Gert Schwaderlapp, Fritz Thiele und Günter Schwaderlapp im Interview über Jasbas Geschichte, gegründet 1926, Foto von Ressa.
21. Oktober 2026 · Rees

Großes Interesse an der Reeser Industriegeschichte

Mehr als 170 Gäste lauschten im Bürgerhaus den Vorträgen des Geschichtsvereins Ressa über die Jasba-Fabrik und weitere lokale Unternehmen.

REES. Groß war das Interesse am Vortrag des Reeser Geschichtsvereins Ressa über die Jasba-Fabrik und weitere ehemalige Unternehmen in Rees. Mehr als 170 Gäste verfolgten im Bürgerhaus die Fotos und Filme auf der großen Leinwand und lauschten den Ausführungen und Interviews.

In der ersten Halbzeit berichtete Michael Scholten über die Niederrheinische Porzellanfabrik, die 1955 an der Rauhen Straße mit großen Erwartungen für den lokalen Arbeitsmarkt eröffnet wurde, aber schon nach einem Jahr in die Krise geriet. Die Familie Schwaderlapp aus dem Westerwald kaufte diese Fabrik auf und erweiterte sie ab 1957 zur Jasba, einer Fabrik für Spaltplatten.

Günter und Gert Schwaderlapp, Enkel des Firmengründers Jakob Schwaderlapp, sowie der frühere Mitarbeiter Fritz Thiele erzählten im Interview viele Details aus der Firmen- und Familiengeschichte. Nur wenige Zuhörer im Saal wussten, dass Jasba ein Kunstwort aus den Anfangsbuchstaben des Namens Jakob Schwaderlapp und dessen Heimatort Baumbach in Rheinland-Pfalz ist. Das Reeser Werk (wie auch die drei Schwesterbetriebe im Westerwald) wuchsen in den 60er- und 70er-Jahren stetig an und produzierten Porzellan und Keramik. Die Reeser Jasba spezialisierte sich auf Spaltplatten, die vor allem im Ruhrgebiet für Hausfassaden genutzt wurden. Verbaut wurden sie aber auch in Schwimmbädern, so auch im Reeser Bad.

Das Jahr 1966 war ein Schicksalsjahr für den Familienbetrieb. Ein Lkw, der fast täglich Ton aus dem Westerwald nach Rees brachte, verunglückte. Ein Feuer zerstörte ein Hallendach der Jasba, im Herbst starb Firmengründer Jakob Schwaderlapp, nur wenige Wochen später sein Sohn Alfred, der den Reeser Betrieb leitete. Die Witwe Marianne Schwaderlapp, nicht mal 40 Jahre alt, übernahm fortan die Geschäfte und zog parall vier Kinder groß.

"Über 170 Gäste lauschen Vorträgen über historische Reeser Betriebe im Bürgerhaus, wie Jasba, Dobbelmann und Oldenkott."

Mehr als 170 Gäste verfolgten im Bürgerhaus interessiert die Vorträge über ehemalige Reeser Betriebe wie die Jasba, Dobbelmann und Oldenkott. Foto: Ressa

Später übernahm ein Unternehmen aus Gießen große Anteile der Jasba und kaufte das Familienunternehmen schließlich ganz auf. Ab den 90er Jahren sorgte die leerstehende Immobilie an der Bundesstraße 8 für Schlagzeilen, weil ein neuer Eigentümer, der schnell Konkurs anmeldete, dort illegal Klärschlämme und Kugelmühlenstaub lagerte. Anfang des Jahrtausends wurde die ehemalige Jasba abgerissen. Heute erinnert in dem Gewerbegebiet nur noch der Straßenname „Zur Jasba“ an die frühere Fabrik.

Im zweiten Teil des Abends las Agnes Jay für Heinz Belting dessen Recherchen über die Reeser Margarinefabrik vor, die um 1896 gegründet wurde und bis in die 1920er-Jahre existierte. Die Hallen und das Verwaltungsgebäude (Vor dem Delltor 9) wurden anschließend von der Tabakfirma Dobbelmann übernommen.

Stadtarchivarin Tina Oostendorp führte abschließend in die Geschichte der Tabak- und Pfeifenfabrik Oldenkott ein, lange Zeit einer der wichtigsten Arbeitgeber in Rees. Abgerundet wurde der Vortrag durch eine Oldenkott-Ausstellung im Bürgerhaus, durch ein Radiointerview, das Moderator Max Schautzer im Reeser Jubiläumsjahr 1978 mit den Oldenkott-Veteranen Benno Tiggelbeck und Heinz Heimann geführt hatte, sowie durch einen 13-minütigen Werbefilm, der die Arbeitsprozesse, aber auch die Geschichte der Pfeifenherstellung und den „männlichen“ Genuss der damals erfolgreichen Oldenkott-Produkte zeigte.

Für das Jahr 2027 bereitet der Reeser Geschichtsverein unter andrem Vorträge über das 1997 eröffnete Koenraad-Bosman-Museum sowie über die 1967 eingeweihte Rheinbrücke Rees-Kalkar und über archäologische Sondengängerfunde in Rees vor. Auch ein Filmabend mit alten Reeser Super-8-Aufnahmen ist geplant. Der ursprünglich für den 18. November angekündigte Vortragsabend „Niederrheiner erzählen“ findet aus organisatorischen Gründen nicht statt.

Weitere Infos unter www.ressa.de.

Gert Schwaderlapp, Fritz Thiele und Günter Schwaderlapp erzählten im Interview mit Michael Scholten viele Details aus der Firmengeschichte der Jasba, die 1926 im Westerwald von Jakob Schwaderlapp gegründet wurde und 1957 die Porzellanfabrik in Rees übernahm. Foto: Ressa