Gesamtschule Emmerich wird NRW-Talentscouting Kooperationsschule mit Talentscout, Koordinator und Schulleiterin vor Ort.
14. Juni 2026 · Emmerich

Gesamtschule Emmerich setzt auf NRW-Talentscouting: „Wir wollen Potenziale finden und fördern“

Schüler, die sich selbst oft nicht als Talent sehen, erhalten durch das Programm Unterstützung bei der Berufs- und Studienorientierung sowie beim Überwinden sozialer Hürden.

EMMERICH. Als eine „Begabung, die jemanden zu ungewöhnlichen beziehungsweise überdurchschnittlichen Leistungen auf einem bestimmten, besonders auf künstlerischem Gebiet befähigt“, beschreibt der Duden den Begriff des Talents. Wesentlicher weiter fasst jedoch die Initiative NRW-Talentscouting diesen Begriff. Die Gesamtschule Emmerich ist seit November 2025 Kooperationsschule des Programms des NRW-Zentrums für Talentförderung, in dem Schüler aus der Oberstufe bei ihrem Übergang in die Berufsausbildung oder ein Studium bis hinein in den Beruf begleitet werden.

Fabian Knoll von der Zentralen Studienberatung der Hochschule Rhein-Waal erläutert: „Es geht um Leistungsbereitschaft und Motivation, trotz widriger Umstände. Es geht darum, Schüler zu fördern, die wissbegierig sind und näher in bestimmte Themen und Fächer einsteigen möchten.“ Knoll ist einmal im Monat als Talentscout an der Emmericher Gesamtschule und weiß: „Man muss kein Überflieger in einem Unterrichtsfach sein. Es geht nicht um vorhandenes Spezialwissen, wir wollen in eine bestimmte Richtung – sei es Ausbildung oder Studium – vermitteln.“ Vor allem aber gehe es darum, Schülern ihr eigenes Potenzial aufzuzeigen.

„Wir wollen Potenziale finden, erkennen und födern“

Zielgruppe seiner Beratung sind Oberstufenschüler, die „mit Herausforderungen im familiären Bereich, zumeist im Elternhaus, konfrontiert werden“, sagt Knoll. Arbeitslosigkeit, bildungssystemferne Angehörige, Migrationshintergrund – all dies kann sich auf die schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen auswirken. „Wir haben auch Schüler, die zu Hause viel Verantwortung für die Familie übernehmen müssen“, berichtet Knoll. „Oder ihre Hausaufgaben auf dem Fußboden machen.“ Dies könne sich schnell in den Schulnoten widerspiegeln, ohne dass es tatsächlich Rückschlüsse auf die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Schüler zulasse. „Wir wollen hier Potenziale finden, erkennen und fördern“, betont Knoll.

Mehr als 40 Schüler hat er bislang bereits beraten. Der Kontakt kommt zumeist über Lehrkräfte zustande, manchmal auch über Mitschüler. „Die Schüler selbst sehen sich oft gar nicht als Talent“, weiß Niklas Dommaschk, Lehrer für Englisch und Deutsch an der Gesamtschule; er fungiert als Koordinator des Talentscouting-Programms. „Oft braucht es einen kleinen Schubser.“ Fabian Knoll ergänzt: „Jemanden, der an die Schüler und ihr Talent glaubt und sie darin unterstützt.“

Viele Bildungsaufsteiger an der Gesamtschule Emmerich

„Es geht letztlich um Bildungsgerechtigkeit“, hebt Niklas Dommaschk hervor, „denn wer Bildungsaufsteiger ist, stößt oft an Hürden.“ An der Gesamtschule gebe es viele solcher Fälle: „Wir haben relativ viele Abiturienten ohne Gymnasialempfehlung – sie sind klassische Beispiele für Bildungsaufsteiger.“ Für Schulleiterin Kristin Pohl zeigt dies: „Unsere Schule ‚schreit‘ danach, das Talentscouting mit ins Programm zu nehmen.“

Sie weiß, dass es sehr wohl möglich ist, eine „Bildungsbiografie“ zu durchbrechen. Wie Knoll erläutert, könne man dank des Programms „die Ungleichheit zwischen Akademiker- und Nicht-Akademiker-Kindern zu 70 Prozent ausgleichen“. Kristin Pohl berichtet: „Wir haben Schüler, denen zu Beginn der Schulzeit wenig zugetraut wurde. Bis zur Oberstufe sah es dann ganz anders aus.“ Umso wichtiger sei es, Schüler bei Bedarf intensiv zu begleiten – auch bei der Suche nach einem passenden Ausbildungsberuf oder dem richtigen Studiengang. „Sonst kann es schnell zu Frust führen, wenn es darum geht, einen Bereich zu finden, der einem liegt“, sagt Pohl.

Stipendien und weitere Finanzierungsmöglichkeiten

Fabian Knoll und seine mehr als 110 Talentscout-Kollegen, weitergebildet und zertifiziert im NRW-Zentrum für Talentförderung, beraten zu Studiengängen weltweit und Ausbildungsberufen, ebenso zu Themen wie Auslandsjahr und Freiwilligendienst. „Wir sprechen auch über Finanzierungsmöglichkeiten“, sagt Knoll. Vor allem das Thema Stipendien habe man sich auf die Fahne geschrieben: „Stipendiaten sind heutzutage meist Akademiker-Kinder – nicht die Schüler, die es eigentlich benötigten“, weiß Knoll. Dies hätten auch die Stiftungen festgestellt, die die Stipendien vergeben. „Es ist gut, dass die Mittelgeber erkannt haben, dass wir mehr Diversität brauchen.“

Zielgruppe der Beratung beziehungsweise Begleitung durch das NRW-Talentscouting sind die Schüler der gymnasialen Oberstufe – daher liege der Schwerpunkt auch auf der Studienberatung, sagt Knoll, betont jedoch: „Wir beraten ergebnisoffen und vermitteln beispielsweise auch Kinder von Ärzten in eine handwerkliche Ausbildung.“ Schulleiterin Kristin Pohl weiß um ein Beispiel aus ihrem eigenen Haus: „Wir hatten eine Schülern, die ihr Abitur mit 1,7 abgeschlossen hat – sie ist Tischlerin geworden, weil sie der Beruf einfach fasziniert hat.“

Infos und Kontakt zum NRW-Talentscouting

Wichtig für die Schüler sei aus Sicht von Niklas Dommaschk, dass Talentscout Fabian Knoll „leicht ansprechbar“ ist, etwa über WhatsApp. Weitere Infos zum Programm gibt es unter www.nrw-talentzentrum.de und www.hsrw.info/talentscouting sowie per E-Mail an talentscouts@hsrw.eu.

Derzeit gibt es im Kreis Kleve vier mit dem NRW-Talentscouting kooperierenden Schulen: Neben der Gesamtschule Emmerich sind dies das Willibrord-Gymnasium Emmerich, die Joseph-Beuys-Gesamtschule Kleve und die Gesamtschule Kevelaer.

Die Gesamtschule Emmerich ist nun offiziell Kooperationsschule im NRW-Talentscouting: (v. l.) Talentscout Fabian Knoll, Koordinator Niklas Dommaschk und Schulleiterin Kristin Pohl. NN-Foto: Michael Bühs