„Ich glaube an die Demokratie“
Hamid Benbouazza ist zum zweiten Mal Mitglied im „Integrationsrat“
KLEVE. Hamid Benbouazza ist 52. Geboren wurde er in Marokko, wo er zunächst einen Bachelor in Linguistik absolvierte. Von 2003 bis 2011 studierte er in Großbritannien (Master) im Fach Kulturmanagement und kam schließlich 2012 nach Deutschland.
Soeben hat Benbouazza seine Dissertation im Fach Soziolinguistik (in England) eingereicht. „Bevor ich nach Kleve kam sprach ich kein Wort Deutsch“, erinnert sich Benbouazza. Die Sprache lernte er über die VHS. Benbouazza ist seit 2017 Mitglied der SPD. „Bei meiner ersten Kandidatur fragte mich mein Parteikollege Josef Gietemann, ob ich mir vorstellen kann, für den Integrationsrat – so hieß das damals noch – zu kandidieren. Das habe ich gemacht.“ Benbouazza wurde gewählt. Der Ausschuss für Chancengerechtigkeit und Integration (vorher: Integrationsrat) ist für Benbouazza also nichts Neues. In der letzten Sitzungsperiode war er der Ausschussvorsitzende.
„Eigentlich wollte ich danach nicht mehr kandidieren“, sagt er. Dass er es dann doch tat, hängt unter anderem damit zusammen, dass diesmal auch die AfD-Fraktion ein Mitglied entsenden wird. Benbouazzas Credo: „Ich liebe die Demokratie und es interessiert mich, wie die denken. „Demokratie“, sagt der Vater von drei Kindern, „ist Dialog. Verweigerung hilft nicht weiter. Um einen sinnvollen Dialog zu führen, ist es auch wichtig, zuzuhören und zu verstehen, worum es dem Gegenüber geht.“
Fragt man Benbouazza danach, wie er Integration definiert, sagt er: „Natürlich ist Sprache ein wichtiger Bestandteil, aber ganz ehrlich: Ich glaube, dass Arbeit mindestens genau so wichtig ist, denn dort bist du Teil eines sozialen Netzwerks. Das ist sehr wichtig.“
Benbouazza, der übrigens Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr von Donsbrüggen ist, versteht sich als Vermittler. „Das ist meine Motivation: Menschen zu helfen.“ Seine Doktorarbeit untersucht Integrationsprozesse von und bei Marokkanern, die in Deutschland leben und wohnen.
Eines von Benbouazzas Zielen für die neue Amtsperiode: Aufklärung über die Möglichkeiten des Ausschusses. „Meine Erfahrungen aus den vergangenen fünf Jahren sind – in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Rat – sehr positiv.“
Dass jede Ratspartei eines ihrer Mitglieder in den Ausschuss sendet, sieht Benbouazza positiv. „Natürlich könnte man sagen, wenn einer keinen Migrationshintergrund hat – was soll der im Ausschuss? Aber Politik ist ein wichtiges Instrument und somit unverzichtbar, wenn man Menschen eine Stimme geben möchte.“ Wieder geht es um Kommunikation – um Zuhören und darum, dass man weiß, wie die anderen denken. Benbouazza freut sich auf die neue Amtsperiode. Würde er wieder den Vorsitz übernehmen? „Wenn ich gewählt werde, dann natürlich. Auch das ist Teil der Demokratie.“
Der Ausschuss: Bei der letzten Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen wurden nicht nur Vertreter für Gemeinden, Städte und Kreise, Bürgermeister und Landräte gewählt – es wurde auch über die Zusammensetzung der Integrationsräte entschieden. In Kleve gibt es zehn direkt gewählte Mitglieder, die wir in den kommenden Wochen vorstellen. Das sind: Bassam Alkhouri (Liste Mifgash); Kenan Araca (Liste SPD); Jawad Azizi (Liste Grüne); Hamid Benbouazza (Liste SPD); Katharina Dahlmann (Liste AfD); Yuliya Görtz (Liste AfD); Muhammad Idrees (Einzelbewerber); Alina Mykhailenko (Liste Grüne); Emine Polat (Liste SPD); Abdul Shaaban (Liste OK).
Hamid Benbouazza lebt seit 2012 in Deutschland. NN-Foto: Rüdiger Dehnen