Geocacher sammeln Kippen in Emmerich und Rees
Achim Matenaar organisiert „Rheinkippen-Woche“ mit Aktionstagen in den beiden Rheinstädten
EMMERICH/REES. Wer dem Hobby Geocaching nachgeht, ist vor allem eines: viel in der freien Natur unterwegs. Bei der digitalen Schnitzeljagd gilt es, die Verstecke – „Caches“ – zu finden, mitunter auch Rätsel zu lösen. Manchmal findet man aber auch mehr, als einem lieb sein kann: Müll. Bereits seit 2014 ist eine Gruppe Geocacher zwischen Bimmen und Millingen in den Niederlanden entlang des Rheins unterwegs, um die Uferbereich von Müll zu befreien. „Damals gab es beispielsweise den ‚RhineCleanUp‘ als bundesweiten Aktionstag offiziell noch gar nicht“, sagt Achim Matenaar. Der pensionierte Polizist aus Bedburg-Hau hat bereits so manchen CITO – „Cache In, Trash Out“ – in der Region organisiert und holt nun zum ersten Mal die „Rheinkippen-Woche“ in den Kreis Kleve, genauer nach Emmerich und Rees.
Geocaching: Rätsel und Logbücher
Seit 2006 ist Matenaar als Geocacher unterwegs, hat selbst mit „Mysteriöses Kleverland“ eigene Caches mit Informationen über die Region – teils wahr, teils „Halbwahrheiten“ und Mythen – bestückt. „Es ist ein Hobby, das man sowohl individuell betreiben kann, für sich allein, als auch mit seiner Familie und mit Freunden“, beschreibt Matenaar den Reiz des Geocachings. „Man kann es zu Hause betreiben, wenn es um das Lösen von Rätsel-Caches geht. Dann aber geht‘s nach draußen, in die Natur, um die physische Dose mit dem Logbuch zu finden.“ Früher habe ein Cache zumeist Tauschobjekte beinhaltet, heutzutage seien es vermehrt Logbücher. „So kann man anderen zeigen, was man schon geschafft hat“, sagt Matenaar. Und welche Wege man zurückgelegt hat: Manchmal sei es eine Wanderung von mehr als 30 Kilometern, „manchmal führt der Weg auch einmal quer durch Deutschland“.
Die Verbundenheit zur Natur zeige sich bei diesem Hobby nicht zuletzt in den CITO-Events. Dabei stehe nicht nur das Sammeln von Müll in der Natur auf dem Programm. „Wir haben auch schon Bäume gepflanzt, Nistkästen gebaut und aufgehängt“, erzählt der 62-Jährige. „Es geht darum, etwas Gutes für die Natur zu tun.“
Dieses Engagement kann aber manchmal auch mit viel Frust verbunden sein, weiß Matenaar: „Ein Ort unserer Säuberungsaktion war in der Vergangenheit unter anderem der Parkplatz am Berufskolleg in Kleve. Dort haben wir immer viel Müll aufgesammelt, zum Beispiel Burger-Papier, das sonst in den Wald geweht wurde.“ Allerdings sei es zuletzt derart viel gewesen, dass die Geocacher irgendwann gesagt hätten: „Wir räumen nicht mehr hinter diesen unerzogenen Menschen her!“

Achim Matenaar hat die „Rheinkippenwoche“ in Emmerich und Rees angestoßen. NN-Foto: RD (Archiv)
Das Müllsammeln entlang des Rheins hat längst eine gewisse Tradition für die Geocacher-Gemeinde, auch abseits der „RhineCleanUp“-Aktion. Gemeinsam mit dem Duo „MoFu100“ aus Kalkar will Matenaar nun auch die „Rheinkippenwoche“ in den Kreis Kleve holen. Dabei steht das Einsammeln von Zigarettenkippen im Fokus. „Früher haben wir am Rheinufer kaum auf Zigarettenkippen geachtet, sondern auf den ‚sichtbaren‘ Müll wie Fässer oder Autoreifen“, erzählt Matenaar. Inzwischen sei dieser Müll jedoch weniger geworden – „ein positives Zeichen“ –, daher achten die Geocacher nun vermehrt auf die achtlos weggeworfenen Zigarettenstummel.
Aus guten Grund: Denn laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Zigarettenkippen das häufigste Abfallprodukt, das in der Natur und in den Städten gefunden wird. So kamen bei der „Rheinkippenwoche“ im Jahr 2023 allein in Düsseldorf 250.000 Zigarettenstummel zusammen. Die Giftstoffe einer einzigen Kippe können 40 bis 60 Liter sauberes Grundwasser verunreinigen. Und das Ergebnis einer Studie zeigt laut Nabu Deutschland, dass das Nikotin einer einzigen gerauchten Zigarette bereits einen negativen Effekt in 1.000 Litern Wasser hat. Zudem tötet ein Zigarettenfilter in einem Liter Wasser die Hälfte aller Wasserflöhe und Fische.
Auch „Muggel“ in Emmerich und Rees eingeladen
Die „Rheinkippenwoche“ ist Teil der „RhineCleanUp“-Organisation und findet in der ersten Mai-Woche statt. Im Kreis Kleve gibt es dazu zweimal zwei CITO-Events: Jeweils am Freitag, 1. und 8. Mai, in Emmerich auf der Rheinpromenade und in Rees auf dem Markt. Eingeladen sind dazu aber nicht nur Geocacher, sondern auch „Muggel“ – angelehnt an die nicht-magischen Menschen in den Harry-Potter-Büchern, werden so die Nicht-Geocacher gezeichnet. „Es gilt: Je mehr, desto besser“, sagt Matenaar. Die Teilnehmer treffen sich zunächst an den Touristen-Informationen, von dort aus geht es in die Sammelbereiche auf der Rheinpromenade, am Rheinufer und in die Innenstädte. Eigene Sammelbehälter, Handschuhe und eventuell ein Greifer sollten möglichst mitgebracht werden.
Vor den Touristen-Informationen in Emmerich und Rees werden für den Zeitraum der Aktionswoche Schausäulen aufgestellt, in denen die Kippen gesammelt werden. „Wenn die Leute unterwegs sind, am Rhein, in Rees und Emmerich in der Innenstadt, dann sollen sie einfach Kippen aufsammeln und vorbeibringen“, ruft Matenaar zur Teilnahme an der Aktion auf. Die Säulen stehen vor den Touristen-Informationen in Emmerich und Rees zu den jeweiligen Öffnungszeiten.
Die Geocacher aus dem Kreis Kleve bei einer ihrer Müllsammelaktion am Rheinufer. Foto: privat