Das Podium bei der Vorstellung der Kriminalstatistik (v.l.): Pressesprecher Stefan Sparberg, Polizeidirektor Uwe Lottmann, Landrat Christoph Gerwers, Thorsten Schröder (Leiter der Direktion Kriminalität) und Pressesprecherin Corinna Saccaro. NN-Foto: HF
11. März 2026 · Kleve

Gute Zahlen, helles Sakko

Kreispolizeibehörde Kleve stellt die Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vor

KREIS KLEVE. Thorsten Schröder hat ein helles Sakko gewählt. Schröder ist Leiter der Direktion Kriminalität der Kreispolizeibehörde Kleve. Die Sakkofarbe hat Signalqualität. Vier Worte: „Gute Zahlen, helles Sakko.“

Der Landrat als Behördenleiter nickt und sagt: „In einer Zeit, in der gute Nachrichten zur Rarität geworden sind, möchte ich direkt mit einer solchen beginnen: Die Zahl der registrierten Straftaten im Kreis Kleve ist rückläufig! Insgesamt hatten die Mitarbeiter der Kreispolizeibehörde 20.955 Strafanzeigen zu bearbeiten, was einen Rückgang von 12,8 Prozent zum Vorjahr ausmacht.“ Der Trend der Vorjahre: umgekehrt. Im Land NRW betrug das Minus der erfassten Straftaten drei Prozent.

Dann folgen rund 75 Minuten lang Zahlen, Delikte, Aufklärungsquoten, Suche nach Erklärungen – alles, was dazugehört wenn eine Kriminalstatistik vorgestellt wird. Während die Sache ihren Lauf nimmt, denkt man, dass Schröders Sakko zumindest ein paar „nicht helle Punkte“ haben sollte. Da wäre beispielsweise die Statistik zum Thema „Widerstandlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen“. 100 Fälle wurden 2024 registriert. 148 waren es im vergangenen Jahr. Die Besetzung auf dem Podium (Landrat Christoph Gerwers, der leitende Polizeidirektor Uwe Lottmann, Thorsten Schröder sowie für die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Stefan Sparberg und Corinna Saccaro) sind sich einig: „Das hat es früher so nicht gegeben.“ Für die Suche nach möglichen Gründen der „Eskalation der Zahlen“ ist eine Kriminalstatistik-Pressekonferenz möglicherweise nicht der richtige Ort. Hat es das früher wirklich nicht gegeben? Die Zahlen der Tabelle reichen zurück bis ins Jahr 2015. Damals waren es 65 Fälle. Ein Jahr später ein Rückgang auf 48 Fälle. Dann folgt ein fast linear verlaufender Anstieg. Dass sich jemand möglicherweise gegen eine Festnahme wehre, sei ja noch nachvollziehbar, aber dass Rettungskräfte im Einsatz beleidigt, bespuckt und teils körperlich angegangen würden – das sorgt für Kopfschütteln auf dem Podium und man möchte sich anschließen.

Immerhin – rückläufige Zahlen in Sachen Diebstahlsdelikte: 8.392 im Jahr 2024; 7.836 im Jahr 2025. Rückläufig auch die Vermögensdelikte: 2.840 (gemeldete Fälle) im Jahr 2024, 2.673 im vergangenen Jahr. Einen spektakulären Rückgang im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität (2.716 Fälle im Jahr 2024 und 1.054 im vergangenen Jahr) erklärt Schröder mit der Änderung des Cannabisgesetzes. Das leuchtet ein. Der Löwenanteil der Straftaten entfällt auf Diebstähle (38 Prozent; 7.836 registrierte Fälle). Auf Sexualdelikte entfallen bei 451 Taten zwei Prozent.

Die Aufklärungsquote liegt bei der Kreispolizeibehörde (KPB) Kleve bei 58,9 Prozent – im Land liegt sie bei 53,7 Prozent.

Alles ist erfasst worden: Männliche Täter, weibliche Täter, deutsche Täter und solche mit anderen Nationalitäten. Immer verlässlich: Die Zahl männlicher Tatverdächtiger (nicht alle, die in der 2025er Statistik auftauchen, sind schon verurteilt) liegt weit über den Zahlen der weiblichen Tatverdächtigen. Wirft man einen Blick auf das Delikt der „gefährlichen Körperverletzung“ (insgesamt 450 Tatverdächtige), entfallen immerhin 20 Taten auf Kinder und 54 auf Jugendliche.

Jede Statistik, auch das ist wichtig, bildet ein Hellfeld ab; listet also – wie sollte es auch sonst sein – nur solche Taten, die zur Anzeige gebracht wurden. Wie es im Dunkelfeld aussieht? Auch dazu gibt es Rechenspiele, die aber in der Statistik (zu Recht) nicht auftauchen.

1.026 Vorfälle häuslicher Gewalt wurden 2024 registriert – im vergangenen Jahr waren es 1.016. Ein Rückgang, ja – aber er verläuft an einer Demarkationslinie, die sich schwer orten und definieren lässt. Thorsten Schröder erklärt, dass man bei häuslicher Gewalt längst nicht mehr nur an „Mann schlägt Frau“ denken müsse. Mittlerweile sind alle Konstellationen denkbar und ereignen sich auch: Eltern Kinder, Kinder Eltern – alles ist möglich.

Natürlich erfasst die Statistik auch alle Städte und Gemeinden des Kreises Kleve – listet Fallzahlen auf, ohne (siehe oben) Erklärungen zu liefern. 30 Seiten umfasst die Kriminalstatistik und wer in die Feinheiten einsteigen möchte, sieht sich die Zahlen am besten selber an: https://kleve.polizei.nrw/artikel/polizeiliche-kriminalstatistiken.

Man darf gespannt sein, welche Farbe Thorsten Schröders Sakko im kommenden Jahr haben wird.

Das Podium bei der Vorstellung der Kriminalstatistik (v.l.): Pressesprecher Stefan Sparberg, Polizeidirektor Uwe Lottmann, Landrat Christoph Gerwers, Thorsten Schröder (Leiter der Direktion Kriminalität) und Pressesprecherin Corinna Saccaro. NN-Foto: HF