Bei einem Besuch im vergangenen Jahr schaute sich der Landtagsabgeordnete René Schneider die Igelpflegestelle in Alpen an. NN-Foto: Theo Leie
23. Januar 2026 · Alpen

„Igelfreunde Alpen“: Hilfe für verletzte Igel

Die „Igelfreunde Alpen“ pflegen verletzte Igel wieder gesund / 2025 wurden 308 Igel in Alpen versorgt

ALPEN. Tagsüber ist es ganz ruhig, wenn man die private Igelpflegestelle der „Igelfreunde Alpen“ besucht. Nur ab und zu ist ein leises, rasselndes Atemgeräusch zu hören. Hier und da lässt sich auch mal ein schnupfig-röchelnder Husten vernehmen. „Wenn Igel husten haben sie sehr häufig Lungenwürmer“, klärt Vereinsvorsitzende Bianca Ritter-Kowalczik auf. Auch Atemwegsinfektionen oder Flüssigkeit in den Atemwegen könnten Gründe dafür sein. In all diesen Fällen ist Ritter-Kowalczik jedenfalls für die Igel da und peppelt sie wieder auf. Seit mehr als einem Jahr sind die „Igelfreunde Alpen“ eine offiziell anerkannte Igelpflegestelle.

Dabei hat Ritter-Kowalczik, die den Verein ins Leben gerufen hat, eigentlich lange Zeit nichts mit den kleinen, stachligen Tieren zu tun gehabt. „Ich wollte als Kind mal Tierärztin werden, bin dann aber doch Finanzbeamtin geworden“, sagt die Alpenerin. In ihrem Garten fand die Ritter-Kowalczik jedoch irgendwann einen verletzten Igel, den sie nicht seinem Schicksal überlassen wollte. „Ich habe im Internet geschaut und ihn dann zu einer Frau nach Isselburg gebracht, die sich schon damals um verletzte Igel kümmerte“, berichtet Ritter-Kowalczik. Wenig später fand sie erneut einen verletzten Igel in ihrem Garten. Auch den brachte die Alpenerin nach Isselburg. Dieses Mal dachte sie aber, dass auch sie selbst etwas tun müsse. „Ich habe dann viel Literatur gelesen und Lehrgänge besucht“, sagt Ritter-Kowalczik, die alles Notwendige erlernte, um Igel-Leben retten und Igel pflegen zu können. Schließlich legte Ritter-Kowalczik nach Paragraph 11 des Tierschutzgesetzes eine Prüfung ab, die es ihr auch offiziell erlaubt, sich unter anderem um Igel kümmern zu dürfen.

Seitdem ist die Arbeit der „Igelfreunde Alpen“ gefragt. Beim Pressetermin befanden sich allein 17 Igel in der Obhut von Ritter-Kowalczik, die dafür im Keller ihres Hauses in Alpen Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. „Mit 17 Igeln bin ich allerdings auch ausgebucht, denn ich muss mich ja auch noch um die Tiere kümmern können“, sagt Ritter-Kowalczik. Bei ihr würden vor allem die besonders schwer erkrankten Igel verbleiben, die eine intensivere Pflege – teilweise sogar vergleichbar mit einer Intensivstation – bräuchten. Etwas fittere Igel verbleiben dann bei weiteren Vereinsmitgliedern, die Ritter-Kowalczik so angelernt hat, dass sie sich um diese kümmern können. 28 Ehrenamtler zählt der Verein Igelfreunde Alpen mittlerweile.

Für Bianca Ritter-Kowalczik ist die Igelpflegestelle mittlerweile zu einem Vollzeitjob geworden. Wenn ein neuer, verletzter Igel gebracht wird, führt die Alpenerin zunächst eine Erstversorgung und eine Aufnahmeuntersuchung durch. „Ich schaue mir den Igel an, mache eine Kotprobe, die ich auch an einem Mikroskop untersuche“, sagt Ritter-Kowalczik. Manche Igel seien schwer verletzt und hätten deutliche Narben oder Einschnitte an ihrem Körper. Deshalb habe sie auch immer Schmerzmittel da, die sie den Tieren verabreichen dürfe. Manche Igel seien aber auch einfach nur unterversorgt, weil ihnen die Nahrung fehle. „Igel finden heutzutage in der Natur nicht mehr viele Insekten. Deshalb kommt die schwere Zeit für sie im Herbst auch erst noch, wo sie sich normalerweise Winterspeck anfressen“, sagt Ritter-Kowalczik. Das sei für viele Igel in ihrer natürlichen Umgebung aber nicht mehr möglich.

