Gemäldebewertung in Rees: Experten für die „Schätze“ an der Wand
Galerist Heinz Janssen und Kunsthistorikerin Dr. Cora Eggers-Wrublick bewerten im Koenraad-Bosman-Museum wieder Gemälde, Grafiken und Skulpturen.
REES. Ist das Kunst, und was ist es wert? Diese Frage beantworten Galerist Heinz Janssen und Kunsthistorikerin Dr. Cora Eggers-Wrublick wieder bei der Gemäldebewertung im Koenraad-Bosman-Museum in Rees am Samstag, 17. Oktober. Schon seit 2008 bietet die Stadt in Kooperation mit den Experten diese Vermittlung einmal im Jahr an, die immer wieder spannende Geschichten zu Tage bringt.
„Es ist reizvoll, die Besitzer der Kunstwerke aufzuklären, was sie da haben – auch finanziell“, erklärt Heinz Janssen. „Das ist mein Anreiz für die Gemäldebewertungen.“
Zur Beratung gehören dabei auch Tipps vom Profi: Pflege, richtige Rahmung, der Fehler bei säurehaltigen Rückwänden, die über Jahre die wunderschöne Grafik kaum merklich nachdunkeln lassen und den Wert mindern. „Auch ein gutes, vor UV-Licht schützendes Glas hilft den Wert der Kunst zu erhalten“, sagt Heinz Janssen, und Dr. Cora Eggers-Wrublick ergänzt: „Sonnenlicht schadet jeder Kunst und sollte nie direkt auf ein Bild scheinen.“
Die Beratung bei der Gemäldebewertung ist dabei auch Prävention zum Schutz der Kunstwerke. „Soweit sollte es erst gar nicht kommen und daher engagiere ich mich für diese Aufklärung“, sagt Heinz Janssen.
Um Grafik und Gemälde zu bewerten, wird während der Gemäldebewertung in Rees der Erhaltungszustand – auch des Rahmens – beurteilt, die handwerkliche Qualität und das Können des Künstlers in Augenschein genommen. Die Originalität des Motivs spielt eine Rolle und natürlich auch die Nachfrage seitens des Kunstmarktes. Dafür ist eine Sache besonders wichtig, wie Janssen erklärt: „Erfahrung ist eigentlich alles!“
Mit seiner umfassenden Kenntnis, auch hiesiger Kunst, kann er an so mancher nachgedunkelten Leinwand die Qualität erkennen oder feststellen, ob die säuregeschädigte Grafik eines Günther Uecker durch einen Restaurator noch zu retten ist. Dabei erhält er Unterstützung durch die Expertise von Eggers-Wrublick: „Mit meiner Arbeit in Grafikarchiven und in den verschiedenen Museen, auch in der Zusammenarbeit mit Künstlern, habe ich viel über die verschiedenen Techniken und den richtigen Umgang mit verschiedensten Werken erfahren.“
Beide heben die Fairness bei der Gemäldebewertung in Rees hervor. „Ein Auktionshaus bewertet, was es selbst vielleicht verkaufen möchte und es fallen für jede Auktion Gebühren an. Im Koenraad-Bosman-Museum beraten wir uneigennützig“, untermalt Heinz Janssen.
Der Galerist ist durch seine langjährige Tätigkeit ein Spezialist gerade auch für die Malerei des Niederrheins. Als „Anwalt der Moderne“ brachte seine Galerie einen tieferen Sachverstand für die Formgebung eines Marc Chagall, Salvador Dali oder Günther Uecker in die Region. Das Familienunternehmen des Ehepaares Heinz und Christel Janssen und die Rahmenwerkstatt, geführt von Oliver Janssen, blickt dabei auf eine fünfzigjährige Geschichte. Das Jubiläum steht 2029 an.
