Forum Xanten schlägt Neuausrichtung der Schullandschaft vor: Eine starke Schule für alle?
Die Xantener Verwaltung soll die Zusammenlegung des Stiftsgymnasiums und der Willi-Fährmann-Gesamtschule zu einer gemeinsamen, leistungsstarken Gesamtschule an einem gemeinsamen Standort prüfen.
XANTEN. Die Fraktion Forum Xanten (FoX) hat einen möglicherweise wegweisenden Prüfauftrag in den Rat der Stadt eingebracht: Die Verwaltung soll die Zusammenlegung des Stiftsgymnasiums und der Willi-Fährmann-Gesamtschule zu einer gemeinsamen, leistungsstarken Gesamtschule an einem gemeinsamen Standort prüfen. Angesichts der dramatischen Haushaltslage sieht die Fraktion darin die einzige Chance, ein erstklassiges Bildungsangebot dauerhaft zu sichern.
„Es ist bedauerlich, dass wir heute an diesem Punkt stehen“, erklärt Tanko Scholten, Fraktionsvorsitzender des Forums Xanten. „Die massive Schuldenpolitik der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass jene Mittel, die wir heute für den parallelen Erhalt zweier Schulsysteme dringend bräuchten, schlichtweg nicht mehr vorhanden sind.“ Xanten befände sich in der vorläufigen Haushaltsführung und sei zur massiven Senkung der Unterhaltungskosten gezwungen. Die dringend notwendige Sanierung zweier voll ausgestatteter Systeme an zwei Standorten sei ein Luxus, den sich die Stadt finanziell nicht leisten könne.
Fokus auf Eigenbedarf
Ein zentraler Aspekt des Antrags sei die Abkehr von der Beschulung auswärtiger Einpendler. Von den aktuell rund 1.770 Schulplätzen an beiden Schulen würden lediglich etwa 960 bis 1.000 auf Kinder aus dem Xantener Stadtgebiet kommen. Damit halte die Stadt Kapazitäten für über 800 auswärtige Schüler vor. Das sei mittlerweile eine finanzielle Last, die im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes nicht mehr tragbar sei. Durch die Konzentration auf den „Xantener Eigenbedarf“ könnten die Gebäudeflächen und Sporthallenkapazitäten deutlich reduziert werden, so FoX.
Mit der Zusammenlegung würde zwar die lange Tradition des Stiftsgymnasiums enden, doch diese scheint ohnehin an Rückhalt verloren zu haben. „Es ist bezeichnend, dass selbst das 150-jährige Jubiläum der Neugründung von 1875 im vergangenen Jahr weder vom Gymnasium selbst noch von der alten Verwaltung in irgendeiner Form gewürdigt wurde“, so Scholten weiter.
Die Fraktion warnt vor der bereits vorgebrachten Vorstellung, ausschließlich die Gesamtschule durch eine Reduzierung der Schülerzahlen zu schwächen. Stattdessen sollen die Stärken beider Schulen gebündelt werden. „Xanten darf nicht nur eine ‚Eliteschule‘ erhalten, während andere Bildungswege geschwächt werden. Wir müssen einen gemeinsamen Bildungsraum für alle Kinder dieser Stadt schaffen“, betont Scholten.
Beide Schulen würden über erfolgreiche Oberstufen verfügen. Eine gemeinsame Oberstufe an einem zentralen Standort würde eine „kritische Masse“ erzeugen, die ein deutlich breiteres Kursangebot mit mehr Leistungs- und Grundkursen ermögliche, als es zwei kleinere Standorte jemals könnten. Neben den pädagogischen Vorteilen biete die Aufgabe eines Standortes zudem die Möglichkeit, wertvolle Flächen im Innenstadtbereich für attraktiven Wohnraum zu entwickeln und so die städtischen Finanzen weiter zu konsolidieren.
„Wir schneidern die Schullandschaft ‚auf Maß‘ für unsere Bürger“, fasst Scholten zusammen. Ziel sei es, trotz extremer Haushaltsnotlage durch personelle und räumliche Synergien ein Bildungsangebot zu schaffen, das pädagogisch sogar an Attraktivität gewinne.
Die beantragte Prüfung einer Zusammenlegung brauche einen langen Atem und müsse viele Akteure mit ins Boot holen. Ob und unter welchen Umständen eine solche Idee Erfolg haben kann, sollte vorbehaltlos geprüft werden, so FoX abschließend.
Ein Neubau oder eine Sanierung des Stiftsgymnasiums in Xanten wird seit Langem von der Politik diskutiert. Nun schlägt die FoX vor, eine Zusammenlegung des Stiftsgymnasiums mit der Gesamtschule zu prüfen. NN-Foto: Sabrina Peters