Herzenswunsch Niederrhein erhält Goldenen Ochsenorden
Der Verein bietet heutzutage Kindern und Jugendlichen eine kostenlose Trauerbegleitung an
„Herzenswunsch Niederrhein“ wurde vor 15 Jahren vom Bedburg-Hauer Hausarzt Reinhold Kohls gegründet. Seinerzeit war es das Ziel, schwerkranken Menschen und ihren Familien Herzenswünsche zu erfüllen. Schon damals finanzierte sich der Verein zu 100 Prozent aus Spenden. „Als ausgebildete Trauerbegleiterin bin ich schließlich auf Kohls gestoßen“, berichtet van Hardeveld. So kam zur Wunscherfüllung schließlich auch die Trauerbegleitung für Kinder und Jugendlich hinzu.
Bei ersterer erhielt der Verein jedoch mehr und mehr Hilfe von den Johannitern, die im Rahmen ihrer eigenen „Sternstunden“ Wünsche schwerkranker Menschen erfüllen. „Mit ihrem ,Wünschewagen‘ konnten sie zudem auch schwerstkranke Menschen transportieren. Das war letztendlich Schicksal, denn so konnten wir uns komplett auf die Trauerbegleitung fokussieren“, erläutert van Hardeveld. Heute bietet der in Kalkar ansässige Verein „Herzenswunsch Niederrhein“ nur noch Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche an. „Und diese ist für Familien komplett kostenlos“, betont van Hardeveld.
Das Angebot ist mittlerweile sehr vielfältig aufgestellt. Es gibt Einzelbegleitung, monatlich stattfindende Trauergruppen für Kinder von fünf bis elf Jahren sowie Jugendlichen ab zwölf Jahren, Workshops, eine Ferienzeit und sogar einen Elternstammtisch, bei dem sich Eltern von Kindern aus der Trauerbegleitung ebenfalls untereinander austauschen können.
Die Nutzung der Angebote ist jedoch nicht auf eine bestimmte Dauer begrenzt. „Manche Kinder und Jugendliche sind über mehrere Jahre bei uns, denn sie entwickeln sich ja weiter. Sie haben zum Beispiel ihren ersten Freund, aber die Trauer ist irgendwie immer da. Diese können sie nicht einfach wegwischen, aber sie versuchen mit ihr zu leben“, sagt van Hardeveld. Und dabei seien die ehrenamtlichen Trauerbegleiter den Kindern und Jugendlichen behilflich.
Doch damit das gelingen kann, sei eine schnelle Trauerbegleitung wünschenswert. „Wenn der Vater oder die Mutter schwerkrank im Hospiz liegen, gibt es Angebote für Erwachsene – aber keine für Kinder. Dabei ist es wichtig, dass sie mit ihren Gefühlen nicht allein sind. Am besten ist es, wenn sie so früh wie möglich Kontakt zu uns aufnehmen, damit wir schon ein Vertrauensverhältnis aufbauen können, bevor der Tod eintritt“, sagt van Hardeveld.
Die Gespräche fänden zunächst mit den Kindern und Jugendlichen allein statt. „Denn sie sollen im Mittelpunkt stehen“, sagt die Gindericherin. Die Arbeit der Trauerbegleiter sei aber nicht nur auf den Verlust von Mutter oder Vater begrenzt. Auch bei Geschwisterkindern oder wenn Großeltern, zu denen eine sehr enge Bindung bestand, sterben, stehen sie den trauernden Kindern und Jugendlichen zur Seite.
Die Einzelbegleitung bestünde dann so lange, wie der junge Mensch sie brauche. Auch die nach Altersgruppen aufgeteilten beiden monatlich stattfindenden Trauergruppen könnten jedoch bei der Bewältigung von Trauer zusätzlich helfen. „Dort treffen die Kinder und Jugendliche auf andere Kinder und Jugendliche, die in ähnlichen Situationen sind und deshalb Verständnis füreinander haben. Sie bekommen das Gefühl: So wie ich fühle, fühlen sie auch“, berichtet van Hardeveld.
