Flüchtlingshilfe Alpen feiert zehnjähriges Bestehen mit einem Sommerfest
Der Verein lädt am kommenden Sonntag zum Sommerfest ein
ALPEN. 2014 fanden sich Menschen aus Alpen zusammen, um Geflüchteten zu begegnen, sie zu fragen, was sie brauchen und wie sie beim Ankommen unterstützt werden könnten. Es waren die Monate vor Weihnachten und der erste größere, gemeinsame Besuch mit Keksen und Kakao, Friedenslicht und Friedensliedern.
Ein kleiner Junge, dessen Eltern aus Pakistan geflohen waren, bekam leuchtende Augen: „Mama, da sind Menschen gekommen, um deinen Geburtstag zu feiern!“ Denn nicht nur Weihnachten stand vor der Tür, seine Mutter hatte am 23. Dezember Geburtstag und es war ihm wie ein Weihnachtswunder. Heute besucht „der Kleine“ von damals das Amplonius Gymnasium in Rheinberg… und der Wunsch, der am meisten geäußert wurde an dem Tag war: Deutsch lernen!
Im Januar 2015 folgte das erste große Begegnungsfest in Alpen, mit einigen hundert Gästen, Musik und Essen, Spielen und Kennenlernen. Alle, die da waren, erhielten die kleine Aufgabe, die Namen drei neuer Menschen zu lernen, ob Ali oder Thomas, Masood oder Judy, Hermann oder Bonna. Das Rathaus war voll und der Start in etwas Neues war greifbar. Im Laufe des Jahres kamen immer mehr Geflüchtete nach Alpen aus den Unruheherden dieser Erde… Aus Nachrichten wurden Nachbarn. Und so gründete sich noch 2015 die Flüchtlingshilfe Alpen e.V., um auch offiziell ein Partner für Ehrenamtliche, die Gemeinde, für den Kreis und natürlich für Geflüchtete sein zu können.
Mehr als nur ein Willkommen, setzten sich viele Ehrenamtliche von Anfang an für einen Weg des Entgegenkommens ein. Die weiteren Schritte wurden mit ankommen (konkreten Hilfen und Begleitung bei ersten Schritten in das Leben vor Ort), vorkommen (soziales Miteinander und Integration in die Dorfgemeinschaft durch Beteiligung in Vereinen, bei Festen), reinkommen (fördern und fordern beim Erlernen von Sprache, Gepflogenheiten und Kultur) und auskommen (begleiten auf Wegen in Ausbildung, Beruf und selbständiges Leben) definiert.
Zehn Jahre später haben sich dutzende Ehrenamtliche für hunderte von Geflüchteten stark gemacht. Manchmal sichtbarer an „Feiertagen“ und Sommerfesten, Dorfkonzerten oder öffentlichen Veranstaltungen – meist unsichtbarer in hunderten von Stunden Deutsch lernen, Begleiten zu Behörden, der Weitergabe von Fahrrad- oder Kinderkleidungsspenden, Hilfen bei Bewerbungen, Formularen, bei Freundschaften knüpfen und aktivem Sprechen über, Nähen, Malen, dem Café International oder gelegentlichen Ausflüge und vieles mehr. Einerseits steht die Arbeit nach zehn Jahren solide da, mit einem Dunstkreis von bis zu 50 Engagierten, die sich immer wieder einsetzen und helfen, dass Menschen, die nach Alpen fliehen, nicht für immer Geflüchtete bleiben. Gleichzeitig bleibt die vielfältige Aufgabe riesengroß, und jede und jeder, der sich engagiert, ist herzlich willkommen. Zum Beispiel wohnen mittlerweile auch über 100 Ukrainer zurzeit in Alpen, nach Syrern die größte Gruppe unter den Neuankommenden – aber gleichzeitig leben Menschen aus über 25 Nationen hier, die ebenfalls Wege ins Leben vor Ort suchen. Darunter über 120 Kinder und Jugendliche. Der Flüchtlingshilfe ist es wichtig, so es in ihrer Kraft steht, gleichberechtigt für alle unterschiedlichen Menschen mit ihren ureigenen Geschichten da zu sein. Gerade das regelmäßige Sprechen der neuen Sprache, die Alltagsbegegnung, der Tipp, wo man sich einbringen kann, die Hilfe beim Formularverstehen, die Nachhilfe, um Deutschkurse oder die Schule erfolgreich zu meistern, aber auch die Unterstützung für Arbeit und Wohnraum im neuen Land sind ein unerlässlicher Beitrag zur Integration in das Leben in Deutschland. Gleichzeitig ist es immer wieder einmalig, Menschen aus der Welt hier im Dorf zu begegnen. Denn bei aller Vielfalt, die sich im Reichtum an Sprachen, Essen oder Kultur feiern lässt – so merkt man auch schnell, wenn über die Stoffe des Lebens gesprochen wird, über Schmerz, Liebe, Familie, Abschied oder Hoffnung, so sind Menschen oft eng verbunden, viel mehr als der oberflächliche Anblick es erahnen lassen könnte…
Am kommenden Sonntag, 6. Juli, findet nun anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Home. Flüchtlingshilfe Alpen e.V. ein internationales Sommerfest statt. Unter dem Motto „Bist du ein Mensch, bist du willkommen!“ sind alle eingeladen, von 11 bis 17 Uhr an der Sekundarschule Alpen, Fürst-Bentheim-Straße 33, gemeinsam zu feiern. Geplant sind Begegnungen und Spiele für alle, ein Zauberer und Musik ab 14 Uhr sowie ein Grill- und Buffetangebot aus aller Welt. Gerne darf ein Lieblingsessen für das Buffet mitgebracht werden. Das Fest ist ein Beitrag, um Dorf und Welt miteinander zu verbinden und die Gemeinschaft zu stärken.
Das Team des diesjährigen Sommerfestes. Foto: privat