Der Frühling ist da und es wird wärmer. Umso schöner eine Fahrradtour am Niederrhein mit Geschichte zu verknüpfen und sich auf die Spuren der Liberation Route zu begegnen. Foto: Liberation Route NRW
20. März 2026 · Kleve

Geschichte erleben und die Demokratie stärken

Die Liberation Route lässt sich am Niederrhein auf viele Arten erkunden

KLEVE. Der Verein Liberation Route NRW setzt sich gegen das Vergessen ein. Vom Verein initiierte Hörsteine an Orten, die die Geschichte der Befreiung vom Nationalsozialismus prägten, stehen dafür am gesamten Niederrhein verteilt. Genauso sorgen regelmäßige Ausstellungen für Sichtbarkeit – wie aktuell im Untergeschoss der Neuen Mitte in Kleve. Hier Blicken Interessierte auf zehn besondere Schicksale, die die Vergangenheit durch ihre Augen wiedergeben.

Josef Gietemann und Günter Steins sind seit Jahren als Vorstandsmitglieder des Vereins aktiv. Besonders wichtig ist ihnen an der Erinnerungskultur aber nicht nur, die Geschehnisse immer wieder ins Gedächtnis der Menschen zu rufen, sondern herauszufinden, wie die Ideologie des NS-Regimes sich derartig in der Gesellschaft verbreiten und so ihre Macht in der Regierung sichern konnte. „Interessant wird es, wenn man die Geschehnisse der heutigen Zeit mit damals vergleicht und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Es gibt Parallelen zwischen heute und 1929 bis 33. Wenn man das begreiflich machen könnte, wären wir schon ein ganzes Stück weiter“, sagt Steins.

Persönliche Schicksale stehen bei der Ausstellung „History through their Eyes“ im Vordergrund und berichten auf ihre eigene Weise. Gerade ist die Ausstellung in Form von zwölf Roll-ups im Untergeschoss des Einkaufszentrums „Neue Mitte“ zu sehen. Hier, gleich neben einem großen Elektromarkt, durfte sich der Verein in Absprache mit dem Stadtmarketing, ein leer stehendes Ladenlokal für seine Zwecke zunutze machen. Beim schlendern entlang des Schaufensters, lernen die Besucher nicht nur die Liberation Route kennen, sondern auch zehn unterschiedliche Menschen. Von einem überzeugten SS-Soldaten, zu politisch Verfolgten, über eine Sanitäterin an der Front bis hin zu Überlebenden, die sich genau dafür die Schuld geben. QR-Codes zu der jeweiligen Biografie führen das Thema online weiter, mit Verlinkungen zu weiteren Schicksalen, die zum Nachdenken anregen und die letzten beiden Kriegsjahre aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. „Man lernt die Menschen von damals mal anders kennen, als es im Lehrbuch steht“, betont Steins weiter und Gietemann ergänzt: „In diese Menschen kann man sich viel besser hineinversetzen.“

Die Roll-ups sind noch im März in der Neuen Mitte ausgestellt. Anschließend werden sie an Schulen und weitere Institutionen verliehen, um die Geschichte möglichst weit wandern zu lassen. Genau das schafft der Verein Liberation Route NRW aber auch mit seinen weiteren Angeboten. So verknüpfen vom Verein geplante Fahrradrouten die bereits erwähnten „Hörsteine“. Sowohl vom Kreis Kleve bis in die Niederlande als auch in der Eifel und an immer mehr Orten lassen sich diese finden. Diese großen Steine mit Informationstafeln, markieren für die Historie wichtige Punkte und jene Route, die die Alliierten auf ihrem Weg von der Normandie bis nach Berlin genommen haben. Eine beliebte Strecke der Fahrradtour verläuft beispielsweise von Kleve über Kranenburg bis nach Groesbeek und wieder zurück durch den Reichswald. Neun Steine finden sich hier auf etwa 50 Kilometern. Meistens stehen an den Zielorten noch heute Erinnerungsstätten oder Museen. Wie das Freiheitsmuseum in Groesbeek, das seinen Namen aus genau diesem Grund trägt.

QR-Codes sorgen auch hier für weitere Hintergrundinformationen. Entweder als schriftliche Erläuterung oder Hörerlebnis. Die neun Hörsteine entlang der deutsch-niederländischen Grenze thematisieren ebenfalls unterschiedliche Aspekte des Krieges. Darunter beispielsweise Wasser als militärische Waffe, amerikanische Fallschirmspringer, Zerstörung, Fluchtversuche an der Grenze oder die Kämpfe im Reichswald.

Durch diese interaktive Art, Geschichte zu erleben, sollen besonders junge Menschen animiert werden, für die Demokratie einzustehen. „Menschen sind grundsätzlich zu Bösem fähig und wir rücken schleichend immer weiter nach rechts. Die Demokratie muss geschützt
werden“, sagt Günter Steins abschließend.

Der Frühling ist da und es wird wärmer. Umso schöner eine Fahrradtour am Niederrhein mit Geschichte zu verknüpfen und sich auf die Spuren der Liberation Route zu begegnen. Foto: Liberation Route NRW