Connie Rufeger, Dagmar Marks und Sabina Spelt (v.l.) wollen auf dem Gocher Friedhof mit Friedhofsbesuchern ins Gespräch kommen. NN-Foto: SP
30. Juli 2026 · Goch

„Friedhofsgeflüster“ lädt in Goch zum Reden ein

Wer Sorgen teilen oder einfach ins Gespräch kommen möchte, findet im August auf dem Gocher Friedhof ehrenamtliche Ansprechpartner

GOCH. Manchmal ist Zuhören das, was am meisten hilft. Doch nicht jeder hat einen Menschen in seinem Umfeld, mit dem er über alles sprechen kann oder möchte. Sich etwas von der Seele zu reden, kann aber trotzdem befreiend sein. Genau da soll das „Friedhofsgeflüster“ anknüpfen, zu dem die evangelische Kirche Goch ab Freitag, 7. August, 15 bis 17 Uhr, an jedem Freitag im August auf den Gocher Friedhof einlädt.

Connie Rufeger, Sabina Spelt und Dagmar Marks wollen an diesen Freitagen für ihre Mitmenschen da sein. Sie sind aus kirchlicher Sicht zwar keine professionellen Seelsorger, gehören aber zu einer Gruppe ehrenamtlicher Seelsorgerinnen, die in einer ökumenischen Aktion kreisweit ausgebildet wurden. Normalerweise gehen sie mit ihrem Gesprächsangebot in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser, wo sie sich mit Bewohnern, Patienten oder Angehörigen austauschen. Gemeinsam mit Pfarrerin und Mentorin Rahel Schaller haben sie sich nun die „Friedhofsgespräche“ als weiteres, niedrigschwelliges und für alle offenes Gesprächsangebot ausgedacht.

Sie sind davon überzeugt, dass in Zeiten, in denen die Künstliche Intelligenz (KI) immer mehr auch für Konversationen, Rat und Hilfe genutzt wird, das persönliche Gespräch doch noch einen viel höheren Stellenwert hat. „Wir sind echte Ansprechpartner. Wir können zuhören und auch Tipps geben und einfach da sein. Wir wollen mit Menschen in Kontakt kommen“, sagt Sabina Spelt. Die Themen könnten dabei ganz unterschiedlich ausfallen: Von einem freundlichen, zeitvertreibenden Plausch bis hin zu echten Problemen, die angesprochen werden, sei alles denkbar, auch wenn das Angebot natürlich keine fundierte Therapie ersetzen könne. Manchmal sei ein offenes Ohr aber auch schon heilsam.

Das „Friedshofsgeflüster“ findet erstmal an jedem Freitag im August von 15 bis 17 Uhr auf dem Gocher Friedhof statt. „Wir schauen, wie es angenommen wird und entscheiden dann, wie es weitergeht“, sagt Schaller. Die Damen warten jeweils mit einer gemütlichen und einladend wirkenden Bank zwischen Eingang und Friedhofshalle auf ihre Besucher, die nicht zwingend zur evangelischen Kirchengemeinde Goch gehören müssen. „Es darf wirklich jeder kommen – unabhängig von der Religion“, sagt Schaller, die das neue Angebot schon jetzt schätzt: „Ich kenne Menschen, die jeden Tag auf den Friedhof kommen, weil dieses Ritual sie stützt. Viele von ihnen freuen sich bestimmt, wenn sie hier einfach mal mit jemandem sprechen dürfen.“

Damit das „Friedhofsgeflüster“ noch einladender und entspannter wirkt, werden die Damen jeweils Kaffee und Wasser dabeihaben und zum Verzehr einladen. „Wir werden vielleicht auch Menschen ansprechen und einen Blickkontakt haben. Wir sind nicht ängstlich“, sagt Spelt, deren beruflicher Background selbst im Krankenhaus liegt. Daher wisse sie, wie wichtig Gespräche sein könnten, auch wenn man selbst trotzdem eine gewisse Distanz wahren müsste. „Man darf die Probleme anderer nicht zu sehr an sich heranlassen“, sagt sie. In dem Moment des Gespräches sei Mitfühlen sei zwar wichtig und richtig, aber man müsse selbst auch schnell wieder loslassen können, um sich selbst zu schützen. Nur dann könne man so ein Angebot wie das „Friedhofsgeflüster“ auch langfristig anbieten.

Connie Rufeger, Dagmar Marks und Sabina Spelt (v.l.) wollen auf dem Gocher Friedhof mit Friedhofsbesuchern ins Gespräch kommen. NN-Foto: SP