Haldern Pop: Body & Soul
Im Cateringzelt wird Künstlerstimmung grundiert
HALDERN. 6. August, 15.15 Uhr. Der erste „Ganztag” beim Haldern Pop. Soundcheck in der Kirche. Abel Ghekiere aus Belgien gießt Klänge in den Raum und irgendwie steht gleich fest: Das hier könnte ein spannender Auftritt abseits des Mainstream werden. Die Rechtschreibkorrektur macht aus „Soundcheck” ein „Stündchen”. Stündchen in der Kirche – das geht natürlich auch
Zeitlupe im Raum
Als das Quartett um 15.30 Uhr mit dem Konzert beginnt, brandet Beifall auf und dann malen die Vier Fresken in den Kirchenraum. Oben im Kirchenhimmel das Bild von dem Jungen auf der Schaukel – im letzten Jahr hatte es Premiere. Jetzt hängt es wieder himmelhoch und leicht. Das ist eigentlich kein Hängen – es ist ein Schweben. Unten bebt der Sommer und öffnet Räume. „This is one of the biggest crowds that we've been playing for”, sagt Abel Ghekiere und man spürt Musiklust in seiner Stimme. Die Klangfahnen wehen durch den Kirchenraum wie Weihrauch an hohen Festtagen. Die Musik: ein Triumph des Einfachschnörkellosen. Man wird Zeuge, wie Musik entsteht und es fühlt sich an als stünde man an einem Kanal und ein riesiges Schiff zieht vorbei: Anfangs nicht mehr als eine Silhouette – dann ein riesiger Rumpf, der sich ins Bild schiebt und am Ende wieder zur Silhouette wird. Eine Art Mobile aus Klängen. Manchmal entsteht eine Mischung aus Jetzt und Konserve: Banjo und Vogelgesang, dazu ein Saxofon. Musik, die sich Zeit lässt. Klänge, die nirgens hin müssen. Es ist als hätte jemand eine Zeitlupe in den Raum geschoben. Auftritte wie dieser gehören zu dem, was das Haldern Pop ausmacht. Es ist das Unausrechenbare. Man löst sich im Zuhören auf. Am Ende wieder Brandungsbeifall. Es fühlt sich an als hätte man Gewicht verloren. So viel zur Seele.
Backstage
16.45 Uhr: backstage im Verpflegungszelt. Ein Treffen mit Henning Buchmann und Markus Biewer. Die beiden sind fürs Leibliche zuständig. Buchmann ist Koch. Biewer, der stellvertretende Küchenchef, ist Schreiner. Schreiner? Genau. Schreiner. Biewer gehört zu den Helfern. Er arbeitet die Dienstpläne für die Schichten im Cateringzelt aus. „Wir brauchen zwischen acht und zehn Leute, die sich hier um die Verpflegung der Künstler und der Crews kümmern", erklärt Biewer. Die Schichten: Von 10 bis 12, von 12 bis 15 Uhr. Es folgt eine Stunde Pause. Dann zwei weitere Schichten: Von 16 bis 20 und von 20 bis 22 Uhr. Henning Buchmann arbeitet die Verpflegungspläne aus. „An drei Festivaltagen gehen rund 2.000 Essen raus. Das beginnt mit dem Frühstück und endet mit dem Abendessen. Aber natürlich kann es passieren, dass Leute erst spät eintreffen. Die müssen dann nicht aufs Essen verzichten.” Das erste Gebot: „Alle sollen zufrieden sein.” Die Küche als Schnittpunkt zwischen Leib und Seele. Die Leute im Catering-Bereich sorgen gewissermaßen für das Hintergrundstrahlen, den mit dem Festival-Catering ist es ähnlich wie mit der Kombüse auf dem Schiff: Der Koch ist die Schlüsselstelle. Mieses Essen – schlechte Stimmung. Und früher wurde ein schlechter Koch auch schon mal kielgeholt oder verschwand auf Nimmerwiedersehen in den Tiefen der See. Die Halderner müssen sich da keine Sorgen machen. Die Gäste sind zufrieden.
Was macht den Reiz der Küchenarbeit aus? Markus Biewer: „Wer noch nie an diesem Platz gearbeitet hat, denkt schon mal, man bekäme im Catering-Bereich nichts vom Festival mit. Aber eigentlich ist es ganz anders: Hier beim Catering bist du näher an den Künstlern dran als irgendwo sonst und bekommst mit, wenn sie zufrieden sind mit dem, was du für sie tust – also: kochst. Das ist eine sehr schöne Erfahrung.” Buchmann und Biewer sind ein eingespieltes Team. Die Küchenarbeit beginnt übrigens morgens um 8 Uhr mit dem Vorbereiten. Da gehen dann die „Schnibbler” ans Werk. Wie ist eigentlich die Verteilung von Fleisch und vegetarisch? Buchmann: „Ich würde sagen zwei Drittel Gerichte mit Fleisch und ein Drittel ohne.” Mal nachsehen: Vor zwei Jahren fand mein letzter Festivalküchenbesuch statt. Die Antworten: höchst ähnlich. 2.000 Essen – roundabout. Pro Festivaltag rund 500 Mittag- und 200 Abendessen. Der stellvertretende Küchenchef ist übrigens nicht allein: Die komplette Familie – Frau und zwei Kinder – gehört zur Haldern-Pop-Crew. Langsam laufen die Vorbereitung für den Abend an. Dann geht der erste von drei Festivaltagen zu Ende. Am Sonntag beginnt dann gegen 10 Uhr morgens der Abbau. See you next year. Noch schnell ein Foto von Buchmann, Biewer und einem Teil der Küchencrew. Für den Schreiber geht's zum nächsten Konzert. Body & Soul.
Abel Ghekiere beim Konzert in der Kirche Foto: HF
Ein Teil der Catering-Crew: Mathilda Biewer, Annika Köster, Markus Biewer, Henning Buchmann, Benedikt Storm und Manueala Biewer (v. l. n. r.). NN-Foto: Heiner Frost