„Geplante Minijob-Reform bedroht Zustelljobs“
BVDA-Vorstandsvorsitzender Alexander Lenders warnt vor dem möglichen Aus für Minijobs
NIEDERRHEIN. Der Vorsitzende des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen (BVDA), Alexander Lenders, warnt vor dem möglichen Aus für Minijobs – mit Folgen für Millionen Menschen und die kostenlosen Wochenzeitungen.
Herr Lenders, warum macht der BVDA die Minijobs zum Thema?
Lenders: Weil die Bundesregierung Reformen plant, die Millionen Minijobs grundlegend verändern könnten. Noch ist nichts entschieden. Deshalb melden wir uns jetzt zu Wort. Denn betroffen wären nicht nur kostenlose Wochenzeitungen, sondern auch Handel, Gastronomie, Pflege, Handwerk und viele andere Branchen.
Droht wirklich das Ende der Minijobs?
Lenders: Wir befürchten ein „Minijob-Aus durch die Hintertür“. Der Name könnte zwar bleiben. Aber wenn der Minijob komplizierter und weniger lukrativ wird, wird er in der Praxis für viele Menschen unattraktiv. Das hätte weitreichende Folgen.
Warum trifft das die kostenlose Wochenzeitung?
Lenders: Ein großer Teil unserer Zustellung liegt in den Händen von Menschen, die ganz bewusst einen Minijob ausüben – etwa Studierende, Rentnerinnen und Rentner, Eltern oder Berufstätige mit einem Nebenverdienst. Wenn dieses Beschäftigungsmodell an Attraktivität verliert, wird es deutlich schwieriger, genügend Zustellerinnen und Zusteller zu finden. Das wollen wir verhindern.
Was bedeutet das für die Leser?
Lenders: Unser Ziel bleibt: Die kostenlose Wochenzeitung soll weiterhin zuverlässig im Briefkasten landen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass politische Entscheidungen die Zustellung nicht unnötig erschweren.
Warum sind Minijobs so wichtig?
Lenders: Weil sie Millionen Menschen einen Zuverdienst und Flexibilität ermöglichen. Sie helfen beim Finanzieren des Studiums, ergänzen die Rente, erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und sichern in vielen Branchen wichtige Arbeitsplätze. Jede Reform muss deshalb genau auf ihre praktischen Folgen geprüft werden.
Was erwarten Sie von der Politik?
Lenders: Wir wünschen uns einen offenen Dialog und praxistaugliche Lösungen. Soziale Absicherung und funktionierende Minijobs schließen sich nicht aus. Reformen dürfen bewährte Strukturen nicht schwächen. Denn es geht nicht nur um ein Beschäftigungsmodell, sondern auch um lokale Information, Medienvielfalt und den Zusammenhalt in unseren Städten und Gemeinden.
Information
Alexander Lenders ist Vorsitzender des Bundesverbandes kostenloser Wochenzeitungen (BVDA). Darüber hinaus engagiert er sich seit vielen Jahren kommunalpolitisch und ehrenamtlich. Der BVDA vertritt als Spitzenorganisation die Interessen kostenloser Wochenzeitungen in Deutschland. Ihm gehören 103 Verlage mit insgesamt 312 Titeln und einer Wochenauflage von 23,3 Millionen Exemplaren an. Weitere Infos: www.bvda.de
Alexander Lenders ist Vorsitzender des BVDA. Foto: BVDA/ Bernd Brundert