Für eine resiliente Landschaft
Grenzübergreifender Austausch zur Zukunft von Fließgewässern im Klimawandel
KREIS KLEVE. Letzte Woche luden das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve und der niederländische Landschaftspflegeverein Vereniging Nederlands Cultuurlandschap (VNC) zu einem Workshop mit anschließender Exkursion rund um das Thema „Kleine Fließgewässer im Klimawandel“ ein. Im Rahmen des Interreg-Projekts Grenzenlose Landschaft an der deutsch-niederländischen Grenze nahmen die Wasser- und Bodenverbände aus dem Umfeld Maas und Niers und weitere Verantwortliche für die Unterhaltung von Fließgewässern an der Veranstaltung in Siebengewald teil.
Nach einer Begrüßung durch Projektleiterin Malve Falk von VNC, stellte Hydrologe Erik Raaijmakers von H2Opinion die Ergebnisse eines Bewässerungsexperiments an dem niederländischen Bach Teelebeek vor. Bei dem im letzten Jahr im Rahmen des Projekts durchgeführten Experiment, wurde die Möglichkeit getestet, ein Austrocknen des Bachs über den Sommer zu verhindern. Anschließend hielt Andreas Bolle von umweltbüro Essen eine inspirierende Präsentation zur Umsetzung von Maßnahmen an Fließgewässern. „Einfach machen“ war seine Devise und kleine Projekte angehen, die mit wenig bürokratischem Aufwand realisiert werden können, um dem „Umsetzungdefizit“ entgegenzuwirken.
Am Nachmittag stiegen die Teilnehmer zusammen in den Bus, um Renaturierungen im Projektgebiet zu besuchen. Der Austausch stand ganz im Zeichen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Niederlanden und Deutschland bei der praktischen Umsetzung der Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Obwohl die EU Wasserrahmenrichtlinie für beide Länder gleichermaßen gilt, führen Gesetzesadaption und Verwaltungsstrukturen der Länder zu Unterschieden in der Handhabe und Umsetzung. Trotzdem betreffen die aufkommenden Probleme mit Klimawandelveränderungen, Flächenverfügbarkeit und Vereinbarkeit verschiedener Interessen, die Gewässer und ihr Umfeld die Organisationen grenzübergreifend gleichermaßen.
Die Waterschap Limburg stellte die Renaturierung an der Ekeltschen Beek vor, die 2006 fertiggestellt wurde. Dabei wurden die Schwierigkeiten mit Eigentumsverhältnissen bei der Umsetzung solcher Maßnahmen und die praktischen Anforderungen an die Gewässerpflege diskutiert. Vergleichend wurde auf deutscher Seite die Renaturierung in Goch Kessel aus dem Jahr 2019 an der Niers besucht. Diese Renaturierung zielte vor allem, zur Erfüllung der Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie, auf eine ökologische-strukturelle Aufwertung der Niers ab. Dennoch wird bei beiden Renaturierungen durch die Verlängerung des Wasserlaufs, mit einer Erweiterung der aktiven Aue, nicht nur eine Verbesserung der ökologischen Wertigkeit, sondern auch des Wasserhaushalts erreicht.
Ein weiteres Exkursionsziel waren steuerbare Stauwehre vom Wasser- und Bodenverband Baaler Bruch im Bereich Weeze. Während der Flurbereinigungen wurde das grenznahe Gebiet von Weeze mit Gräben durchzogen, um die Landschaft zu entwässern und landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Die klimawandelbedingte Trockenheit im Sommer macht Wasserrückhalt zunehmend wichtig. Die Stauwehre machen es möglich, das Wasser aus dem Winter für den Sommer zurückzuhalten, aber im Fall von starken Regenereignissen durch Öffnung der Wehre den Abfluss zu gewährleisten. Die Stauwehre zeugen von guter grenzübergreifender Zusammenarbeit der Verbände untereinander, da die Anschaffung und Installation in Zusammenarbeit mit der Waterschap Limburg stattfand.
Der Austausch von Erfahrungen über die Grenze und Institutionen hinweg ist für die Entwicklung von Strategien, um die Hürden des Klimawandels zu meistern, von großer Bedeutung. Das Projekt „Grenzenlose Landschaft“ konnte mit dieser Veranstaltung einen weiteren Baustein für die Entwicklung von guter Zusammenarbeit zu Gunsten einer resilienten Landschaft legen.
Um Strukturreichtum zu erhalten, wird die Böschung der Niers nicht bis zur Wasserkante gemäht. Foto: NZ-Kleve