Grundwasserversorgung bei Niedrigwasser
Was tun, wenn aus dem eigenen Brunnen plötzlich nur noch Luft kommt?
REES. Seit März sind in weiten Teilen Deutschlands deutlich geringere Niederschlagsmengen zu verzeichnen. Die Böden trockneten rasch aus und erste Folgen der Trockenheit wurden sichtbar. Seit Juni verschärfte sich die Situation durch äußerst geringe Niederschläge und anhaltende Hitze. Die Folgen zeigen sich nicht nur in Einschränkungen der Schifffahrt, Ernteausfällen und einem erhöhten Waldbrandrisiko. Auch die Wasserversorgung ist zunehmend betroffen. Niedrige Grundwasserstände stellen kommunale Wasserversorgungsunternehmen, Industrie- und Landwirtschaftsbetriebe sowie Privathaushalte vor wachsende Herausforderungen.
Gerade am Niederrhein nutzen viele Privathaushalte und Unternehmen eigene Brunnen und Pumpen. Dazu gehören Grundstücke, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, ebenso wie Betriebe und Haushalte, für die die kommunale Wasserversorgung bei der Bewässerung großer Flächen zu teuer wäre. Durch die gesunkenen Grundwasserstände kommt es inzwischen an vielen Entnahmestellen zu Problemen. Die niedrigen Grundwasserstände können bei der Förderung von Grundwasser sowohl für die Eigenwasserversorgung als auch für andere Nutzungen, etwa zur Gartenbewässerung, zu technischen Herausforderungen führen – warum Pumpen bei Trockenheit an ihre Grenzen kommen und welche Lösungen möglich sind. Was tun, wenn aus dem eigenen Brunnen plötzlich nur noch Luft kommt? Diese Erfahrung machen derzeit zunehmend Betreiber von Anlagen zur Eigenwasserversorgung und Nutzer von Grundwasser zur Gartenbewässerung. Ursache kann ein deutlich abgesunkener Grundwasserstand sein. Besonders Anlagen mit oberirdisch aufgestellten Pumpen können dann an ihre technischen Grenzen kommen. Viele dieser Anlagen arbeiten mit Pumpen, die das Wasser aus dem Brunnen ansaugen. In der Praxis liegt die technisch mögliche Saugtiefe solcher Anlagen bei etwa acht Metern. Sinkt der Grundwasserspiegel durch anhaltende Trockenheit entsprechend ab, kann die Pumpe das Wasser nicht mehr zuverlässig fördern.
Bei einer Kolbenpumpe, wie sie beispielsweise in Verbindung mit einem verzinkten Druckkessel bei Anlagen zur Eigenwasserversorgung eingesetzt wird, kann ein zu niedriger Wasserstand zunächst dazu führen, dass zunehmend Luft in den Druckkessel gelangt. In der Folge wird zu viel Luft in die Wasserleitungen gepumpt. Wird die Ursache nicht behoben, kann die Wasserversorgung schließlich vollständig ausfallen. Auch bei Kreiselpumpen, wie sie beispielsweise häufig für die Gartenbewässerung eingesetzt werden, ist ein zu niedriger Wasserstand problematisch. Wird die maximale Saugtiefe überschritten, fördert die Pumpe kein Wasser mehr. Läuft sie dabei weiter, besteht je nach Bauart die Gefahr einer Überhitzung und Beschädigung. Für den Betreiber stellt sich damit eine entscheidende Frage: Muss man warten, bis der Grundwasserspiegel wieder steigt – oder gibt es eine technische Lösung?
Tiefbrunnen sind eine Alternative
Eine Möglichkeit kann der Bau eines tieferen Brunnens sein. Statt das Wasser von der Oberfläche aus anzusaugen, wird dabei eine Unterwasserpumpe direkt im Brunnen eingesetzt. Sie fördert das Wasser aus größerer Tiefe nach oben. Ob diese Lösung sinnvoll ist, hängt von den örtlichen Gegebenheiten ab. Entscheidend ist unter anderem die vorhandene Brunnensituation, wie zum Beispiel die Tiefe des Grundwassers, die wasserführenden Schichten und die benötigte Fördermenge. Gerade bei Grundstücken mit schwierigen Zufahrtsmöglichkeiten stellt sich zudem die Frage, ob ein entsprechendes Bohrgerät überhaupt eingesetzt werden kann. Hier kann sich der Einsatz kompakter Bohrtechnik anbieten. Pumpen Holzum aus Rees verfügt beispielsweise über ein Bohrgerät, das für besonders beengte Zufahrten ausgelegt ist. Nach Angaben des Unternehmens kann das Gerät bereits bei einer Durchfahrtshöhe von zwei Metern und einer Durchfahrtsbreite von einem Meter eingesetzt werden. Damit lassen sich Tiefbrunnen bis zu einer Tiefe von 24 Metern herstellen. Für größere Bohrtiefen stehen in der Region ebenfalls spezialisierte Brunnenbaubetriebe zur Verfügung. Ein Beispiel ist das ebenfalls in Rees ansässige Unternehmen Biermann. Für den jeweiligen Betreiber kommt es letztlich darauf an, welche Lösung zu den örtlichen Bedingungen und zum tatsächlichen Wasserbedarf passt.
Wie ein solcher Bohrbrunnen entsteht und welche Technik dabei zum Einsatz kommt, lässt sich häufig besser anhand eines konkreten Beispiels nachvollziehen. Pumpen Holzum zeigt deshalb auf seiner Website auch einen Film über die praktische Vorgehensweise bei der Herstellung eines Bohrbrunnens. Für Eigentümer, deren bestehende Grundwassergewinnung derzeit Probleme bereitet, kann ein Blick auf die Möglichkeiten interessant sein – insbesondere dann, wenn der vorhandene Brunnen bei niedrigem Wasserstand immer häufiger an seine Grenzen kommt. Eine neue Pumpe ist nicht automatisch die richtige Lösung. Bevor eine bestehende Anlage verändert oder ersetzt wird, sollte zunächst geklärt werden, warum die Wasserförderung nicht mehr funktioniert. Dabei können beispielsweise die vorhandene Brunnentiefe, der aktuelle Wasserstand, die Förderleistung und die eingesetzte Pumpentechnik überprüft werden. Eine Beratung vor Ort hilft, die technischen Möglichkeiten einzuschätzen. Auch die Kosten lassen sich erst nach Betrachtung der individuellen Situation seriös beurteilen. Je nach Grundstück, Brunnen, erforderlicher Tiefe und gewünschter Förderleistung können unterschiedliche Lösungen infrage kommen.
Wer seine Grundwassergewinnung derzeit nur noch eingeschränkt nutzen kann, sollte deshalb nicht zwangsläufig auf steigende Grundwasserstände hoffen. Eine fachliche Prüfung kann zeigen, ob die bestehende Anlage angepasst werden kann oder ein tieferer Brunnen die langfristig sinnvollere Lösung darstellt.
Foto: Johannes Holzum