Der Galerist blickt zurück: „Zuerst bestand die Rahmenwerkstatt. Wir fertigten Rahmungen in Masse für die damals so gefragten Hummelbilder, die wir bis in die Vereinigten Staaten lieferten. Kleine Andachtsbilder für Wallfahrtsorte in ganz Deutschland wurden von uns gerahmt. Das war eine Normrahmung. Erst später, bei zunehmendem Wohlstand in Deutschland, fertigten wir individuelle Rahmen für die Kunstwerke von Hand an, so wie mein Sohn Oliver sie heute in der Rahmenwerkstatt herstellt und selbstverständlich die Gemälde auch restauriert.“
Bereits in den Anfängen der Rahmenwerkstatt nahm Heinz Janssen Gemäldebewertungen vor, denn seine Künstlerfreunde kamen vorbei, um ihre Werke einrahmen zu lassen. Franz von Betteray, die Künstler der Stummelschule und die der nächsten Generation wie Heinrich und Karl Neuy oder Theo Kauertz gingen in der Werkstatt ein und aus. „Und klar redete man auch über Preise. Aus den Auktionskatalogen hatte ich die Preise. Ich war auch bei den Tagen der offenen Tür, bei den Kunstauktionen in den Auktionshäusern von Düsseldorf, Köln bis Basel dabei, um mir die Kunstwerke und Preise genau anzusehen“, erzählt Janssen. Bekannt als Kunstsachverständiger für Privatanfragen, Museen und Institutionen, sprach ihn schließlich 2008 die Stadt Rees an, ob er im Koenraad-Bosman-Museum eine öffentliche Gemäldebewertung vornehmen würde.
Seitdem berät er die angemeldeten Besucherinnen und Besucher einmal im Jahr. Im vergangenen Jahr kam seine langjährige Mitarbeiterin und Kunsthistorikerin Dr. Cora Eggers-Wrublick als Unterstützung hinzu. Moderne Malerei lernte sie bereits im Kunstverein ihrer Heimatstadt Hameln während ihrer Schulzeit lieben. „Also studierte ich Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Münster und Wien. Mein Studium schloss ich mit einer Promotion zum Thema Expressionismus ab. Auslandssemester an den Universitäten von Straßburg und Aix-en-Provence hatten mich auf die sehr lebendige Zeit der zwanziger und dreißiger Jahre in Berlin auf den Expressionismus aufmerksam gemacht“, sagt Eggers-Wrublick.
Die Vermittlung von Kunst an jeden Interessierten gehörten im wissenschaftlichen Volontariat an der Neuen Galerie in Kassel, bei der Mitarbeit an der Documenta und verschiedenen Museen Nordrhein- Westfalens immer zu ihren Lieblingsaufgaben: Gemäldebewertungen, Führungen, Vorträge und Abhandlungen zu Fragen der Kunst waren neben den Ausstellungsvorbereitungen ihr Hauptanliegen. „Alle Museen sind unverzichtbare Hüter unserer Kultur und für die Menschen da“, betont Eggers-Wrublick, die die liebevoll zusammengestellte Sammlung des Koenraad-Bosman-Museums, gerade die Abteilungen Malerei und Stadtgeschichte, sehr schätzt.
Nachdem sie sich in Kevelaer niedergelassen hatte, wurde sie auf die hochwertige Malerei, Grafik und Skulptur der Galerie Heinz Janssen aufmerksam und arbeitet dort nun schon seit mehr als zehn Jahren als Kunstexpertin.
„In den Kunstbewertungen im Koenraad-Bosman-Museum sind Schätze zu finden. Wandfüllende Ölgemälde eines Josef Mooren oder eines August Lüdecke-Cleve waren eine Entdeckung. Sie sind leider oft schwer zu hängen, aber die Darstellung des Niederrheins, der Wälder ist atemberaubend“, sagt Eggers-Wrublick. „Mich erstaunt immer wieder die hohe Qualität der Grafik, wenn beispielsweise in einem Kupferstich liebevoll die Schatten durch viele kleine Striche gestaltet wurden.“
Alle verfügbaren Uhrzeiten für die Gemäldebewertung im Reeser Museum sind bereits ausgebucht. Kurzentschlossene haben dennoch mit entsprechender Wartezeit die Möglichkeit, ihre Kunstwerke bewerten zu lassen.
Am Samstag, 14., und Sonntag, 15. November, findet die Gemäldebörse statt. Für eine Anmeldegebühr von fünf Euro pro Gemälde haben Privatpersonen an diesem Wochenende jeweils in der Zeit von 11 bis 17 Uhr Gelegenheit, Gemälde aus Privatbesitz (maximal fünf Stück) im Museum zum Kauf anzubieten.
„Erfahrung ist alles“ für eine fachkundige Gemäldebewertung, sagen die Kunstexperten Dr. Cora Eggers-Wrublick und Heinz Janssen (v. li) aus Keveleaer. Foto: Galerie Heinz Janssen