„Alde Kleefsen Adel“: Der Funkerchor im Jahr 1983. Foto: Funker-Archiv
31. Januar 2025 · Kleve

Funker feiern 100. Jubiläum

Seit 1925 setzen die Klever Schwanenfunker auf hochwertigen und hausgemachten Sitzungskarneval

KLEVE. Es war eine reine Herrenrunde, noch dazu eine geschlossene Gesellschaft, die an Karneval im Jahr 1925 zur ersten Sitzung der Klever Schwanenfunker zusammenkam. Das änderte sich bereits im Folgejahr, denn im Saal Bollinger hieß man alle willkommen, die mit den „Funkern“ feiern wollten. Dazu gab es auch allen Grund. „Die Heimat wieder frei“ titelte damals der „Volksfreund“ nach dem Abzug der belgischen Truppen, die den Klevern seit dem Ende des Ersten Weltkriegs viel abverlangt hatten. Die Vereinsgründung ist jetzt 100 Jahre her. Ein runder Geburtstag, der natürlich auch gebührend gefeiert wird.

„Zur Premierensitzung gibt es vorab für alle Gäste einen Sektempfang“, freuen sich der Vorsitzende André Budde, Präsident Walter Heicks und FunkerTwen Jürgen Hecht auf den 15. Februar, wenn sich um 18.11 Uhr in der Klever Stadthalle der Vorhang für die erste von drei so gut wie ausverkauften Sitzungen hebt. Damals wie heute setzt die Funkerfamilie hohe Maßstäbe in Sachen Sitzungskarneval. Gut 1.600 Gäste werden sich davon im Jubiläumsjahr überzeugen können. Das ist für den Sitzungskarneval am Niederrhein schon eine Nummer. Die Mischung macht‘s, sind sich die drei Herren einig. Wortbeiträge haben auch heute noch einen hohen Stellenwert. Neben den traditionellen Büttenreden gibt es Bühnenstücke, die mit reichlich Lokalkolorit begeistern. Dazu Livemusik mit Chor, FunkerTwens und (Haus)Band und selbstverständlich auch Tänze. Über 50 Mädchen mischen aktuell bei den Funkerschwänchen, Schwanenfünkchen und Schwanensprösschen mit. Das war nicht immer so. „Man muss mit der Zeit gehen“, ist Heicks überzeugt. Seit den 1980er Jahren stehen auch Frauen auf der Funkerbühne, seit etwas über einem Jahrzehnt dürfen sie auch Mitglied werden. „Das wurde durchaus kontrovers diskutiert“, gibt Budde zu. Doch letztlich sei es ein wichtiges Signal gewesen. Heicks: „Wir wollten zeigen, dass wir für alle offen sind, die sich mit unserer Form des Karnevals identifizieren können.“ Denn oberstes Gebot ist, damals wie auch heute: Die Pflege und Förderung des Brauchtums und der Erhalt des traditionellen, heimischen Karnevals. „Jeder, der Mitglied werden möchte, muss bereit sein, sich aktiv zu beteiligen“, betont Budde, dass es mit der Zahlung eines Mitgliederbeitrags (der heißt bei den Schwanenfunkern übrigens zielführend Feierbeitrag) nicht getan ist. Egal ob auf oder hinter der Bühne, beim Catering oder in der Maske: Alle müssen ran, wenn es auf die Session zugeht. „Die Sitzungen stehen bei uns immer an erster Stelle“, sagt der Vorsitzende. Darauf arbeite man hin, zunächst jede Gruppe für sich und schließlich alle gemeinsam. „Das ist toll zu sehen, wie alle Zahnräder ineinandergreifen und aus den einzelnen Programmpunkten ein stimmiges Gesamtkonzept wird“, schwärmt Heicks vom „positiven Stress“ und der Energie, die freigesetzt wird, wenn es auf die Sitzungsabende zugeht: „Das war und ist für mich immer das Größte.“

So soll es auch im Jubiläumsjahr sein und die Zuschauer können sich auf fünf Stunden beste Unterhaltung „met Humor en Freud“ freuen. Wohlgemerkt: Alles aus den eigenen Reihen. Lückenfüller benötigt man nicht. „Es ist eher so, dass wir immer wieder schauen müssen, dass die einzelnen Nummern nicht zu lang werden“, sagt Budde. Klar, Prinz Tim der Rockende, ein Schwanenfunker (der 14. aus der Gesellschaft), bekommt seine 30 Minuten. Damit ist er aber auch Spitzenreiter, denn kein Programmpunkt dauert länger. Mit jeweils 21 Minuten müssen FunkerTwens und Funkerchor auskommen. „Da sagen dann viele, dass das zu kurz ist, aber wir müssen darauf achten, dass es ausgewogen bleibt und jeder die Chance bekommt, sich auf der Bühne zu beweisen“, sind die beiden FunkerTwens Budde und Hecht davon überzeugt, dass gerade die „party-tauglichen“ Beiträge ohne strenges Zeitlimit aus dem Ruder laufen könnten. Schließlich sei die Funkersitzung eben genau das: eine Sitzung und keine Party. Auf den Stühlen stehen ist zwischenzeitlich durchaus erlaubt, unruhig werden soll es aber nicht. „Das erwartet man auch von uns“, findet Heicks, der als Sitzungspräsident notfalls auch mal Tempo machen oder zur Ordnung rufen muss. „Das hat auch etwas mit Respekt den Menschen gegenüber zu tun, die da auf der Bühne stehen“, findet er. Überhaupt: „Wir machen den Theaterkarneval, den unser Publikum schätzt“, sagt Heicks. Das zeige sich, abgesehen von den Beiträgen, auch auf der Bühne selbst. „Unsere Bühnenbilder sind richtige Kunstwerke und immer noch selbst gemalt“, verweist er auf die Tradition. Doch auch hier gelte es, die Waage zu halten. „Natürlich nutzen wir auch moderne Technik“, sagt er. Schließlich müsse man auch hier mit der Zeit gehen. Deshalb ist seit einigen Jahren auch Verkleidung gewünscht. Die Zeiten für die festliche Abendgarderobe sind vorbei. Nicht zuletzt auch, um den Nachwuchs für eine Mitgliedschaft zu begeistern. „Es wird leider immer schwerer, junge Leute zu motivieren“, sagen Heicks, Budde und Hecht. Dennoch sei man bei den Schwanenfunkern auf einem guten Weg. Inklusive „geführtem Generationenwechsel“. Der Elferrat wurde in den vergangenen Jahren bereits nach und nach verjüngt, weitere Bereiche werden folgen.

Doch zunächst einmal stehen die 101 Mitglieder in den Startlöchern für die laufende Session. Zum Jubiläum hat man sich sogar einen komplett neuen Wagen für den Rosenmontagszug gegönnt und später im Jahr wird es ein Fest für die ganze Funkerfamilie geben. Im Sommer ist am Klever (Aussichts)Turm zudem eine öffentliche Feier mit Open-Air-Bühnenprogramm geplant.

„Alde Kleefsen Adel“: Der Funkerchor im Jahr 1983. Foto: Funker-Archiv