Für Bassam Alkhouri ist es die zweite Amtszeit. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
17. Januar 2026 · Kleve

Ideen der anderen verstehen

Bassam Alkhouri kommt aus Syrien, ist Künstler und politisch engagiert

KLEVE. Es wird Bassam Alkhouris zweite Amtszeit im Integrationsrat (jetzt: Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration) der Stadt Kleve – die Zeit es Umsetzens: „In meiner ersten Amtszeit habe ich gelernt, wie es geht“, sagt Alkhouri. Lehrjahre. Nicht, dass jetzt die Herrenjahre kämen, „aber ich weiß ein bisschen mehr über die Möglichkeiten“.

Bassam Alkhouri lebt seit 2011 in Deutschland – zusammen mit seiner Frau und den beiden Kindern. Ruth, Bassams Frau, ist Niederländerin. Auch die beiden Kinder haben niederländische Pässe. Bassam ist ein Staatenloser. Geboren in Syrien – jetzt in Deutschland. Einen Pass hat er nicht – nur eine „Aufenthaltskarte“. Bis zum Jahr 2011 lebte er mit seiner Frau in Syrien. Dann passierten zwei Dinge: „Unser Sohn wurde geboren und die Revolution begann.“ Grund genug, das Land zu verlassen. Von Bassams Familie – er hat vier Geschwister und seine Mutter lebt noch – ist niemand mehr in Syrien. Die Familie: irgendwie in der Welt verteilt.

Bassam ist Künstler: Ein Mann mit vielen Ideen. Eine davon: „Menschen sollen miteinandander reden und nicht über einander.“ Eigentlich ist damit alles gesagt. Wieder einmal geht es um Kommunikation. Alkhouris Ziel als Mitglied des Auschusses: „Konzepte für unsere Stadt entwickeln.“ Alkhouri ist ein Mann der Praxis. Er hat die „Weltreise“ erfunden: Einmal im Monat treffen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft im Theater im Fluss. Sie kochen zusammen, reden zusammen, machen oder hören zusammen Musik. Eines der Ergebnisse der Weltreisen-Idee: ein Kochbuch – „Hallo Nachbarn“ heißt es. Alkhouris Idee von Politik: Menschen zusammenbringen. Die Küche als weltzentraler Ort. Das Ziel: Die Ideen der anderen verstehen. Toleranz ist keine Einbahnstraße. „Ich bin sehr gespannt, was wir mit dem neuen Ausschuss auf den Weg bringen werden.“ Alkhouri ist sicher: „Wenn ich viel über mein Gegenüber weiß, findet Kommunikation statt.“ Angst ist nicht selten das Ergebnis von Unwissenheit. Angst führt zu einem Gefühl der Ohnmacht und im nächsten Schritt zu Aggressionen. Alkhouri möchte Menschen ins Gespräch bringen. „Wenn wir einen Dialog anstoßen, ist schon viel erreicht.“

Der Ausschuss: Bei der letzten Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen wurden nicht nur Vertreter für Gemeinden, Städte und Kreise, Bürgermeister und Landräte gewählt – es wurde auch über die Zusammensetzung der Integrationsräte entschieden. In Kleve gibt es zehn direkt gewählte Mitglieder, die wir in den kommenden Wochen vorstellen. Das sind: Bassam Alkhouri (Liste Mifgash); Kenan Araca (Liste SPD); Jawad Azizi (Liste Grüne); Hamid Benbouazza (Liste SPD); Katharina Dahlmann (Liste AfD); Yuliya Görtz (Liste AfD); Muhammad Idrees (Einzelbewerber); Alina Mykhailenko (Liste Grüne); Emine Polat (Liste SPD); Abdul Shaaban (Liste OK).

Für Bassam Alkhouri ist es die zweite Amtszeit. NN-Foto: Rüdiger Dehnen