Im Beisein der Teilnehmer der Mikroplastikwerkstatt unterzeichneten Ulrich Werneke und Kristin Pohl die Vereinbarung. NN-Foto: Thomas Langer
24. November 2023 · Emmerich

Gemeinsam unterwegs für mehr Umweltbildung

Gesamtschule Emmerich und Wahrsmannshof unterzeichnen Vereinbarung

REES/EMMERICH. Gemeinsam erreicht man mehr: Diesem Gedanken folgen offenbar auch die Gesamtschule Emmerich und der Wahrsmannshof in Rees. Nachdem es in den vergangenen Jahren bereits einige gemeinsame Veranstaltungen gegeben hat, verstetigt man diese Zusammenarbeit nun in Form einer Kooperationsvereinbarung.

Erstmalig den Kontakt gesucht hatte die Gesamtschule wegen ihrer Teilnahme am Projekt „Schule der Zukunft“. Das liegt bereits zwei Jahre zurück, und seither haben die Schüler aus den unterschiedlichsten Stufen schon einiges am Wahrsmannshof erlebt: darunter ein Trip mit dem Forschungsboot „Wilde Gans“, ein Besuch in der Papierwerkstatt und in den vergangenen Tagen die Arbeit in der Mikroplastikwerkstatt. Ulrich Werneke, Geschäftsführer des Wahrsmannshofs, und Kristin Pohl, didaktische Leitung an der Gesamtschule, haben diesen Anlass genutzt, um die für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung zu unterzeichnen.

„Nun werden uns auf jeden Fall auch im nächsten Jahr wieder Klassen besuchen. So erreichen wir mit den Nachhaltigkeitsthemen auf lange Sicht Generationen von Schülerinnen und Schülern“, erläutert Werneke. Bindeglied dieser Partnerschaft ist das Projekt „Bildungspartner NRW“, das Schulen mit außerschulischen Bildungsanbietern zusammenbringt. Dabei liege der Blick aber häufig auf dem Umstand, dass außerschulische Lernorte oft nicht so gut finanziert seien, erklärt Tuve von Bremen vom Wahrsmannshof. Die Kooperationen würden somit für mehr Sicherheit sorgen, wobei die finanziellen Vereinbarungen grundsätzlich untereinander auszumachen seien. Aber beim Wahrsmannshof sieht die Sache anders aus. „Wir haben das große Glück, dass wir vom Land gefördert werden und unsere Veranstaltungen kostenfrei anbieten können.“

Verankerung im Lehrplan

Auch wenn das vereinzelt bereits der Fall sei, möchte man in der Gesamtschule die neuen Möglichkeiten durch den Kooperationsvertrag verstärkt in den Lehrplänen verankern, sagt Kristin Pohl. Wenn zum Beispiel in der Oberstufe das Thema Ökologie an der Reihe sei, solle zukünftig immer eine Gewässeruntersuchung mit dem Boot des Wahrsmannshofs auf dem Plan stehen. „Ein bisschen stolpern wir nur über die Finanzierung“, räumt sie ein. „Die Busfahrt hierher muss ja auch bezahlt werden.“

Dass die Zusammenarbeit nun verstärkt fortgesetzt wird, ist gewiss. Unklar ist allerdings noch, wie genau. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir sehr gut ausgebucht sind. Es ist immer auch eine Terminfrage“, sagt von Bremen. Die jeweiligen Themen klären beide Partner untereinander ab. Die Veranstaltungen werden sich jedoch alle um die „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) drehen. „Es geht dabei in erster Linie um die 17 UN-Nachhaltigkeitsziele in allen Variationen“, sagt von Bremen.

Alles rund ums Mikroplastik

Diese waren auch elementarer Bestandteil der Mikroplastikwerkstatt, die im Rahmen der vergangenen schulischen Projekttage zur BNE stattfand. Nach einer kleinen Einführung in die allgemeine Müllproblematik ging es für die Schüler in der Werkstatt zu den sieben Stationen, wo sie selbstständig anhand von Anleitungen verschiedene Themen erarbeiten konnten. So fanden sie zum Beispiel heraus, dass Autoreifen die Hauptquelle für Mikroplastik sind und sie lernten, wie es über die Nahrungskette seinen Weg in den menschlichen Körper findet. „An einer anderen Station ging es um das Thema Kunststofffasern in der Kleidung. Jede Wäsche setzt nämlich viele Mikrofasern frei“, erläutert von Bremen. Nach kurzer Wäsche an einer Hand-Waschmaschine konnten die Schüler über Binokulare eigenhändig die Rückstände untersuchen.

Dieser praktische und greifbare Ansatz kam bei den jungen Gästen gut an. „Sie waren sehr konzentriert und interessiert“, erzählt Kristin Pohl. Das merkte Tuve von Bremen auch während der Abschlussbesprechung. „Wir haben dann versucht, Alternativen aufzuzeigen.“ Zum Beispiel mit einem speziellen Beutel, der die Mikrofasern frühzeitig auffängt. „Ebenso kam die Idee auf, weniger Auto zu fahren und mehr zu Fuß zu gehen, wenn es möglich ist.“ Dass Fahrradfahren im Vergleich weniger Mikroplastik verursacht, kam den Schülern ebenfalls in den Sinn. „Sie waren schon ziemlich kreativ“, lobt von Bremen.

Seiner Erfahrung nach macht sich diese Art der Umweltbildung durchaus bezahlt. Wie nachhaltig sie sei, wie viel von den Erlebnissen und vom Wissen hängen bleibe, zeige sich immer wieder einmal, wenn frühere Grundschulkinder Jahre später erneut auf dem Wahrsmannshof zu Besuch seien. TL

Im Beisein der Teilnehmer der Mikroplastikwerkstatt unterzeichneten Ulrich Werneke und Kristin Pohl die Vereinbarung. NN-Foto: Thomas Langer