Bei Ritter-Kowalczik in Alpen bekommen die Igel morgens und abends jeweils Futter in Form von (lebenden und toten) Mehlwürmern und anderen Insekten. Zudem führt die Expertin morgens immer ihre Versorgungsrunde durch, bei der sie sich jedes Tier einmal genau anschaut und entsprechend versorgt. Dazu gehöre jedoch auch, die Boxen, in denen Igel in der Pflegestelle leben, zu säubern sowie mit Zeitungen und Handtüchern neu auszulegen beziehungsweise zu bestücken. „Dann kommt alles Schmutzige in die Waschmaschine, den Trockner und die Spülmaschine, die auch nur für die Igel-Wäsche da sind. Währenddessen dokumentiere ich alles oder erledige noch andere Dinge“, sagt Ritter-Kowalczik. Da Igel nachtaktive Tiere seien, würden sie tagsüber natürlich schlafen. „Dafür machen sie hier Remmi-Demmi, wenn ich schlafe“, sagt Ritter-Kowalczik mit einem Lachen. Doch bevor sie abends schlafen gehe, schaue sie noch mehrmals nach den kleinen Rackern, um sie zum einen zu versorgen und nochmals Futter geben zu können, zum anderen aber auch, um sie in ihrer aktiven Phase beobachten zu können, wie sie sich entwickeln.

Im vergangenen Jahr hat Bianca Ritter-Kowalczik 308 Igel versorgt. „97 sind leider verstorben oder mussten eingeschläfert werden. Das bricht mir jedes Mal das Herz. Ich heule dann Rotz und Wasser“, sagt Ritter-Kowalczik. Umso glücklicher sei sie aber, wenn es den Tieren wieder gutgehe und sie sie an geeigneten Orten wieder in die Freiheit entlassen dürfe. Auch dabei geht sie ganz behutsam vor: Die Igel werden – nachdem immer mindestens einmal noch ein Tierarzt draufgeschaut hat – mit einem Häuschen „ausgesetzt“, in dem sie sich sicher zurückziehen können. „Ich schaue dann noch mehrfach nach ihnen, ob das klappt und es ihnen gut geht“, sagt Ritter-Kowalczik. Die verletzten Igel erhält sie von Findern aus Nah und Fern. „Ich hatte sogar schon jemanden aus Gladbeck hier, aber auch aus dem Kreis Kleve und natürlich aus der gesamten Alpener Umgebung“, berichtet Ritter-Kowalczik.

Doch was kann man tun, um Igel zu schützen? „Im Herbst sollte das Laub nur auf einen Haufen gefegt und nicht weggetan werden. Denn das ist ein natürlicher Lebensraum für Igel. Außerdem ist Totholz im Garten sehr wichtig, auch damit es genügend Insekten gibt. Zudem appelliere ich immer, die Igel ganzjährig zu füttern. Dazu kann man einfach Mehlwürmer ins Gras streuen“, sagt Ritter-Kowalczik. Auch auf Mähroboter, die zu einem wahrlichen Feind des Igels geworden sind, sollte weitestgehend oder zumindest in den Abend- und Nachtstunden verzichtet werden. Denn sie hätten schon zu starken Verletzungen bei den Lebewesen geführt.

Wer die Igelfreunde Alpen mit einer Spende – unter anderem für Tierarzt- und Futterkosten – unterstützen oder einen verletzten Igel in die Obhut von Bianca Ritter-Kowalczik und den anderen Ehrenamtlern geben möchte, findet online unter www.igel-alpen.de alle Informationen. In dringenden Fällen kann Ritter-Kowalczik unter Telefon 0172/9465964 kontaktiert werden.Sabrina Peters
Bianca Ritter-Kowalczik von den „Igelfreunden Alpen“ erklärt René Schneider das „Igel-Care-Paket. NN-Foto: Theo Leie

Bianca Ritter-Kowalczik von den „Igelfreunden Alpen“ erklärt René Schneider das „Igel-Care-Paket. NN-Foto: Theo Leie Foto: Theo Leie NiederheinNachrichten

Ein Igel, der in der Igelpflegestelle Alpen gepflegt wurde. NN-Foto: SP

Ein Igel, der in der Igelpflegestelle Alpen gepflegt wurde. NN-Foto: SP

Bei einem Besuch im vergangenen Jahr schaute sich der Landtagsabgeordnete René Schneider die Igelpflegestelle in Alpen an. NN-Foto: Theo Leie