"Caritas Jahresempfang: Rainer Borsch, Martina Hoferichter, Holger Hagemann"
22. September 2026 · Niederrhein

Jahresempfang der Caritasverbände: „Da geht was und wer“

Vorstand Rainer Borsch offiziell verabschiedet

KREIS KLEVE. Mit Fliege hat er seine Arbeit im Kreis Kleve begonnen und mit Fliege beendete er sie auch. Die Rede ist von Rainer Borsch. Vor mehr als 35 Jahren startete er als Diplom-Kaufmann in der Krankenhauslandschaft in Geldern, seit 2015 stand er an der Spitze des Caritasverbandes Kleve. Nun wurde er beim gemeinsamen Jahresempfang der Caritasverbände Geldern-Kevelaer und Kleve offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Das letzte Wort in der mit knapp 300 Gästen besetzten Klever Stadthalle gehörte ihm. „Gern gehe ich nicht, denn die Arbeit bei der Caritas hat mir immer sehr viel Freude bereitet. Vor allem der Austausch und das Miteinander werden mir fehlen“, sagte Rainer Borsch. Auch wenn die eigentliche Aufgabe der Caritas der Dienst am Menschen, also die Nächstenliebe, ist, hat Rainer Borsch als Vorstand in den vergangenen Jahren so einige Spuren hinterlassen. Sichtbare wie den Bau der Kindertagesstätte Zauberstern in Kleve, die Wohngruppe Rosa in Asperden, die Eröffnung der Tagespflege St. Vinzenz in Emmerich oder zuletzt den Erweiterungsbau an der Hoffmannallee in Kleve. Und unsichtbare wie das Management in der Corona-Krise. Eine Zeit, in der Caritas funktionieren musste, in der alle Beratungs-, Betreuungs- und Pflegedienste ihre Arbeit aufrechterhielten.

Der wohl größte Verdienst von Rainer Borsch, der – und das wurde beim Jahresempfang in den vielen Videoeinspielern noch einmal deutlich – gerne im Hintergrund agiert, ist die wirtschaftliche Stabilität des Verbandes. „Als ich damals hier angefangen bin, gab es kein Controlling“, sagte Rainer Borsch. „Schritt für Schritt haben wir den Verband auf gesunde Füße gestellt.“ Er blickt dabei zu Martina Hoferichter, die zur gleichen Zeit mit ihm in Kleve angefangen ist. Das Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit verkündet er stolz: „Wir haben aktuell ein 1a-Bankrating.“ Auch Ulrich Bergmann, Vorsitzender des Caritasrates Kleve, würdigte die Arbeit des scheidenden Vorstands: „Rainer Borsch hat den Verband fast zwölf Jahre lang mit ruhiger Hand, klarem Kompass und großem Herzen geführt.“ Als sichtbares Zeichen des Dankes überreichte er ihm auf der Bühne eine Urkunde. Am Rande verlieh ihm Dr. Nora Pietsch vom Caritasverband für die Diözese Münster zudem die Ehrennadel der Caritas in Gold.

Dass der Caritasverband Kleve gut aufgestellt ist, das wissen auch seine Nachfolger – Martina Hoferichter und Holger Hagemann als gleichberechtigtes Vorstandsduo – zu schätzen. „Ich kenne Rainer Borsch bereits aus meiner Zeit als Krankenhausgeschäftsführer. Mir war klar, dass er einen gesunden Laden hinterlässt. Und das Beste daran: Einen großen Anteil daran hatte meine neue Vorstandskollegin“, sagte Holger Hagemann. Er und Martina Hoferichter übernahmen an diesem Nachmittag nicht nur offiziell den Staffelstab, sie stellten sich auch persönlich vor. Sie: Die Frau der Zahlen, gerne auch „Mrs. Excel“ genannt, die freitagsabends bei der Probe des Blasorchesters Praest zu finden ist. Und er: mit Camper am liebsten in den Niederlanden unterwegs. Ein Mann, der oft bei Schritt fünf beginnt, während alle anderen noch bei Schritt zwei sind und offen zugibt, dass es gut sei, wenn ihn jemand daran erinnert, bei Schritt eins anzufangen. Schon wieder geht der Blick dabei zu Martina Hoferichter.

