Entwurf des neuen Hospizes am Bremer Weg 10 in Emmerich. Grafik: Christina-Kleintjes-Hospiz-Stiftung
11. Juni 2025 · Emmerich

„Ich habe meine Meinung grundlegend geändert“

Petra Geerling unterstützt geplanten Bau des stationären Emmericher Hospizes

EMMERICH. Die Christina-Kleintjes-Hospiz-Stiftung plant ein stationäres Hospiz am Bremer Weg 10. Die Emmericherin Petra Geerling, die dieser Idee lange Zeit skeptisch bis ablehnend gegenüberstand, unterstützt das Vorhaben heute mit voller Überzeugung. Ihr Sinneswandel wurde durch die letzten Lebenswochen ihrer schwer kranken Schwester ausgelöst – Wochen, die geprägt waren von Fürsorge, Würde und Menschlichkeit.

„Hospiz? Das kam für mich überhaupt nicht in Frage“. Eindringlich schildert Petra Geerling, warum sie heute anders denkt und fühlt. Lange habe sie wie viele andere geglaubt, ein stationäres Hospiz sei ein Ort des Abschiebens, unpersönlich, wie ein Krankenhaus. Erst als die häusliche Pflege an ihre Grenzen stieß, kam für die Familie ein solcher Schritt überhaupt in Betracht.

Anfang 2024 erkrankte ihre Schwester schwer. Die Familie wollte sie in vertrauter Umgebung begleiten. „Wir waren viele: Ehemann, Töchter, Schwiegersöhne, Schwestern. Wir dachten, wir schaffen das.“ Doch die Realität war eine andere.

Mit der Zeit wurde die Versorgung zu Hause zunehmend schwieriger. Der Alltag wurde bestimmt von Ängsten, Erschöpfung und Medikamenten. Die Schwester, ein „Kopfmensch“, wie Geerling sie beschreibt, war fixiert auf die exakte Einnahme ihrer Medikamente. Jede Dosis, jede Uhrzeit – alles musste stimmen: „Sie hatte nur noch die Medikamente im Kopf“.

Ein Gespräch mit dem Palliativmediziner Dr. van Alst brachte schließlich einen neuen Gedanken ins Spiel: ein stationäres Hospiz. Sein Vorschlag, sich das Hospiz in Donsbrüggen zumindest einmal anzusehen, führte zu einer überraschenden Wendung: „Schon beim Betreten habe ich gemerkt, dass alles ganz anders und viel positiver ist, als ich es mir vorgestellt habe“.

Positive Erfahrungen im Hospiz in Donsbrüggen

Irgendwann habe ihre Schwester dann selbst gemerkt, dass es zu Hause nicht mehr geht und gefragt, ob sie in ein Hospiz gehen solle: „Darin habe ich sie bestärkt“, betont Petra Geerling.

Wenig später zog ihre Schwester dort ein. Was dann folgte, beschreibt Petra Geerling rückblickend als „eine schöne, intensive, beinahe friedliche Zeit“. Das Zimmer: hell, freundlich, mit persönlichen Details. Die Atmosphäre: familiär, menschlich, getragen von großem Einfühlungsvermögen. „Schon beim ersten Besuch hatte ich das Gefühl: Hier wird nicht gestorben – hier wird gelebt, bis zum Schluss.“

Besonders beeindruckt hat Geerling die Haltung des Personals. „Meine Schwester wurde gefragt, ob sie lieber gesiezt oder geduzt werden möchte. Eine Schwester sagte: ‚Das mit den Medikamenten nehmen wir jetzt mal ganz aus Ihrem Kopf – darum kümmern wir uns.‘ Und das hat meine Schwester sofort entlastet. Sie konnte die Verantwortung abgeben und loslassen.“

Die Angehörigen wurden in den Tagesablauf einbezogen. Die beiden Töchter der Verstorbenen übernachteten im Hospiz, die Familie kam täglich, Enkelkinder inklusive. Es wurde viel gesprochen – mehr und intensiver als je zuvor. Als der Abschied nahte, war die komplette Familie anwesend.

Es sind die vielen kleinen, liebevollen Momente, an die sich Petra Geerling heute noch gerne erinnert: „Einmal hatte meine Schwester Appetit auf einen Apfel. Der wurde ihr sofort gebracht, in kleine Stücke geschnitten. Ein anderes Mal fragte ein Mitpatient nach Bratkartoffeln mit Spiegelei – abends um halb zehn. Und sie wurden ihm zubereitet. Eine Schwester ist sogar abends noch zu einer Pommes-Bude gefahren, um für jemanden eine Holländische spezial zu kaufen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der auf Wünsche eingegangen wird – das war für mich unglaublich.“

Die Begegnungen im Hospiz beschreibt Petra Geerling als intensiv, tröstlich und manchmal sogar heiter: „Es wurde gemeinsam gelacht, gekocht, Erinnerungen geteilt. Die Atmosphäre war liebevoll – nie bedrückend.“ Rückblickend sagt Petra Geerling: „Im Hospiz wurde uns die Verantwortung abgenommen. Zuhause hätten wir das in dieser Form nicht geschafft. Es war eine intensive, würdevolle und schöne Zeit. Ich würde jederzeit wieder so entscheiden.“

Stationäres Hospiz in Emmerich „dringend nötig“

Darum unterstützt sie heute den Bau eines stationären Hospizes in Emmerich. „Das Hospiz in Donsbrüggen war für uns ein Glück. Aber es ist nicht direkt vor Ort – und nicht jeder Angehörige kann täglich weite Strecken fahren. Ein Hospiz in Emmerich ist dringend nötig. Die Menschen brauchen einen solchen Ort in ihrer Nähe. Einen Ort, der nicht das Sterben in den Mittelpunkt stellt, sondern das Leben – bis zuletzt.“

Mit dem geplanten Neubau in Emmerich möchte die Christina-Kleintjes-Hospiz-Stiftung genau das möglich machen: wohnortnah Leben begleiten bis zuletzt – in Würde und Geborgenheit.

Weitere Informationen unter c-kleintjes-hospiz-stiftung.de.

Petra Geerling stand dem Hospiz-Neubau lange skeptisch gegenüber, unterstützt ihn mittlerweile. Foto: privat

Petra Geerling stand dem Hospiz-Neubau lange skeptisch gegenüber, unterstützt ihn mittlerweile. Foto: privat

Entwurf des neuen Hospizes am Bremer Weg 10 in Emmerich. Grafik: Christina-Kleintjes-Hospiz-Stiftung