Grüne bemängeln Informations-Chaos auf dem RE10
„Fahrgäste werden trotz monatelanger Vorlaufzeit im Regen stehen gelassen“
NIEDERRHEIN. Vom 22. Mai bis zum 26. Juni fahren auf dem RE10 wegen umfangreicher Bauarbeiten keine Züge zwischen Kleve und Kempen beziehungsweise Krefeld. Als Ersatz sollen Busse die Fahrgäste ans Ziel bringen. Doch während die Sperrung seit Monaten feststeht, sei die Informationspolitik der Rhein-Ruhr-Bahn (RRB) wieder einmal unterirdisch: Verlässliche Fahrpläne für die Pendler fehlten bis heute. Die Kritik der Grünen Kreistagsfraktion Kleve ist hier deutlich. Besonders pikant: Intern scheine der Ersatzfahrplan längst zu existieren, da er als Basis für die Beauftragung der Busunternehmen diene. Den Fahrgästen werde dieser jedoch vorenthalten.
„Es ist absolut inakzeptabel, dass die Rhein-Ruhr-Bahn zwar in der Lage ist, Busunternehmer auf Basis eines Fahrplans zu beauftragen, diesen aber nicht mit den Menschen teilt, die auf die Bahn angewiesen sind“, kritisiert David Krystof, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag Kleve. „Die Fahrgäste warten seit Wochen auf Informationen. Sie haben ein Recht auf Planbarkeit, um ihren Alltag, den Weg zur Arbeit oder Termine organisieren zu können. Dass dies so kurz vor Beginn der Sperrung immer noch nicht möglich ist, ist schlicht peinlich.“
Auch die digitale Auskunft sorge für Verwirrung statt Klarheit. Inzwischen fänden sich in den Online-Systemen zwar erste Ersatzverbindungen, jedoch völlig unzureichend aufbereitet. „Wer heute in die App schaut, findet ein komplettes Chaos vor: Teilweise werden Ersatzbusse angezeigt, dazwischen aber immer wieder Züge, die wegen der Sperrung niemals fahren werden“, ergänzt Hans-Hermann Terkatz, Fraktionsmitglied und Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Kreistages. „Wer sich auf diese falschen Daten verlässt, steht am Ende am leeren Bahnsteig. Dieses ‚Last-Minute-Chaos‘ verspielt das letzte Vertrauen in die Schiene.“
Die Sperrung des RE10 über fünf Wochen sei ein massiver Einschnitt für die Region. Umso unverständlicher sei es, dass die Kommunikation erneut versage. Judith Erichlandwehr, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreis Kleve, fasst zusammen: „Gute Informationspolitik ist kein Luxus, sondern eine Bringschuld der Verkehrsunternehmen – besonders bei rechtzeitig angekündigten Baumaßnahmen. Die stark belasteten Fahrgäste auf dem RE10 haben nach all den Ausfällen der letzten Monate eine ehrliche und frühzeitige Kommunikation verdient.“
Mit großer Sorge blickt die Kreistagsfraktion zudem auf die auch für Fahrgäste aus Kleve und Kalkar wichtige RB31 (Xanten - Moers). Dort steht ab dem Sommer eine fünfmonatige Streckensperrung an. Bisher sei von Seiten der Rhein-Ruhr-Bahn nicht einmal das genaue Startdatum an die Öffentlichkeit kommuniziert worden. Die Grünen fordern die Verantwortlichen eindringlich auf: Genau jetzt sei der Zeitpunkt, es besser zu machen. Die Rhein-Ruhr-Bahn müsse aus dem aktuellen Desaster beim RE10 lernen und frühzeitig Details sowie verlässliche Ersatzfahrpläne für die RB31 kommunizieren, damit sich die Menschen am Niederrhein rechtzeitig auf die Einschränkungen einstellen könnten.
Die beiden Fraktionsvorsitzenden Judith Erichlandwehr und David Krystof kritsisieren die Informationspolitik der RRB. Foto: privat