Dass sie nur ein Mal pro Monat stattfinden, sei so gewollt. „Wir wollen die Kinder und Jugendliche nicht überfordern. Sie bekommen von uns ja auch Aufgaben mit. Zum Beispiel einen Gefühlsstein, der mit unterschiedlichen Symbolen bemalt wird. Sie sollen dann zuhause die Seite nach oben liegen, die zeigt, wie sich gerade fühlen. Da gibt es etwa die Sonne oder Wolken“, erklärt van Hardeveld. Ihre Erfahrungen im Alltag mit der Familie sollen sie dann in der Gruppe teilen.
Darüber hinaus bietet „Herzenswunsch Niederrhein“ unter anderem Foto-, Trommel- oder unterschiedliche Bastel-Workshops an. Sie sollen den Kindern und Jugendlichen ebenfalls bei der Trauerbewältigung helfen. „Und das alles ist wichtig, weil wir damit präventiv tätig sind“, betont van Hardeveld. Nicht bewältigte Trauer könnte zu Aggressionen, starken Verlustängsten, die das Leben bestimmen und beeinträchtigen können, und anderen Verhaltensauffälligkeiten führen. Dennoch würden keine Kranken- oder Pflegekassen die Arbeit der Trauerbegleiter finanziell übernehmen. „Auch Psychologen und Psychotherapeuten sind nicht in der Trauerbegleitung ausgebildet“, sagt van Hardeveld.
Deshalb sei das ehrenamtliche Engagement von „Herzenswunsch Niederrhein“ auch so wichtig für Kinder und Jugendliche. Es sei aber auch einzigartig am Niederrhein, weshalb sie nicht nur Kinder aus den Kreisen Kleve und Wesel betreuen. „Wir hatten auch schon ein Kind aus Krefeld. Im Moment sind wir aber von Kleve bis Xanten tätig“, berichtet van Hardeveld. Insgesamt seien zurzeit 14 Kinder in der Trauergruppe für Kinder, zehn Jugendliche in der Trauergruppe für Jugendliche und sechs junge Menschen in der Einzelbetreuung.
Vier ehrenamtliche Trauerbegleiter engagieren sich derzeit bei „Herzenswunsch Niederrhein“. Der Bedarf sei allerdings größer. „Eigentlich soll jeder maximal zwei Kinder oder Jugendliche gleichzeitig betreuen. Wir hatten aber auch schonmal jeder drei“, sagt van Hardeveld.
Damit die Arbeit so fortgeführt werden könne, sei der Verein, der seine Räumlichkeiten an der Wallstraße 10 in Kalkar hat, zudem auf Spenden angewiesen.
Weitere Informationen zur Arbeit von „Herzenswunsch Niederrhein“ gibt die erste Vorsitzende Bianca van Hardeveld unter Telefon 0151/65625815 oder per E-Mail an trauerbegleitung.niederrhein@outlook.de sowie online unter www.herzenswunsch-ndrh.de.
Sabrina PetersDer Goldene Ochsenorden
Der Goldene Ochsenorden der Kalkarer Karnevalsgesellschaft wird seit 1967 jährlich an verdiente Ehrenamtler oder Vereine am unteren Niederrhein verliehen. Das Motto lautet stets „Ein Herz hat nur, wer ein Herz für andere hat“. Im vergangenen Jahr ging der Goldene Ochsenorden an den Gocher Verein „Goch hilft“. Da aufgrund der Ölkrise (1974), des Golfkrieges (1991) und der Coronavirus-Pandemie (2021 und 2022) keine Verleihung stattfand, erhält „Herzenswunsch Niederrhein“ nun den 55. Goldenen Ochsenorden der Kalkarer Karnevalsgesellschaft. Er wird am Ochsensonntag, 16. Februar, ab 10.30 Uhr im Ratssaal des Kalkarer Rathauses verliehen. Anschließend gehen die Feierlichkeiten zu Ehren des neuen Ochsenordenträgers beim Prinzenempfang im Pädagogischen Zentrum (PZ) im Schulzentrum Kalkar weiter.
Bianca van Hardefeld (2.v.r.) hat mit Ehemann Dirk (3.v.l.) die Arbeit von „Herzenswunsch Niederrhein“ vorgestellt. Kalkars Bürgermeisterin Britta Schulz, Stephan Weber, Paul Jamin und Jens Rottmann (alle KKG; v.l.) freuen sich mit der Preisträgerin auf die Verleihung am 16. Februar. NN-Foto: SP