Großinventar krönt Xantens Baudenkmäler
Der erste über 500-seitige Band der Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Xanten, der sich der Innenstadt mit ehemaliger Stiftsimmunität widmet, ist erschienen
XANTEN. Xanten ist eine der von Touristen meistbesuchten Städten am Niederrhein. Dass das so ist, liege nicht allein am Archäologischen Park Xanten (APX) und an der Römer-Geschichte, sagt Kunsthistoriker Godehard Hoffmann. „Xanten hat einfach ein sehr schönes Stadtbild – und die Menschen bewegen sich in dieser Stadt“, sagt Hoffmann. Das Wohlfühlgefühl werde auch durch das mittelalterliche Flair erzeugt. Zwar sei auch die Stadt Xanten im Zweiten Weltkrieg 1945 fast vollständig zerstört worden, aber die Stadt sei in einer mittelalterlichen Bauweise wieder aufgebaut worden. Dieses Stadtbild präge Xanten bis heute und mache die Stadt auch für Touristen so attraktiv und spannend.
Trotzdem werden mit der Stadt Xanten vor allem die Römer in Verbindung gebracht. Über die spätere Stadtentwicklung der kleinen, aber bedeutenden Stadt am Niederrhein ist dagegen vergleichsweise wenig bekannt – bis jetzt. Ein dreibändiges Großinventar unter dem Titel „Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Xanten“ würdigt die nachrömische Stadtgeschichte in ungewöhnlicher Tiefe. „Das Werk ist eine Krönung der Xantener Stadtgeschichte“, sagt Landeskonservatorin Andrea Pufke als Herausgeberin. Tatsächlich hat das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) nur vereinzelt zuvor die Bau- und Kunstdenkmäler einer Stadt in einer vergleichbaren Form
erforscht und herausgebracht.
Für dieses besondere Werk, das wie ein kostbares Geschenk an eine Stadt gesehen werden kann, hat der LVR nicht zufällig ausgerechnet die Stadt Xanten auserwählt. „Nach dem Kölner Dom ist der Dom von Xanten der bedeutendste gotische Kirchenbau am Niederrhein“, sagt Hoffmann, der seine letzten zehn Berufsjahre als Wissenschaftlicher Referent im LVR-ADR dieser aufwendigen Publikation widmete. „Aber auch im Umfeld des Domes mit seinem beeindruckenden romanischen Westwerk findet sich eine ungewöhnliche Fülle bedeutender Baudenkmäler.“ Ihnen gelte der nun erschienene erste Band des Inventars unter dem Titel: „Innenstadt mit ehemaliger Stiftsimmunität und Bauten des Erzbischofs“.
Konkret heißt das: Die wichtigen baulichen Zeugnisse, die die Stadt jemals prägten, sind beschrieben. Darunter befinden sich Klöster, Stadttore, Bürger- und Kurienhäuser, Friedhöfe, Wegkapellen, Windmühlen und die ehemalige Synagoge. Sogar die Industrie hat es ins Buch geschafft. Insgesamt umfasst das Werk über 500 Seiten. Darin enthalten sind auch rund 500 Fotografien – die Mehrzahl davon wurde von Fotografin Viola Blumrich neu aufgenommen.
Die Arbeit am Inventar Xanten war in den 1970er Jahren vom Kunsthistoriker und Gotik-Experten Rainer Schiffler begonnen worden. Einen besonderen Fokus legte Schiffler, der 2014 verstarb, auf den gotischen Dom und seine Ausstattung. Band 2 und 3, die ab dem Jahresende erscheinen, sind im Wesentlichen die Früchte seiner Arbeit. Nach Schifflers Tod nahm Godehard Hoffmann die Arbeit am Inventar wieder auf und schrieb es fort.
„Das Ergebnis ist eine enorme Forschungsleistung. Es war wirklich eine Mammut-Arbeit“, hebt Landeskonservatorin Andrea Pufke hervor. Die Großinventare seien aber deshalb nicht nur für Wissenschaftler oder Historiker bestimmt. „Das Buch wurde in klar verständlichen, kurzen Texten und mit vielen Bildern verfasst. Es richtet sich an alle Leute, die an Xanten interessiert sind und soll einfach Freude machen“, betont Pufke.
„Das Werk gibt einen Überblick über die Stadtgeschichte jenseits der Römer. Es beginnt im Mittelalter. Die Basis bildet die Denkmalliste“, ergänzt Hoffmann, der zum Zusammentragen aller wichtigen Informationen auch unter anderem mit der Dombauhütte, dem Dombauverein, den Stadtarchivaren, dem Niederrheinischen Altertumsverein, dem APX und dem Bistum Münster kooperiert hat. Anhand der wichtigen baulichen Zeugnisse erfahre der Leser nun auf über 500 Seiten sehr viel Wissenswertes über die Stadt Xanten. Die informativen Texte wurden mit historischen Plänen, Zeichnungen und Fotografien sowie den von Fotografin Viola Blumrich neu erstellten aktuellen Objektfotos ergänzt. „Das Großinventar Xanten wird zweifelsfrei über einen langen Zeitraum inhaltlich Bestand haben und hoffentlich die Basis für viele weitere Forschungen sein“, sagt Hoffmann abschließend.
Der erste Band von „Stadt Xanten – Innenstadt mit Stiftsimmunität“ trägt die ISBN 978-3-7319-1528-7 und kostet 99 Euro. Die Auflage beträgt 500 Exemplare. Band zwei „St. Viktor, Baugeschichte und Stiftsbauten“ soll noch Ende dieses Jahres und Band drei „St. Viktor, Baugeschichte und Stiftsbauten“ 2026 erscheinen. Alle drei Werke gehören zur Reihe „Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen“.
Der LVR erhielt unter anderem eine Förderung vom Bistum Münster und vom Erzbistum Köln.
Sabrina Peters
Die Stadt Xanten von oben. Foto: Viola Blumrich
Fotografin Viola Blumrich, Autor Godehard Hoffmann und Herausgeberin Andrea Pufke NN-Foto: SP