Gemüsesticks statt Gummibärchen
Viertklässler der Montessorischule besuchen Hochschule Rhein-Waal
KLEVE. Wie funktioniert eigentlich ein Pürierstab? Zwingt ein Vollkornbrot unweigerlich zum Kauen grober Körner? Welches Gemüse hat im Mai überhaupt Saison und was, bitte schön, ist ein Nutri-Score? Wer neun oder zehn Jahre alt ist, hat auf solche Fragen meist keine Antwort. Die Mädchen und Jungen der „Zebraklasse“ an der Montessorischule Kleve schon.
In fünf Projekteinheiten über die letzten Wochen verteilt, haben die Viertklässler den Sachunterricht gegen die Küche getauscht. Nach einem Konzept der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung absolvierten sie ihren „Ernährungsführerschein“. Dabei ging es erfreulich wenig um abstrakte Nährwerttabellen, sondern um echte Handarbeit. Sie raspelten, schnitten, schälten und rührten. Aus den Zutaten wurden Gemüsesticks mit Schnittlauchquark und Hummus sowie lustige Brotgesichter und Früchtequark. Alles ließen sie sich anschließend gemeinsam schmecken – schließlich musste direkt getestet werden, ob das selbst Zubereitete auch wirklich mundet. Die wichtigste Lektion dabei: Gesundes Essen ist kein Verzicht, sondern schmeckt.
Wer einen Führerschein will, muss allerdings auch eine Prüfung ablegen. Theorie und Praxis meisterten die Kinder souverän, das abschließende Gericht bereiteten sie völlig ohne fremde Hilfe zu. Für den krönenden Abschluss begab sich die Klasse an einen besonderen Ort: das Labor für Lebensmitteltechnologie der Fakultät Life Sciences an der Hochschule Rhein-Waal. Dort, wo sonst Studierende forschen, erlebten die Kinder einen Vormittag zwischen Wissenschaft und Kulinarik. Sie schnupperten in die Welt der Forschung hinein, errieten blind Aromen, stellten gefriergetrocknete Bananenchips her und ließen sich erklären, wie sich Brownies ohne Reue backen und vor allem schmecken lassen.
Nach diesem Ausflug war es endlich so weit: Alle hatten bestanden! Voller Stolz nahm jedes Kind seinen offiziellen „Lappen“ für gesunde Ernährung entgegen und freute sich zudem über eine gefüllte Brotdose, die der Biomarkt Kleve zur Feier des Tages gespendet hatte. Durch Spaß, Neugier und eigene Erfahrung haben sich die Schüler in den letzten Wochen ein Wissen angeeignet, das weit über den Lehrplan hinausreicht. Und sie freuen sich schon jetzt darauf, diese neuen Fähigkeiten in der heimischen Küche anzuwenden und das elterliche Abendessen künftig vielleicht einfach selbst in die Hand zu nehmen.
Für den krönenden Abschluss begab sich die Klasse an einen besonderen Ort: das Labor für Lebensmitteltechnologie der Fakultät Life Sciences an der Hochschule Rhein-Waal. Foto: Montessorischule Kleve