Kalkar: Windkraft finanziert Energieberatung
Die Stadtwerke Kalkar beteiligen die Stadt Kalkar an Windenergie-Einnahmen
KALKAR. Wie lässt sich eine Immobilie energetisch am besten sanieren? Eine Frage, die sich viele Immobilienbesitzer inzwischen stellen. Die Stadt Kalkar möchte ihnen bald helfen und kostenlose Sanierungsberatungen anbieten. Gemeinsam mit den Stadtwerken Kalkar möchte die Stadt damit auch ein klares Zeichen für die Energiewende und die lokale Wertschöpfung setzen. Dafür beteiligen die Stadtwerke Kalkar die Stadt Kalkar zunächst für die Dauer von zwei Jahren finanziell am Betrieb ihrer Windenergieanlage. Die daraus resultierenden Einnahmen sollen gezielt für energetische Sanierungsberatungen für Bürger eingesetzt werden.
Möglich macht das Paragraf 6 des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Dieser ermöglicht den Betreibern von Windenergieanlagen und Solarparks, „den anliegenden Kommunen bis zu 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom als einseitige Zuwendung ohne Gegenleistung zu zahlen“. Ziel dieser Regelung sei es, die Akzeptanz für Erneuerbare-Energien-Projekte vor Ort zu stärken und gleichzeitig strafrechtliche Risiken für alle Beteiligten auszuschließen. „Diese finanzielle Beteiligung ist allerdings freiwillig. Sie bietet den Kommunen aber die Chance, direkt vom Ausbau der Erneuerbaren Energien zu profitieren und nachhaltige Projekte umzusetzen, für die Kommunen in ihren klammen Haushaltsplänen sonst keine Mittel hätten“, sagt Kalkars Klimaschutzmanagerin Sabrina Meisen.
In Kalkar wird diese Möglichkeit nun genutzt. Dazu haben sich die Stadtwerke Kalkar bereiterklärt, die Stadt Kalkar mit 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom ihrer Windkraftanlage zwischen Hönnepel und Hanselaer zu beteiligen. „Pro Jahr wird die Stadt Kalkar dadurch rund 15.000 Euro erhalten“, sagt Meisen. Weitere 600 Euro erhalte die Stadt Rees, da sie im Umkreis von 2,5 Kilometern liege. Insgesamt erzeuge die 2007 errichtete Windenergieanlage vom Typ Nordex N131/3000 R114 jährlich rund 8,5 Millionen Kilowattstunden Strom – genug, um etwa 2.450 Haushalte zu versorgen und jährlich rund 6.400 Tonnen CO2 einzusparen, wie die Stadt Kalkar erklärt.
Die Stadt Kalkar möchte die Einnahmen aus dieser finanziellen Beteiligung gezielt für die Bürger einsetzen. „Wir planen ein umfassendes Sanierungsmanagement einzuführen, welches verschiedene Beratungsangebote rund um die Themen Sanieren, Heizen, Energiesparen und den Einsatz von Erneuerbare Energien beinhalten wird“, stellt Meisen vor. Die Klimaschutzmanagerin bereitet bereits eine Ausschreibung vor und hofft, schnell ein professionelles Energieberatungsbüro gewinnen zu können. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit dem Sanierungsmanagement und den Beratungsangeboten im vierten Quartal dieses Jahres starten können“, sagt Meisen.
Kalkarer Bürger sollen dann eine kostenlose und professionelle Unterstützung erhalten, um ihre Gebäude energetisch zu modernisieren und sowohl einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten als auch den Wert ihrer Immobilie zu erhöhen. „Es wird ein niederschwelliges Angebot sein, das von jedem genutzt werden kann. Bürgerinnen und Bürger können sich einfach mal kostenlos beraten lassen und schauen, was für ihre Immobilien möglich sein könnte. Es können kleine, aber auch größere Maßnahmen im Anschluss vorgenommen werden, aber dies ist kein Muss“, betont Meisen. Das Angebot sei dabei nicht nur für Besitzer von älteren Immobilien interessant, sondern auch für Eigentümer von Häusern etwa aus den frühen 2000er Jahren. „Da war Photovoltaik ja zum Beispiel noch nicht so beliebt wie jetzt. Beim Sanierungsmanagement könnten sich Bürgerinnen und Bürger einfach mal ganz unverbindlich und kostenlos ausrechnen lassen, was sie durch eine Photovoltaik-Anlage langfristig sparen könnten“, sagt Meisen.
Die Stadtwerke Kalkar sind mit ihrer Windkraftanlage zwischen Hönnepel und Hanselaer als gutes Beispiel vorangegangen und beteiligen die Stadt Kalkar mit 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde Strom für die nächsten zwei Jahre. Auf dem zu Kalkar gehörendem Stadtgebiet gibt es insgesamt aber neun Windkraftanlagen, mit denen so ein Beteiligungsmodell nach Paragraf 6 des Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) möglich wäre. „Wir sind dazu auch mit den Betreibern bereits in Gesprächen“, sagt Meisen. Insgesamt wären so weitere Einnahmen von voraussichtlich etwa 83.000 Euro für die Stadt Kalkar möglich. „Das Schöne ist: Den Betreibern entsteht dadurch kein wirtschaftlicher Nachteil, weil sie es von den Netzbetreibern wiederbekommen“, sagt Meisen, die sich sehr über weitere finanzielle Möglichkeiten im Bereich Klimaschutz freuen würde: „Es gibt genug nachhaltige Projekte, die ich gerne umsetzen würde. Das ist bei der angespannten Haushaltsanlage so aber nicht möglich. Die finanzielle Beteiligung am Betrieb der Windenergieanlagen ist deshalb für alle Seiten eine schöne Sache“, betont Meisen abschließend.
Sabrina PetersDie Stadtwerke Kalkar betreiben eine Windenergieanlage zwischen Hönnepel und Hanselaer. Foto: Stadtwerke Kalkar