Handwerk und Vereinsleben
„An Niers und Kendel“: 77. Ausgabe der Historischen Zeitschrift für Goch und Umgebung erschienen
GOCH. Zum Ende des vergangenen Jahres ist die 77. Ausgabe von „An Niers und Kendel“, der Historischen Zeitschrift für Stadt Goch und Umgebung erschienen. Auf 32 Seiten widmen sich die Autoren wieder vielen Themen, die für die Lokalgeschichte interessant sind. Herausgeber ist der Heimatverein Goch, bei dem der Historische Arbeitskreis seit vielen Jahren beheimatet ist.
So schreibt Dieter Bullack über den Schmiedebetrieb Vaegs und erinnert an den Gocher Ehrenbürger und Altbürgermeister Willi Vaegs, der im Juni 2025 verstorben ist. Dessen Ernennung zum Ehrenbürger am 6. September 2020 war ein „Jahrhundertereignis“, so Bullack. Denn die letzte Ernennung eines Ehrenbürgers lag damals bereits 92 Jahre zurück. Den Corona-Bedingungen geschuldet, wurde der Festakt mit geladenen Gästen im „Haus am See-GochNess“ in Kessel gefeiert. Viele Weggefährten würdigten Willi Vaegs, der sich anschließend ins Goldene Buch der Stadt Goch eintragen durfte. Dort ist er als einzige Person mit drei Einträgen vertreten: 1995 als Bürgermeister beim Treffen mit den Partnerstädten Andover, Redon und Veghel, 1997 unterzeichnete er als Bürgermeister die Partnerschaft mit der polnischen Stadt Nowy Tomysl und schließlich als Ehrenbürger. Die Geschichte der Schmiede-Familie Vaegs reicht weit zurück, als Stammvater gilt Johann Vaegs (1732 bis 1802). Im Jahr seiner Heirat 1759 eröffnete dieser in Goch am Markt/Ecke Mühlenstraße eine Schmiede. In der Familie wurde das Schmiedehandwerk Tradition; ebenso wie die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Goch. Wilhelm und Anton Vaegs gehörten zu den Mitbegründern.
Ausführlich geht Dieter Bullack auch auf die jüngere Familiengeschichte ein und viele Bilder bereichern den Artikel.
Dem Taubensport widmet sich Franz van Well in seinem Beitrag über den Brieftaubenzuchtverein „zur friedenseiche“. Am 20. Oktober 1960 wurde der Verein aus der Taufe gehoben; die Gründer gehörten bis dahin dem Verein „Niersbote“ an, doch dieser war zu groß geworden. Damals gab es sieben Taubenzuchtvereine in Goch. Dem Vereinsziel entsprechend sollte der Brieftaubensport gefördert werden – galten die schnellen Tiere doch als „Rennpferd des kleinen Mannes“. Das Vereinsleben wurde gepflegt und 1985 stand dann auch schon das silberne Jubiläum an, das mit einer Festschrift gewürdigt wurde. 2010 stand das goldene Jubiläum an. Franz van Well schildert, wie sich in den Jahren danach die Mitgliederentwicklung immer mehr veränderte; dies geschuldet auch dem Nachwuchsmangel und anderer Freizeitgestaltung. Und heute, so der Autor, sei der Taubensport ungleich intensiver, werde professioneller und ehrgeiziger betrieben. So würden weniger erfolgreiche Züchter eher aufgeben. Zuletzt gehörten dem Verein dann nur noch sieben Mitglieder an. So wurde am 29. Oktober 2022 die Auflösung beschlossen.
Um den Hauptlehrer der evangelischen Volksschule Goch, Organisten und Leiter des evangelischen Kirchenchores, Johann Bleckmann (1861 bis 1943) geht es in einem weiteren Beitrag von Dieter Bullack. Geboren wurde Bleckmann im heutigen Duisburg-Marxloh, die Schule zur Lehrerausbildung besuchte er in Götterswickerhamm. Seit Juli 1889 war er der neue Hauptlehrer der evangelischen Volksschule in Goch. Auf Beschluss des Prysbyteriums wurde er zum Organisten der Kirchengemeinde (August 1889) und später gleichzeitig zum Leiter des Kirchenchors ernannt (Februar 1891). In den folgenden Jahren wurde der Kirchenchor aufgebaut; im April 1899 wurde Unterhaltungsabend für die Gemeinde mit Gesängen und Vorträgen veranstaltet. Bleckmann ging im April 1927 in den Ruhestand; bereits 1919 hatte er aus Gesundheitsgründen die Leitung des Kirchenchores niedergelegt. Den Orgeldienst versah er noch bis 1933. 1943 starb Johann Bleckmann in Kranenburg.
Handwerklichen Themen spürt Hans-Joachim Koepp nach. Dem Häute- und Fellhandel in Goch und Umgebung geht er zum einen nach. Für Goch höre man erst in der frühen Neuzeit von der Fellbearbeitung. 1689 wurde von den Zisterzienserinnen auf Kloster Graefenthal in Asperden Fellwalkmühle errichtet – eine seltene Mühlenart, in der Tierhäute mit Wasser geschmeidig gemacht wurden. Im Weiteren geht Koepp auf die Berufe des Fellbereiters und Kürschners ein und beleuchtet den Fellhandel in Goch. Ein weiterer Handwerkszweig in Goch war die Seilerei, ein Handwerk, das die Familie Wintjens über 200 Jahre lang ausübte. Der letzte Gocher Seiler war um 1970 Anton Wintjens. Um 1737 wurde von Cornelius Pronk die Seilerbahn neben dem Voßtor in einer Zeichnung festgehalten. Damit hatte Goch vor dem Stadttor ebenfalls eine „Reeperbahn“. Seile wurden für die Industrie und die Landwirtschaft benötigt.
Den „grünen Daumen“ von Lehrer Heinrich Berten hat ein weiterer Artikel von Koepp zum Inhalt. Bienenzucht und Gartenbau waren seine Steckenpferde und auf seine Initiative hin wurde im Mai 1936 der Gocher Schulgarten am Greversweg angelegt. Der galt schon bald als Musterstück. Heinrich Berten war langjähriger Vorsitzender des Gocher Gartenbau- und Verschönerungsvereins und er regte 1949 die Ausstellung „Garten und Heim“ in Goch an. Ihm zu Ehren wurde 1991 eine Straße, südlich des Städtischen Friedhofs „Bertenweg“ benannt. Übersichten sind auch heute noch für die Verwaltung wichtig, wenn auch zunehmen digital. Hans-Joachim Koepp hat ein altes Inventarium aus dem Jahre 1824 analysiert, das Häuser, Straßen, Brücken, Pumpen und vieles mehr auflistet. Diese Daten geben einen interessanten Einblick in die Entwicklung der Stadt.
Das Heft ist zum Preis von 3,50 Euro in den Gocher Buchhandlungen oder im Versand beim „Historischen Arbeitskreis an Niers und Kendel“, Holunderweg 8, 47574 Goch, oder per E-Mail an: megohm@t-online.de (zuzüglich Versandkosten 2,20 Euro) erhältlich.
Der 2025 verstorbene Altbürgermeister Willi Vaegs im September 2020 bei seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Goch. NN-Foto: Archiv: Rüdiger Dehnen