Rheinberg diese Kosten nicht mehr übernehmen kann?“, sagt Bärbel Rheining-Bender vom Seniorenbeirat Rheinberg. Sie fordert vor allem auch Verlässlichkeit: „Wenn wir jetzt merken, dass der Bedarf in fünf Jahren doch ein anderer ist, sitzen wir in zwei Jahren schon wieder hier und diskutieren.“ Knapp 30 Prozent aller Rheinberger seien 2025 älter als 65 Jahre; über 50 Prozent älter als 50 Jahre. Aus Erfahrung wisse man, dass ältere Bürger öfter schnell einen Notarzt bräuchten – auch nachts.
Sabrina PetersVolker Markus (2.v.l.) und Vertreter von über 30 Vereinen wollen, dass der nächtliche Notarztstandort in Xanten und Rheinberg erhalten bleibt. NN-Foto: SP