Hecken in der Landwirtschaft: Mehr als eine Reihe von Sträuchern
Fünfter Teil der Serie von NN und Naturschutzzentrum im Kreis Kleve zum Thema Hecken: Von Biodiversität und Bodenschutz – wie Hecken zur Ertragssteigerung und Nachhaltigkeit beitragen
KREIS KLEVE. Hecken, Feldgehölze und deren angrenzende Säume sind wichtige Bestandteile der niederrheinischen Kulturlandschaft. Schon seit dem Mittelalter hatten Hecken eine Vielzahl von Funktionen: Sie dienten zum Schutz ländlicher Siedlungsgebiete und zur Markierung der Eigentumsgrenzen in einer kleinstrukturierten Landschaft. Als lebendige Zäune hegten sie Nutzvieh auf den Weideflächen ein und hielten Wildtiere von den wertvollen Kulturflächen fern. Nicht zuletzt konnten Mensch und Tier leckere und gesunde Wildfrüchte „snacken“.
Anders als zu Zeiten kleinbäuerlicher Strukturen sind die Kulturflächen heute große zusammenhängende Schläge, welche mit großen, leistungsstarken Maschinen bewirtschaftet werden. Eingestreute Hecken erschweren die zeiteffiziente und großflächige Bewirtschaftung und müssen zudem auch regelmäßig gepflegt und zurückgeschnitten werden. Insbesondere wegen ihres Bestandsschutzes in der Kulturlandschaft stehen viele Flächeneigentümer den Hecken kritisch gegenüber.
Kulturschädlinge wie Blattläuse, Kartoffelkäfer-Larven (Foto) und Spanische Wegschnecken können durch heckenbewohnende Käfer, Schwebfliegen oder Schlupfwespen in Schach gehalten werden. Foto: M. Büdding
Wie auch in diesem Sommer deutlich zu sehen war, müssen immer mehr Betriebe während der langen Hitze- und Dürreperioden ihre Kulturen zusätzlich bewässern. Technik und Umsetzung sind zeit- und kostenintensiv und kann bei sinkenden Grundwasserständen die Wasserressourcen weiter belasten. Die künstliche Bewässerung ist daher keine langfristige Lösung, um die Erträge der Landwirtschaft zu sichern. Umso wichtiger ist es, Niederschläge möglichst gut im Boden zu halten und die Versickerung zu fördern. Ein großer Faktor hierfür ist die Feinkrümeligkeit und Wasserhaltekapazität der Böden, die maßgeblich von deren Humusgehalt beeinflusst wird. Durch Laubstreu und tiefere Durchwurzelung der Böden lassen sich in der Nähe von Heckenstrukturen eine gesteigerte Humusanreicherung erreichen und zudem durch eine lockere Struktur die Versickerung der Niederschläge und Grundwasserneubildung verbessern.
Da Hecken auch als Windbarriere dienen, können sie auch bei Bodenerosion Abhilfe schaffen. Ungebremste Winde können auf noch unbestellten Flächen oder in klassischen Reihenkulturen trockenen Oberboden schnell abtragen. Auch verstärkt auftretende, plötzliche Starkregenereignisse können Oberboden abschwemmen und teils große Rinnen entstehen lassen. „Das bisschen Erde“ ist im Jahresverlauf nicht unbedingt spürbar, kann aber im Laufe weniger Jahre deutliche Mengen wertvollen Mutterboden umfassen. Durch die dichte Struktur der Hecke und ihr Wurzelwerk werden sowohl die starken Regenabflüsse abgebremst als auch der Wind in Bodennähe verringert. Dadurch wird die Feldfrucht selbst auch vor starken Böen geschützt.
Ein weiterer Vorteil: Durch den Windschutz wird auch die starke Verdunstung auf den Flächen während starker Hitzeperioden verringert. Die Feuchtigkeit wird länger im Boden gehalten und bleibt für die Feldfrucht verfügbar. Ausschlaggebend ist dabei die Ausrichtung der Hecken, damit die Kulturen nicht zu stark beschattet werden und überwiegend profitieren können.

Im Interreg-Projekt „Grenzenlose Landschaft“ wird die Neuanalage von Hecken auf landwirtschaftlichen Flächen gefördert. Foto: NZ Kleve
Fest steht – vor dem Hintergrund zunehmend extremer Witterungsbedingungen braucht es nachhaltige neue -oder alte - Strategien, um eine schöne, gesunde und profitable Kulturlandschaft zu erhalten. Hecken und Feldgehölze können einen Beitrag dazu leisten.
Der letzte Teil der Artikel-Serie erscheint am 30. Dezember: „Kulturhistorische Elemente und regionale Identität der Hecken“.
Die Versickerung von Stauwasser auf Äckern wird durch die Wurzeln der Hecke gefördert. Foto: NZ Kleve