Zusammen geht was – ja, das wurde an diesem Nachmittag mehr als deutlich. Der Talk zur Jahreskampagne nahm das Motto ganz konkret auf. Moderatorin Andrea Franken hatte dafür Thomas und Jan Johannes eingeladen: Vater und Sohn. Thomas Johannes ist langjähriger Pflegedienstleiter der Mobilen Pflege in Kleve, sein Sohn Jan studiert Soziale Arbeit dual in Köln und arbeitet bei der Münze der Caritas. Auch Manuela Witzke, Leiterin der Offenen Ganztagsschule St. Markus in Bedburg-Hau, und Marlo Stockhorst (9), Schüler der St. Markus-Grundschule, nahmen im Wohnzimmer der Caritas Platz. Sie berichteten von den Generationenprojekten, bei denen Kinder und ältere Menschen zusammenkommen. Den Gedanken dahinter griff Karl Döring, Vorstand des Caritasverbandes Geldern-Kevelaer, in seiner Rede auf. Jung und Alt dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Junge Menschen brächten neue Sichtweisen, Ideen und digitale Fähigkeiten mit. Ältere Menschen verfügten über Erfahrung, Wissen und oft auch über die nötige Gelassenheit. Wenn beides zusammenkomme, profitierten alle. Denn soziale Arbeit wirkt selten nur für einen einzelnen Menschen oder eine einzige Generation. Wenn die Caritas ein Kind stärkt, hilft sie meist auch dessen Eltern. Wenn sie einen älteren Menschen begleitet, entlastet sie oft eine ganze Familie.

Auch Landrat Christoph Gerwers stellte die Bedeutung der Caritas für den Kreis Kleve heraus. Die beiden Verbände seien mit ihren Diensten und Einrichtungen an vielen Stellen im Kreisgebiet präsent und gäben Menschen Halt und neue Zuversicht. Die Caritas sei für die Bürger „keine abstrakte Institution“, sagte Christoph Gerwers. „Sie hat ein Gesicht, einen Namen, eine Telefonnummer und eine offene Tür.“ Weihbischof Rolf Lohmann ging in seiner Rede noch einen Schritt weiter. Zusammenhalt sei gerade heute besonders wichtig. Viele Menschen fühlten sich einsam und nicht zugehörig. Das könne Vertrauen kosten – in andere Menschen, in Institutionen und auch in die Demokratie. Seine Botschaft: Als Gesellschaft dürften wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. „Wegducken muss vorbei sein“, sagte Rolf Lohmann und bekam dafür lautstarken Applaus. Der Weihbischof verband diesen Anspruch mit dem christlichen Menschenbild der Caritas. Nächstenliebe mache keinen Unterschied zwischen Herkunft, Religion oder Leistungsfähigkeit. Sie gelte allen Menschen – auch und gerade denen, die arm, verfolgt, geflüchtet oder einsam seien. So wurde das Kampagnenmotto an diesem Nachmittag auf mehreren Ebenen sichtbar: im Talk, in den Reden und nicht zuletzt im Wechsel an der Spitze des Caritasverbandes Kleve. Rainer Borsch geht, Martina Hoferichter und Holger Hagemann übernehmen. Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Erfahrungen. Was sie verbindet, ist der gemeinsame Auftrag: für die Menschen da zu sein. Vorstand Rainer Borsch verzichtete auf Geschenke und bat stattdessen um Spenden für das Medienprojekt „Die Münze“. Aktuell sind 2145 Euro zusammengekommen. Wer das Projekt unterstützen möchte, der findet Informationen unter www.caritas-kleve.de

Jahresempfang der Caritas: Rainer Borsch mit seinen Nachfolgern Martina Hoferichter und Holger Hagemann (v.l.). NN-Foto: Rüdiger Dehnen