Hilfe auf dem Weg in ein unbeschwertes Leben
Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung bietet Platz zum Durchatmen und Fuß fassen
LABBECK. „Kinder sind Zukunft und brauchen Zukunft“. Bei den „Labbecker Sandhasen“, einer vollstationären Einrichtung für Kinder und Jugendliche, sind das keine leeren Worte. Vielmehr entspricht es der Überzeugung des siebenköpfigen Teams, das in Sonsbeck-Labbeck seine Schützlinge rund um die Uhr betreut. Umgeben von Wiesen, Feldern und Natur in Hülle und Fülle ist hier ein Ort entstanden, der schon alleine durch seine Lage zum Durchatmen einlädt. Jedes Kind hat sein eigenes Zimmer, es gibt einen gemeinsamen Aufenthaltsraum, eine Küche und verschiedene Badezimmer. Ein großer Garten steht zum Spielen, Toben oder einfach nur zum Chillen zur Verfügung.
Angefangen hat alles, als sich die Gründerin und heutige Geschäftsführerin der Einrichtung, Nicola Hüesker, dazu entschloss, mit ihrem Erfahrungsschatz aus langjähriger Arbeit als Diplombetriebswirtin und Sozialpädagogin ihr eigenes Ding zu machen. Sie fand ein geeignetes Haus im Grünen und gibt hier seit 2019, unterstützt von einem professionellen Team, sieben Kindern und Jugendlichen ein Zuhause inklusive fachkundiger Lebenshilfe. Damals ahnte sie noch nicht, wie steinig dieser Weg werden würde, aber sie kämpfte sich gemeinsam mit Tochter Nanette durch behördliche Verordnungen und gesetzliche Hürden durch und kann heute stolz sein auf ein Projekt, das seinesgleichen sucht.
Mittlerweile hat die Gründerin nicht nur tatkräftige Unterstützung durch ihre Tochter Nanette, sondern auch durch ein ausgebildetes Pädagogen-Team. Finanziert wird die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung von den belegenden Jugendämtern, die jeweils einen Tagessatz pro Kind zahlen. Davon wird die komplette Versorgung der Kinder einschließlich kleineren Ausflügen, Geburtstagsfeiern, Ferienfreizeiten und vieles mehr getragen.
Die Kinder und Jugendlichen sind irgendwann in ihrem Leben viel zu früh in einer Art Sackgasse gelandet und anschließend in die Obhut des zuständigen Jugendamtes gekommen. Von hier aus werden sie dann an geeignete Einrichtungen weitergeleitet, die sich um das Wohl ihrer Schützlinge kümmern. So ist es auch den „Labbecker Sandhasen“ ergangen.
Nanette Hüesker beschreibt den Alltag der Wohngruppe und worauf besonders viel Wert gelegt wird so: „Für die Kinder und Jugendlichen ist ganz wichtig, dass sie eine stabile Struktur in ihrem Leben haben. Unsere Aufgabe besteht insofern darin, ihnen einen geregelten Alltag zu bieten. Dazu gehört morgens der reguläre Besuch von Kita oder Schule, nach einem gemeinsamen Mittagsessen und einer kleinen Ruhephase geht‘s an die Hausaufgaben und danach kann sich jeder aussuchen, wie er seine Freizeit am Nachmittag gestaltet. Einige Kinder gehen ihren Hobbys nach, spielen Fußball im örtlichen Verein oder freuen sich über eine kostenlose Reitbeteiligung im nahegelegenen Reiterhof.“
Die unsichtbaren Wunden und Narben, die die Kinder in früheren Jahren geprägt haben, werden – je nach individuellem Bedarf – parallel in Therapiesitzungen mit externen Fachkräften aufgearbeitet. Im Mittelpunkt steht hierbei, Entwicklungsverzögerungen oder ADHS-bedingte Herausforderungen gezielt zu unterstützen und die Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung bestmöglich zu fördern und auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. In den meisten Fällen bleibt der Kontakt zu den Herkunftsfamilien bestehen und wird pädagogisch begleitet, sodass im besten Fall langfristig ein tragfähiges und sozialverträgliches Miteinander entstehen kann.
Ein großer Wunsch der Verantwortlichen ist nach wie vor, das vorherrschende Stigma, dem die Kinder als „Heimbewohner“ tagtäglich sowohl in der Schule als auch in der Gesellschaft ausgesetzt sind, aufzulösen. Nanette Hüesker weiß, wie schwer es ohnehin schon für ihre Schützlinge ist, in einem „normalen“ Leben Fuß zu fassen. Wenn sie dann noch von außen mit Vorurteilen und Ressentiments konfrontiert werden, erschwert es den Kampf um einen erfolgreichen Start in eine bessere Zukunft ungemein.
Bleibt zu hoffen, dass die Labbecker Sandhasen auf einem guten Weg sind und der Einsatz des pädagogischen Fachpersonals weiterhin auf Respekt und Wertschätzung stößt. Wer die Einrichtung aktiv unterstützen möchte, ist eingeladen, sich unter der Mail sandhasen@e-n-a.info zu melden. Egal ob Eintrittskarten für Freizeitparks, Kinogutscheine oder Angebote für kostenlose Ferienfreizeiten, die Zuwendungen sind hier am richtigen Platz.
Olga, Nanette, Nina und Tobi (v.l.) kümmern sich um Kinder und Jugendlichen, die irgendwann in ihrem Leben viel zu früh in einer Art Sackgasse gelandet sind. Foto: Antje Felscher