Gemeinsam gegen Cybermobbing an Schulen
Inner-Wheel-Club ermöglicht Präventivseminar an der Gesamtschule Geldern
GELDERN. Mobbing an Schulen ist keine Seltenheit – was mit kleinen Sticheleien beginnt, artet manchmal in weitere körperliche Gewalt aus oder zieht sich durch soziale Medien sogar bis ins Internet. Die Opfer können der Krise kaum entkommen und isolieren sich. Das nennt man dann „Cybermobbing“. Präventivmaßnahmen in Form von Vorträgen und Webinaren sollen die Schüler deshalb sensibilisieren und ihnen vermitteln, welche rechtlichen Konsequenzen sie durch die Verbreitung von erniedrigenden Bildern und Videos zu erwarten haben. Mit der Unterstützung des Inner-Wheel-Clubs-Geldern hat auch die Gesamtschule Geldern nun an einem solchen Seminar teilgenommen.
Um 10 Uhr ist es so weit: etwa 200 Schüler der Jahrgangsstufe neun schalten sich zu dem juristisch geführten Webinar hinzu. In eineinhalb Stunden erklärt Anwältin Gesa von Schwerin von der Organisation „Law4school“, was alles unter die Straftat Cybermobbing fällt und wie man sich und andere im Internet besser schützen kann.
Vor- und nachbereitet wurde die Aktion an der Gesamtschule von einem Team aus Schulsozialarbeitern und Beratungslehrern. „Wir haben viel Arbeit in die Aktion gesteckt, aber das ist es uns Wert“, sagt Juliane Gehrke, Schulsozialarbeiterin. Die Vorbereitungen bestanden vor allem aus Gesprächen mit Schülern, Lehrern und Eltern: „Es hat vorher schon einen Elternabend gegeben, wo wir gemerkt haben, dass die Eltern sich auch für das Thema interessieren. Wir finden, dass Eltern vor allem bei jüngeren Kindern noch viel Einfluss auf die Mediennutzung haben und diesen Einfluss auch nutzen sollten.“
Dann folgte die Aufarbeitung des Themas im Unterricht. „Ich bin in jede Klasse gegangen, um erst mit dem Lehrer und dann mit den Schülern persönlich zu sprechen. Es gab Handouts und die Schüler konnten sich Fragen überlegen. Außerdem haben wir und die Lehrer in zwei Seminaren hospitiert, um uns die Inhalte genau anzusehen“, erklärt Gehrke weiter. Im Vordergrund standen hier besonders Informationen zum Thema Anlaufstellen für Hilfesuchende und Anleitungen zum Löschen von Inhalten aus dem Netz. Vielen Schülern sei beispielsweise auch nicht klar gewesen, dass allein der Besitz von unrechtmäßigem Bild- und Videomaterial strafbar ist.
Die Resonanz der Jugendlichen zeigte sich schnell. Viele hätten sehr interessiert auf das Thema reagiert. Gehrke: „Einige waren schon vorher über das Thema informiert und fanden es interessant, dass extra eine Anwältin von außerhalb der Schule ein Seminar für sie abhält.“ „Allgemein sind unsere Schüler sehr engagiert und offen. Es herrscht bei uns ein großes Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern. Das bedeutet, dass sie das Projekt für sinnvoll halten, weil sie wissen, dass unser Team es organisiert“, berichtet Beratungslehrerin Bettina Kössl.
Durch den Zusammenhalt der Jugendlichen und Erwachsenen innerhalb der Gesamtschule Geldern hätten sich außerdem bekannte Vorfälle in der Vergangenheit schnell klären lassen. „Die Schüler suchen uns auf, wenn sie ein Problem haben und verschließen sich nicht. In der Jugend ist man oft noch leichtsinnig und denkt nicht viel über die Konsequenzen des eigenen Handelns nach, verschickt Bilder und Videos. Deshalb sind Schüler die wichtigsten Adressaten für solche präventiven Seminare“, erläutert Gehrke.
Der Inner-Wheel-Club-Geldern sponsert die Teilnahme für die sieben Klassen. Vereinspräsidentin Doris Loy berichtet dazu: „Wir haben vor einem Jahr das erste Mal von dem Seminar des Law4school gehört und fanden es toll, dass es so eine Initiative gibt. Zu festen Terminen kann sich eine unbegrenzte Anzahl an Teilnehmern zuschalten. Das Tolle ist, dass niemand die Teilnehmenden sieht. Es bleibt also in der Klasse.“ So sei es möglich, anonym Fragen zu stellen, und über Abstimmungstools mit der Seminarleitung in Kontakt zu treten.
Ihre Dankbarkeit äußern die Vertreter der Gesamtschule kurz vor dem Seminar mit einer blumigen Geste. Doris Loy und Gudrun Herrmann, zweite Vorsitzende des Vereins, möchten die Schule auch gerne im nächsten Jahr bei der Prävention von Mobbing unterstützen. „Der Inner-Wheel-Club ist eine Frauenorganisation, die in 100 Ländern vertreten ist. Unsere Grundpfeiler sind Freundschaft, soziales Engagement und internationale Verständigung. Bei unserem jährlichen Weihnachtsbasar wird Geld gesammelt und über den Zweck abgestimmt, dem das Geld zugute kommen soll. Da wir ein Gelderner Club sind und die Aktion wichtig finden, wollten wir auch die Gelderner Gesamtschule unterstützen.“
Jacqueline KurschatkeDas Beratungslehrerteam der Gesamtschule Geldern dankt dem Inner-Wheel-Club für die Unterstützung: (v.l.) Bettina Kössl, Saiken Angenheister, Doris Loy, Gudrun Herrmanns und Juliane Gehrke.NN-Foto: Theo Leie