"Training in der Gelderner Dart-Arena, Spieler beim Zielen auf Dartscheibe, NN-Foto von Theo Leie"
20. August 2026 · Geldern

Gelderner Dartclub feiert Comeback: Vom drohenden Aus zum Aufstieg in die Regionalliga

Der GDC stand 2020 vor der Auflösung. Heute zählt der Verein 115 Mitglieder und verbindet ambitionierten Dartsport mit Nachwuchsarbeit und Geselligkeit. Doppel-Cup steigt am 29. August in der Dart-Arena in Geldern.

GELDERN. Das Sprichwort, nach dem manche Menschen zweimal (im Jahr) Geburtstag feiern, lässt sich dann und wann auch auf einen Verein übertragen. Zum Beispiel auf den Gelderner Dartclub. Denn nach der Gründung um Jahr 2013 steht der GDC 2020 vor dem Aus – und feiert stattdessen seinen „zweiten Geburtstag“. Mit neuem Vorstand und neuer Ausrichtung geliegt der erfolgreiche Neustart, auch auf sportlicher Ebene.

Die Geschichte des GDC beginnt 2013 mit gerade einmal sieben Mitgliedern. Später wächst die Zahl auf 15, die auch an Turnieren teilnehmen. Einen wichtigen Schritt macht der Verein 2016, als er an der Karl-Arnold-Straße 6 im Gelderner Barbaragebiet in der ehemaligen Videothek eine neue Spielstätte findet. „Es war lange ein Leerstand und die reinste Bruchbude“, erzählt der heutige 1. Vorsitzende Kai Lieverz. Die Mitglieder machen sich selbst an die Arbeit und renovierten die Räume. 2017 wird in der neuen „Gelderner Dart Arena“ die erste Turnierserie gespielt, ein Jahr später gehen bereits zwei GDC-Teams in den Ligabetrieb.

Viel mehr als nur ein „Kneipensport“

Auch sportlich und personell entwickelt sich der Verein weiter, profitiert von einem breiteren Interesse in der Öffentlichkeit. „Darts hat sich in den vergangenen 15 Jahren erst richtig entwickelt, weg vom Kneipensport“, sagt der 2. Vorsitzende Walter Jentjens. Live-Übertragungen im Fernsehen und Nachwuchsserien wie die PDC Europe Next Gen haben dazu beigetragen, dass der Sport sichtbarer geworden ist.

Der wohl entscheidende Einschnitt für den GDC kommt 2020. „Die Halle war wirtschaftlich nicht mehr zu finanzieren“, sagt Lieverz. Der GDC beschloss zunächst seine Auflösung. Doch bei einer weiteren Versammlung wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. Ein neuer Vorstand wurde gewählt, zunächst getragen von nur acht der ursprünglich 56 Mitglieder.

Neustart mitten in der Corona-Pandemie

Der Neustart fällt ausgerechnet in die Corona-Pandemie. „Ohne Spielbetrieb, ohne finanzielle Mittel“, beschreibt Lieverz die Ausgangslage. Bis Anfang 2023 nutzen die Mitglieder um den neuen Vorstand die Zeit, um die Halle herzurichten und neues Equipment anzuschaffen. Über das Landesförderprogramm „Moderne Sportstätten NRW“ werden unter anderem neue Fenster und Türen finanziert. Die Eigentümergemeinschaft lässt das Dach erneuern. Zusätzlich stecken Vereinsmitglieder eigenes Geld in neue Darts-Ausstattung. „Wir waren froh, als die ersten zehn Boards wieder hingen“, erinnert sich Jentjens.

Unterstützung bei der Neuaufstellung erhält der GDC auch von Eugen Brück, dem langjährigen Sportfunktionär und ehemaligen Vorsitzenden des Stadtsportverbandes Geldern. Er leitet unter anderem die Versammlung, bei der nach dem abgewendeten Auflösungsbeschluss der neue Vorstand gewählt wird. „Er hat viele Wege freigemacht“, sagt Jentjens.

Starkes Umfeld und viele Besucher beim GDC

Brück sieht heute vor allem das Umfeld als einen Grund für die positive Entwicklung des Gelderner Dartclub. Das Ambiente im GDC-Heim habe viel dazu beigetragen, dass die Mitgliederzahlen gestiegen seien. 2023 trugen sogar die Gocher ihre Bundesliga-Partien in Geldern aus. „Man sieht, dass hier Leute im Vorstand sitzen, die den Verein leben“, sagt Brück.

