150 interessierte Bürger waren zu der Veranstaltung auf dem Gocher Marktplatz gekommen. Foto: privat
7. November 2024 · Goch

Infos auf dem Gocher Marktplatz – Nationalpark: „Wirtschaftsmotor für den Niederrhein“

Chancen und Potenzial eines Nationalparks im Reichswald wurden diskutiert – Gelegenheit zum Austausch

GOCH. Kürzlich fand auf dem Gocher Marktplatz eine Informationsveranstaltung zum geplanten Nationalpark Reichswald statt. Rund 150 Bürger waren der Einladung gefolgt, um mehr über die Chancen und Herausforderungen des Nationalparks zu erfahren.

Moderiert von Katja Eis, Mitglied der Initiative Internationalpark Reichswald, gab es einen regen Austausch über die mögliche Entwicklung der Region. Josef Tumbrinck, neuer Abteilungsleiter für Naturschutz im Umweltministerium des Landes NRW, war einer der Hauptredner und betonte die positiven Auswirkungen, die Nationalparks auf ihre Umgebung haben. „Die Erfahrung zeigt, dass in allen deutschen Nationalparkregionen die Bürger ihren Nationalpark schätzen und nicht missen möchten“, erklärte Tumbrinck. Er nahm den Anwesenden die Sorgen, die insbesondere in Bezug auf die Trinkwassergewinnung und die Landwirtschaft geäußert wurden. „Die Nationalparkgrenze ist auch eine Grenze der Bestimmungen. Die Landwirtschaft ist von den Bestimmungen für den Nationalpark nicht betroffen und auch die Trinkwasserversorgung bleibt weiterhin möglich“, so Tumbrinck weiter. Der geplante Nationalpark, der in Anlehnung an den erfolgreichen Nationalpark Eifel entstehen soll, kann, wie zahlreiche Beispiele zeigen, der Region einen touristischen Aufschwung bescheren. Tumbrinck erläuterte, dass die Kosten für einen Nationalpark vollständig vom Land getragen werden, so wie jetzt die Kosten für die forstwirtschaftliche Nutzung des Reichswaldes, während die Kommunen die Option haben, in die Infrastruktur, wie beispielsweise Busverbindungen, zu investieren – dies sei aber keine Verpflichtung. Tumbrinck verdeutlicht auch, dass der Nationalpark die geplanten Windkraftanlagen im Wald verhindern würde. Hier zeichnet er ein differenziertes Bild, wobei die Wichtigkeit von Windkraft betont wird, allerdings sei es in einer ohnehin schon waldarmen Region zweifelhaft, ob der – auch aus Klima- und Artenschutzgründen schützenswerte Wald – der richtige Standort sei. In anderen, waldreicheren Regionen könne das durchaus eine sinnvolle Option sein. Die Veranstaltung bildete den Abschluss einer einwöchigen Wanderung durch den Südkreis des Kreises Kleve, bei der Katja Eis die Bürger einlud, sich selbst ein Bild von der Option eines Nationalparks für die Region zu machen. Biologe Henny Brinkhof, der den Reichswald sowie den niederländischen Teil des „Ketelwaldes“ seit Jahren begleitet, ergänzte: „Wenn der Reichswald Nationalpark wird, wird die niederländische Seite nachziehen. Wir reden dann von einem Gebiet von 9.000 Hektar!“

Später hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Hierbei wurden Chancen eines Nationalparks weiter diskutiert. Darunter das Potenzial für Kleve als Hochschulstandort mit Studiengängen für nachhaltigen Tourismus und nachhaltige Entwicklung, die von einem Nationalpark profitieren würden und zu fruchtbaren Kooperationen zwischen Wissenschaft und Nationalpark führen können. Insgesamt habe die Veranstaltung verdeutlicht, dass der Nationalpark Reichswald enormes Potenzial für den Niederrhein birgt – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich. Das rege Interesse an nachhaltigen und zukunftsorientierten Lösungen wachse. Gleichzeitig müssten Bedenken immer wieder besprochen, ernst genommen und diskutiert werden.

150 interessierte Bürger waren zu der Veranstaltung auf dem Gocher Marktplatz gekommen. Foto: privat