Grüne Berufe erleben und weiterempfehlen
Berufsberatung lernt den Gartenbau am Niederrhein kennen
NIEDERRHEIN. Wie entsteht der Geschmack von Tomaten? Welche Rolle spielen Hummeln im Gewächshaus? Und warum sind dabei Sensorik, Automatisierung und Künstliche Intelligenz wichtige Themen? Antworten auf diese Fragen erhielten jetzt Fachleute für berufliche Beratung bei einem Besuch des Versuchszentrums der Landwirtschaftskammer in Straelen.
Zu der Veranstaltung eingeladen hatte Agrobusiness Niederrhein während des sogenannten Netzwerktreffens Arbeit und Ausbildung Südkreis Kleve. Ziel war es, die Aufmerksamkeit für die Grüne Branche zu erhöhen.
Standortleiter Andrew Gallik begrüßte die Gäste, stellte zunächst seinen eigenen Werdegang vor und machte deutlich, dass Lebensläufe nicht immer geradlinig verlaufen müssen. Gallik betonte die Attraktivität der Branche und lud die Teilnehmer zu einer „kleinen Reise in die Welt des Gartenbaus“ ein.
Die Themen reichten vom Tomatenanbau auf unterschiedlichen Substraten über den Einsatz von Hummelvölkern zur Bestäubung bis hin zu Nützlingen zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Auch verschiedene Beleuchtungskonzepte, Tests mit schwimmend kultivierten Salaten sowie Untersuchungen an Rosen in beheizten Gewächshäusern standen auf dem Programm.
Auf dem Freigelände wurde das Wachstum von Callunen in torfreduzierten und torffreien Substraten anschaulich dargestellt. Darüber hinaus erfuhren die Gäste, wie Zierpflanzen zu exakt planbaren Zeitpunkten blühen und den Unternehmen damit zusätzliche Planungssicherheit bieten. Studentische Hilfskräfte zeigten Versuche mit einem impulsgesteuerten Gießwagen zur wassersparenden und zielgenauen Bewässerung von Topfpflanzen.
Breite Forschung
Deutlich wurde vor allem die Bandbreite der Forschungsarbeit, die einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Betriebe leistet. Gerade für die Region Niederrhein ist dies von großer Bedeutung. Die Sicherung qualifizierter Nachwuchskräfte bleibt deshalb eine zentrale Aufgabe.
Am Standort wird in den Fachrichtungen Zierpflanzenbau und Gemüsebau ausgebildet. Neben dem Interesse an Pflanzen spielen technisches Verständnis und mathematische Grundkenntnisse eine Rolle, da die Düngung sowie die Wasser- und Nährstoffversorgung präzise gesteuert werden müssen.
Im Anschluss präsentierte Marcus Trappe von Agrobusiness Niederrhein die Aktivitäten des Vereins zur Fachkräftegewinnung im deutsch-niederländischen Interreg-Projekt „Agropole Innovates“. Vorgestellt wurden zahlreiche Maßnahmen wie Exkursionen für Schulklassen, Karrieremessen, Jobvideos, Best-Practice-Beispiele und Nachhaltigkeitsprojekte. Daraus ist sogar die Idee für ein weiteres grenzüberschreitendes Projekt entstanden, das die Neugier auf die vielfältigen Perspektiven wecken soll.
„Uns ist es wichtig, dass Sie die grüne Branche bei der Beratung junger Menschen mitdenken“, erklärt Trappe gegenüber den Gästen. „Wir wollen sichtbar machen, wie viel smarte Technik, Sensorik und KI mittlerweile eingesetzt werden.“ Gleichzeitig kündigt er weitere Betriebsbesichtigungen an, um noch mehr Praxis vor Ort zu zeigen.
An der Veranstaltung nahmen Vertreter der Berufsberatung und des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, des BBZ aus Geldern, der Handwerkskammer, des Kreises Kleve, der Jugendberufsagentur sowie der Landwirtschaftskammer teil.
„Das ist heute eine gute Gelegenheit, um mehr über den Gartenbau in unserer Region zu erfahren“, sagt Kirsten Adler von der Agentur für Arbeit. Sie ist Ansprechpartnerin für Arbeitgeber in Kevelaer und unterstützt bei Fragen rund um Arbeit, Ausbildung und Qualifizierung. „Für meine Tätigkeit im Arbeitgeberservice ist es hilfreich, die Unternehmen besser kennenzulernen“, so Adler und fügt hinzu: „Ich freue mich auf weitere Einblicke mit Agrobusiness Niederrhein.“
Fachkräfte der Berufsberatung beim Besuch des Versuchszentrums Gartenbau in Straelen. Foto: Agrobusiness Niederrhein