Die Entwicklung lässt sich an den Zahlen ablesen. 2022 und 2023 bewegte sich die Mitgliederzahl noch zwischen 20 und 25. Inzwischen sind es 115. Einen besonders großen Schub habe es 2025 gegeben, berichtet der technische Leiter Uwe Recknagel: „Viele Familien haben sich uns angeschlossen.“

"Vollbesetzte Dart-Arena in Geldern während GDC-Turnier, Zuschauer und Spieler vereint"

Volles Haus: Bei den Turnieren des GDC ist die Dart-Arena in Geldern stets gut besucht. Foto: privat

Der GDC ist damit längst mehr als ein Ort, an dem Ligaspiele ausgetragen werden. Mittwochs und freitags ist von 18 bis 23.30 Uhr offenes Training. Bei den Trainingsterminen unter der Woche kommen laut Jentjens rund 60 Spieler zusammen. Auch andere Vereine nutzen die Dart Arena in Geldern freitags.

Die Vereinsführung arbeitet derweil weiter an der Spielstätte. Die Decke wurde in diesem Jahr erneuert, als Nächstes soll die gegenüberliegende Wand neu gestaltet werden. „Es sind Kosten im fünfstelligen Bereich“, sagt Jentjens. Die Modernisierung soll auch dazu beitragen, dass sich Gäste bei Turnieren wohlfühlen. Dass sich das bereits bemerkbar macht, zeigt für den Vorstand die gestiegene Zahl der Besucher bei der Turnierserie.

Gelderner Dartclub spielt oben mit

Parallel zur Entwicklung abseits des Boards zeigt auch die sportliche Kurve nach oben. Die ersten beiden Mannschaften starten nach dem Neuanfang zunächst in der Kreisliga und der Kreisklasse. 2023 gelingt nach der Wiederaufnahme des regulären Spielbetriebs der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Bezirksklasse. Über die Bezirksliga geht es weiter bis in die Regionalliga.

In der vergangenen Aufstiegssaison will sich die Mannschaft zunächst keinen großen Druck machen. „Wir versuchen mitzunehmen, was geht“, erinnert sich Lieverz an die damalige Marschroute. Nach fünf Siegen ändert sich die Zielsetzung: „Als wir die ersten fünf Spiele gewonnen hatten, haben wir gesagt: Jetzt geben wir richtig Gas.“

Jentjens blickt ähnlich auf die Entwicklung zurück. Im ersten Jahr habe man nicht gewinnen müssen. Inzwischen habe sich die Mannschaft „als Einheit gefunden“, ohne Egoisten oder Einzelkämpfer. Jentjes beschreibt Darts als „Mentalsport: Man steht allein am Board und spielt direkt gegen seinen Gegner.“

Wichtige Nachwuchs-Arbeit – auch an Schulen

Dass Darts dabei längst nicht nur etwas für erfahrene Spieler ist, zeigt der Blick auf den Nachwuchs. Der GDC hat eine U18-Mannschaft und kooperiert bei der Nachwuchsarbeit mit der Gesamtschule in Geldern. Jentjens versteht diese Arbeit nicht allein als Möglichkeit, neue Mitglieder zu gewinnen. „Es ist auch eine Form sozialen Engagements – die Kinder vom Handy wegzubekommen, für zwei Stunden für Sport zu begeistern.“

Jentjens wehrt sich dabei gegen das alte Bild von Darts als Kneipensport. „Es ist Sport auf hohem Niveau“, betont er. Einen Nebeneffekt sieht er sogar bei den jüngsten Spielern: „Oft verbessern sich die Mathe-Noten, da man am Board selbst seine Ergebnisse ausrechnen muss.“

Waren in der Vergangenheit bereits prominente Spieler wie der frühere Weltklasse-Darter und 16-fache Weltmeister Phil Taylor sowie Raymond van Barneveld, Ian White, Terry Jenkins, Benito van de Pas und der deutsche Spieler Florian Hempel zu Gast in Geldern, setzt der GDC heute weniger auf große Namen als auf ein Umfeld, in dem sich Spieler und Gäste willkommen fühlen. „GDC steht für Spiel, Sport und Geselligkeit“, sagt Jentjens. Viele Ehrenamtliche bringen sich ein. Wer erstmals in die Halle komme, sondern auch gerne wiederkommen.

Turniere beim Gelderner Dartclub

Die nächsten Turnier-Termine stehen bereits fest. Am Samstag, 29. August, findet der Doppel-Cup statt. Einlass ist ab 15 Uhr, Meldeschluss um 16.30 Uhr. Am Sonntag, 13. September, folgt ein offenes Jugendranglistenturnier für U23-Spieler ab der Altersklasse U12. Im Oktober beginnt außerdem die nächste Runde der Gelderner Darts Championship. Der erste Qualifier wird am 17. Oktober gespielt, fünf weitere Runden folgen bis zum Finale am 19. Juni 2027. Für alle Turniere gilt: „Offen für alle“, betont Jentjens.

Weitere Infos zu den Terminen und Kontakte gibt es unter www.gelderner-dartclub.de.

Training in der Gelderner Dart-Arena. NN-Foto: Theo Leie