Oraniendeich bei Emmericher Rheinbrücke, Station des Projekts „Hochwasser verbindet“, Landschaft mit Rhein und Brücke. Foto von Gérard Weck.
9. Oktober 2026 · Kleve

Hochwasser verbindet: Grenzübergreifendes Schulprojekt bei Emmerich und Kleve

Jugendliche aus Emmerich und Zevenaar gemeinsam unterwegs

NIEDERRHEIN. Mit dem voranschreitenden Klimawandel werden die Themen Wassersicherheit und Hochwasserschutz immer wichtiger. In der deutsch-niederländischen Grenzregion haben sich Schüler aus Emmerich und Zevenaar bei einem Projekttag „Hochwasser verbindet: unsere Region, unsere Zukunft“ nun genauer damit befasst. Der Rhein und seine angrenzenden Dörfer spielten dabei eine besondere Rolle.

130 Jugendliche der Gesamtschule Emmerich, des Willibrord Gymnasiums und des Liemers College Zevenaar schlüpften einen Vormittag lang in die Rolle von Forschern. Dabei brachten Busse sie in mehreren Gruppen zu vier Stationen, jeweils zwei auf deutscher und niederländischer Seite. Am Regelwerk Pannerden, im Naturgebiet De Bijland, am Oraniendeich in Kleve und dem Dorf Schenkenschanz erhielten die Schüler viele Informationen zur Geschichte der Region und untersuchten Böden sowie Gewässer. Begleitet wurden sie von vielen Ehrenamtlichen des Verbands Liemers Niederrhein, der Geschichtsvereine Rijnwaarden, Duffelt und Emmerich sowie der Fachhochschule Van Hall Larenstein.

„Es geht vor allem darum, was in Zukunft passiert. Wie es angesichts des Klimawandels weitergehen wird“, berichtet Bernhard Lensing vom Geschichtsverein Emmerich. „1926 gab es in Schenkenschanz das höchste Hochwasser, dass jemals gemessen wurde. Das ist jetzt genau 100 Jahre her. Das war der Grund, wieso wir uns gedacht haben, dass man das Thema gemeinsam mit Schülern einmal aufgreifen sollte.“ Bei einem Rundgang durch den Ort erläutert Lensing mehr zur Geschichte des Ortes, betont die Funktion der Mauer, die sich um das Dorf befindet. Beide Ortseingänge sind Tore, die die Bewohner bei Hochwasser vor der Überschwemmung bewahren. „Bei Hochwasser wird Schenkenschanz zur Insel“, berichtet Lensing weiter. In der Nähe von Schenkenschanz führte Dennis de Jager, Dozent an der Hochschule Van-Hall-Larenstein mit den Schülern erste Bodenbohrungen durch und erklärte ihnen alles, was sie über die Beschaffenheit der Erde am Deich wissen müssen. In Gruppen von sechs Personen erledigten die Schüler an jeder Station Aufgaben, die in einem speziell für diese Exkursion erstellten Projektbuch enthalten waren. Ihre Ergebnisse sollten sie kreativ, ausarbeiten. Beispielsweise in einem Vlog oder einer Wandzeitung. Bereits im Vorfeld haben sich die Schüler im Unterricht mit dem Thema Hochwasser und Wassersicherheit befasst. Lehrerin Christy vom Liemers College betont, das Thema stoße bei den Schülern auf gemischtes Interesse: „Schüler die in der Nähe von Flüssen oder Bächen leben, sind generell interessierter an dem Thema. Natürlich sind die Schüler schockiert, wenn sie von einem Hochwasser in der Region erfahren, viele denken da sonst aber nicht wirklich drüber nach.“ Auch Bernhard Lensing bemerkt: „Manche Gruppen sind deutlich interessierter als andere.“

Dennis de Jager, Dozent, nimmt Bodenproben mit Schülern nahe Schenkenschanz, Hochschule Van-Hall-Larenstein, Feldstudie.

Hier führt Dennis de Jager, Dozent an der Hochschule Van-Hall-Larenstein Bodenproben in der Nähe der Schenkenschanz mit den neugierigen Schülern durch. Foto: Privat

Trotzdem konnte das Tagesziel, nach Gemeinsamkeiten bei Fragen zu Wasser und Klima zu suchen, erreicht werden. Die Schüler lernten die unterschiedlichen Lernansätze kennen die auf der gegenüberliegenden Seite der Grenze genutzt werden und waren dazu aufgerufen zusammenzuarbeiten. Sehr gut klappt die Zusammenarbeit auch unter den Partnervereinen. „Der Verband Liemers Niederrhein ist seit den 60er Jahren schon eine deutsch-niederländische Organisation“, sagt der Vorsitzende Harry Ankoné. Mit den anderen Vereinen habe man dann bei einer Lesung zum Thema Schiffahrt erstmals mehr Nähe zueinander gesucht und dort über das Thema Bildung gesprochen. Bald war ein Förderantrag für die Euregio Rhein-Waal und Interreg Deutschland – Niederlande gestellt. „Sie fanden die Idee, das Thema Hochwasser zusammen mit Schülern aufzugreifen, sehr gut und haben zügig ihre Unterstützung zugesagt“, beschreibt Lensing weiter. So konnte das Vorhaben schnell in die Tat umgesetzt werden.

Gegen Mittag ging es für alle Lehrer und Schüler zur Gesamtschule Emmerich zurück. Dort wurde noch eine Stunde an den Präsentationen der Ergebnisse gearbeitet. Auch ein Rahmen zum Austausch blieb. Präsentiert und Besprochen werden die Schülerergebnisse jedoch erst bei einer Abschlusssitzung des Projekts am 26. November im Musiater Zevenaar.

Der Oraniendeich bei der Emmericher Rheinbrücke war eine der vier Stationen für das Projekt „Hochwasser verbindet: unsere Region, unsere Zukunft“. Foto: Gérard Weck