Geldern sucht Lesementoren
Spezielle Leseförderung an Grundschulen und Kitas geplant
Es ist nicht die erste Maßnahme, die auf eine Verbesserung der Lesekompetenz zielt, wie Dr. Alexander Müller erzählt. Einige davon kommen von oben, andere haben sich die Schulen selbst auf die Fahnen geschrieben: eine verbindliche Lesezeit und Vorlesepaten sind dafür jeweils ein Beispiel. Doch das allein reicht noch nicht, wie sich gezeigt hat. Im Zuge eines Antrags der FDP-Fraktion hatte die Stadt Geldern 2024 über eine Umfrage den aktuellen Stand der Lesekompetenzen evaluiert. Dabei stellte sich jedoch heraus, dass in fünf Einrichtungen überhaupt keine ehrenamtlichen Vorleseangebote existierten. Grund dafür ist ein Mangel an Ehrenamtlichen. „Die Schulen haben großen Bedarf angemeldet“, sagt Markus Grönheim, Beigeordneter der Stadt Geldern und zuständig für den Bereich Jugend und Familie.
In diesem Zeitraum trat auch Karl-Wilhelm Neumann an die Stadt heran. Er kümmert sich nicht nur um die Hausaufgabenbetreuung an der St. Adelheid-Schule, sondern machte in seiner Rolle als Lesementor in Sonsbeck auf das zugrunde liegende „Mentor“-Programm aufmerksam. Am Niederrhein ist der dahinterstehende Verein derzeit an 61 Schulen tätig: 500 Mentoren fördern hier rund 570 Kinder.
Strukturiert und einheitlich
Das „Mentor“-Programm unterscheidet sich in einigen Punkten von den Vorlesepaten: „Es ist strukturierter und hat ein einheitliches Konzept“, sagt Markus Grönheim. Konkret bedeutet das: „Die Mentoren lesen nicht einfach vor“, führt der Mentor-Vorsitzende Thomas Matzke fort. Hat die Schule bei bestimmten Kindern einen Förderbedarf ausgemacht, lesen nach dem Motto „Bildung durch Bindung nach dem 1:1-Prinzip“ jeweils ein Kind und sein Mentor gemeinsam, um anschließend auch über den Inhalt zu sprechen – und das ein Jahr lang einmal in der Woche für 45 Minuten, entweder in einer Freistunde oder am frühen Nachmittag.
„Wir geben aber keine Nachhilfe“, betont Karl-Wilhelm Neumann. Damit die Kinder ihre Fähigkeiten im eigenen Tempo entwickeln können und den Spaß an der Sache nicht verlieren, richten sich die Mentoren bei den Inhalten nach den Neigungen, Vorlieben und Fähigkeiten der Kinder. Innerhalb des gegebenen Rahmens sind die Mentoren flexibel in der Gestaltung. Zeitgleich wird Wert auf eine lockere Atmosphäre gelegt: Die Kinder können ihren Wortschatz, ihre sprachlichen Fähigkeiten und den Spaß am Lesen auch durch gemeinsames Erzählen, Rätseln und Spiele entwickeln. Besonders schön: Zu Weihnachten erhalten alle Kinder ein Buchgeschenk. „Das spornt sie noch mal an“, sagt Thomas Matzke.
Das Konzept kommt aber offenbar auch ohne ein Geschenk gut bei den Kindern an: „Sie kommen sehr gerne in die Stunden“, erzählt Matzke. Teils fragten sogar die übrigen Kinder danach, mitmachen zu dürfen. Auch für Karl-Wilhelm Neumann ist es eine lohnenswerte Tätigkeit: „Es ist sehr bereichernd, wie die Kinder Fortschritte machen.“
Für die Schulen selbst ergibt sich der Vorteil, dass ihnen der Verein viel Arbeit abnimmt. Wo die Schulen und Lehrer zuvor selbst zum Beispiel ihre Lesepaten finden mussten, kümmert sich in diesem Fall „Mentor“ um die Formalitäten, darunter auch das erweiterte Führungszeugnis, die Verschwiegenheitserklärung und die Schulung der Lesementoren. Bei dieser erfahren die angehenden Ehrenamtler zum Beispiel, wie sie sich verhalten sollen, falls ein Kind einmal keine Lust haben sollte, oder wie sie überhaupt eine Stunde gestalten.
Damit das Programm Erfolg hat, soll der Einstieg in das Ehrenamt stets leicht ausfallen: Eine pädagogische Vorbildung braucht es daher nicht, betont Karl-Wilhelm Neumann. „Voraussetzungen sind nur Empathie, ein Verständnis für die Kinder und Geduld.“ Eine Mitgliedschaft im Verein ist zwar ebenfalls notwendig, als Lesementor fallen aber keine Beiträge an. Zudem wird der Versicherungsschutz über das Land abgewickelt.
Hier anmelden
Regina Matzke vom Freiwilligen-Zentrum der Caritas sieht aber noch einen anderen bedeutsamen Faktor für den Erfolg solcher Projekte: „Es braucht kurze Wege ins Ehrenamt.“ Daher stehen in Geldern viele Ansprechpartner und Einsatzorte zur Auswahl. Wer Interesse hat, kann sich beim Verein unter mentor-niederrhein.de (Button „Mitmachen“) oder direkt bei der nächstgelegenen Schule melden: Albert-Schweitzer-Schule, Telefon 02831/4432, sekretariat@asg.nrw.schule; St. Adelheid-Schule, Telefon 02831/4431, sekretariat@adelheid.nrw.schule; St.- Antonius-Schule, Telefon 02831/3281, 107268@schule.nrw.de; St.-Luzia-Schule, Telefon 02831/2651, sekretariat@luziawalbeck.nrw.schule; Marienschule, Telefon 02838/2145, grundschule.kapellen@t-online.de; St.- Michael-Schule, Telefon 02831/4434, sekretariat@michael-grundschule.nrw.schule; St.-Martini-Schule, Telefon 02831/5244, sekretariat@sanktmartini-veert.nrw.schule.
Mit dem Programm zielen die Verantwortlichen aber nicht nur auf die Grundschulen ab. Auch in den Kitas werden weiterhin Vorleser gesucht. Anmeldungen hierfür sind möglich bei Denis Erbozkurt-Beckers vom Team Jugendhilfeplanung der Stadt Geldern unter Telefon 02831/398-712 und denis.erbozkurt-becker@geldern.de oder beim Freiwilligen-Zentrum Gelderland der Caritas: Telefon 02831/9102368, regina.matzke@caritas-geldern.de.Hoffen auf viele Interessenten: (hinten v.l.) Markus Grönheim, Thomas Beeker, Regina Matzke, (vorne v.l.) Dr. Alexander Müller, Karl-Wilhelm Neumann und Thomas Matzke. NN-Foto: T. Langer