Ehrenamtliches Team Museum de Locht zeigt historische Landwirtschaft in Melderslo.
18. April 2026 · Geldern

Gemüse verbindet: Deutsche und Niederländer feiern gemeinsam die Spargelsaison

Mehrere Veranstaltungen stehen in der Grenzregion von April bis Juni an

NIEDERRHEIN. Das ein Gemüse zwei Nationalitäten vereinen kann, erkennt man jedes Jahr zwischen April und Juni. Dann ist am Niederrhein Spargel-Saison und diese geht über die Landesgrenzen hinaus. Besonders zwischen Walbeck und der niederländischen Ortschaft Melderslo ist so in den vergangenen Jahren eine gute Partnerschaft entstanden. Am Sonntag, 26. April bildet das gemeinsame Spargelfest den Höhepunkt der Saison.

Verantwortlich für die gute Beziehung der beiden Gemeinden in Sachen Spargel ist Petra Heyer. Die Floristin setzt sich nicht nur im Walbecker Spargel Verein ein, sonders arbeitet auch ehrenamtlich im Meldersloer Museum de Locht, wo sie Führungen in drei Sprachen gibt. Mit dem Brauchtum rund um den Spargel wird Heyer schon in Kindertagen vertraut gemacht: „Ich bin in Straelen geboren aber in Arcen aufgewachsen. Dort hatten meine Eltern selbst ein kleines Spargelfeld“, sagt sie. Später engagierte sie sich außerdem an der Seite ihres Mannes Heinz-Josef Heyer, der bis zu seinem Tod 2025 als Spargelgrenadier in Walbeck bekannt war.

Nach dem Vorfall pausierte das Spargelkomitee in Walbeck fürs erste, sagte alle öffentlichen Termine für die Spargelprinzessin aus Respekt vor Heyers Tod ab. Aber den Spargel gar nicht mehr repräsentieren? Das kam für die Komiteemitglieder nicht infrage. Petra Heyer: „Ich wusste, das ich, egal wie schwer es ist, weiter unterstützen möchte dieses tolle Gemüse zu repräsentieren“, betont sie. Aus den Ehrenamtlichen bildete sich schließlich der Walbecker Spargel Verein, der seit Anfang des Jahres offiziell die Organisation rund um die repräsentativen Aufgaben der Spargelprinzessin leitet.

Die Gründung des Vereins bildete zeitgleich auch den Grundstein für die Zusammenarbeit mit der Meldersloer Spargelgruppe. Durch ihre Arbeit im Museum sah Heyer Potenzial für mehr Vernetzung: „In Melderslo hat sich in den letzten Jahren auch wieder ein Spargeltag gebildet. Zuvor waren die Feierlichkeiten dort eher in Vergessenheit geraten. Das wollte ich ändern und die Tradition wieder aufleben lassen.“ In Melderslo traf Heyers Idee, sich dem Spargel wieder mehr zu widmen auf Begeisterung. „Ich habe da einfach ein paar Türen geöffnet. Es bildete sich sehr schnell eine Gruppe von Helfern. Da ich sowohl niederländisch als auch deutsch fließend spreche, übernahm ich von Anfang an die grenzübergreifende Kommunikation“, erläutert Heyer weiter.

Sowohl die aktuelle Walbecker Spargelprinzessin Monika van Bonn als auch die niederländische Spargelkönigin treffen am Sonntag, 26. April in Melderslo aufeinander. Zwischen 10 und 17 Uhr bietet das Museum de Locht, Broekhuizerdijk 16d, 5962 NM Melderslo, ein buntes Programm. „Wir starten mit einer Führung durch unseren Spargelanbau. Dort wird gezeigt, wie die Pflanze gesetzt, veredelt und gestochen wird. Anschließend wird der gestochene Spargel gewaschen, geschnitten und sortiert. Ein Teil des Spargels wird versteigert, der andere Teil wird vor Ort frisch zubereitet und kann verkostet werden. Dazu gibt es passenden Wein und Musik“, berichtet Petra Heyer. Nebenbei können sich die Besucher ebenfalls für die historischen Ausstellungsstücke begeistern lassen und erleben, wie Landwirtschaft in früherer Zeit aussah. Für die Kinder stehen kreative Mal- und Bastelmöglichkeiten bereit. Außerdem können sie an einer Schnitzeljagd teilnehmen. Um 14.30 Uhr kommen die geladenen Gäste zusammen.

Auch beim Spargelfest in Grubbenvorst am Samstag und Sonntag, 23. und 24. Mai wird die deutsche Truppe ihren Beitrag leisten: „Wir möchten dort sein und unterstützen“, sagt Heyer. Nach beidseitiger Absprache und einer finalen Einladung von der niederländischen Seite war es dann offiziell. Die Walbecker Spargelprinzessin wird in der Partnergemeinde auftreten. In Grubbenvorst erwartet Besucher ein vielseitiges Straßenfest mit Spargelschälwettbewerb, Live-Musik und dem Gemüse als kulinarische Delikatesse zum Probieren. Ähnlich verhält es sich mit dem diesjährigen Spargelfest in Walbeck. Am 3. Mai zieht die Spargelprinzessin gemeinsam mit ihren Vorgängerinnen in den Ortskern ein, wo es dann einen Markt und viele Aktivitäten geben wird. Begleitet von Musik und der ein oder anderen Ansprache. Petra Heyer wünscht sich auch hier mehr Verständigung zwischen den beiden Seiten der Grenze und viel Besuch aus dem Nachbarland.

Verständigung sei so eine Sache, die in der grenzüberschreitenden Arbeit noch Optimierung brauche. „Die Zusammenarbeit zwischen den Behörden funktioniert nicht gut. Von Walbeck aus komme ich auch sehr schlecht bei den niederländischen Behörden weiter. Telefonisch hat man eine Chance, aber auch das ist schwierig“, erklärt Heyer. Und dann sind da noch die Themen Ehrenamt und gegenseitige Hilfe. Diese seien ebenfalls nicht selbstverständlich. Das erkenne man bei der jungen Generation. Vor allem auf der niederländischen Seite hätte die Spargelgruppe Schwierigkeiten, Nachwuchs zu gewinnen. Jüngere Mitglieder, die sich an der Organisation beteiligen möchten. „Junge Menschen auf beiden Seiten der Grenze haben Vorurteile übereinander und sind sehr distanziert. Auch die jeweils andere Sprache sprechen sie nicht mehr. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber da müssen wir etwas gegen tun. Wir sind alle Europäer und sollten uns gegenseitig unterstützen. Wir brauchen uns gegenseitig.“ Daher seien Veranstaltungen wie die Spargelfeste eben auch nur ein kleiner Teil der grenzüberschreitenden Arbeit. „Es gibt Hürden, wie die Sprachbarriere. Aber eine Zusammenarbeit ist in allen Bereichen möglich. Wir ergänzen uns gut“, betont Heyer abschließend.

Das ehrenamtliche Team des Museums de Locht in Melderslo beschert Besuchern einen Einblick in die Landwirtschaft von damals. Foto: Privat