Zwei Aquarelle von Kathrin Edwards.NN-Foto: HF.
17. August 2024 · Geldern

Finale beim Turmstipendium

Ab Sonntag werden die Ergebnisse des 25. Turmstipendiums gezeigt.

NIEDERRHEIN. Carsten Lisecki ruft aus seinem Waggon: „Keine Zeit. Muss arbeiten.“ Am Sonntag ist Ausstellungseröffnung. Die Ergebnisse des Turmstipendiums 2024 – es ist die 25. Ausgabe – werden präsentiert. Noch ist Liseckis Etage im Wasserturm verwaist. Das muss nichts heißen. Das erhöht die Spannung.

Kathrin Edwards denkt längst über die Präsentation ihrer während des Stipendiums entstandenen Arbeiten nach. „Natürlich ist es ungeheuer wichtig, wie du deine Arbeiten zeigst“, sagt sie. Das ist der eine Teil der Ausstellungswahrheit. Der zweite Teil lautet: Gute Arbeiten sind unzerstörbar. Zusatz: Aber man muss ihnen ja das Leben nicht unnötig erschweren.

Wie reist frau zum Stipendium an? „Es ist wichtig, vorher eine Art Auswahl zu treffen“, sagt Edwards. Die Auswahl, sagt sie auch, sei deshalb wichtig, „weil du ja nicht ein ganzes Atelier ausräumen und mitnehmen kannst.“ Edwards‘ Entscheidung: Aquarelle und Cyanotypie. Okay – der Begriff Aquarell setzt eine Vorstellung frei. Bei Cyanotypie sieht die Sache anders aus. Man schlägt nach: „Im Jahr 1842 entwickelte der englische Naturwissenschaftler und Astronom John Herschel die Cyanotypie zur Herstellung von stabilen fotografischen Bildern. Es ist ein Verfahren, das auf Eisen und nicht auf Silber beruht, welches sonst bei der herkömmlichen Herstellung von Fotoabzügen verwendet wird.“

Eine Flüssigkeit wird (im Dunkeln) auf saugfähiges Papier aufgetragen und also zum Negativ, belichtet beispielsweise von der Sonne. Licht mit einem möglichst höhen Ultraviolettanteil sei wichtig, sagt Edwards. „An einem diesigen Tag ist da wenig zu machen. Das Belichten dauert zu lange und dann könnte ein Windstoß die komplette Komposition zerstören.“ Edwards hat für einige ihrer Arbeiten Pflanzen(teile) auf das Papier gelegt. So entwickeln sich „Zeichnungen aus Licht“. Vorherrschender Farbton: Blau. Schon dadurch entsteht bei der Betrachtung eine Art formale Einheit. Edwards hat Cyanotypien in verschiedenen Größen belichtet. Jetzt geht es darum, wie die Arbeiten am Ende präsentiert werden. „Die größeren Arbeiten werden teils frei im Raum hängen“, erklärt Edwards. In einem runden Raum wie dem Wasserturm muss ein Präsentationsrhythmus gefunden werden, der sich den Blickachsen anpasst – sie nicht verstellt. Neben den Cyanotypien sind Aquarelle entstanden, die den Blick auf Landschaft und Pflanzen öffnen und eine Ruhe verströmen, die Platz fürs Betrachten freiräumt. Längst kann man sich vorstellen, dass Edwards Arbeiten sich am Sonntag nicht ins Gehege kommen, sondern in ihren ästhetischen Positionen ergänzen werden. Friedliche Sichtbarkeiten.

Carsten Lisecki bleibt akustisch in Erinnerung: „Keine Zeit. Ich muss arbeiten.“ Der Ton in der Stimme – irgendwie getrieben. Man glaubt, einen Druck zu spüren, aber glauben heißt nicht wissen. Vielleicht ruht da einer komplett in sich selbst und hält die Spannung aus, die eine anrückende Eröffnung mit sich bringt. Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten begegnen sich – Denkbares und Ungedachtes – Phantom und Wirklichkeit. Andererseits: Auch das Unsichtbare übt Wirkung aus – pflanzt einen Erwartungsnebel in noch brach liegende Turmetagen. Wollte man nicht schon immer mal über das Nichtvorhandene schreibendenken? Carsten Lisecki gibt den Raum frei und da taucht beim Suchen nach dem Vermeintlicheigentlichen die Frage im Kopf auf: Was, wenn da einer am Eröffnungssonntag einfach eine unsichtbare Gedankenlandschaft präsentiert und ein Exempel des Nichtmachbaren statuiert? Wie würde man denn reagieren? Immerhin: Es bliebe ein Ausgleich: Da wären immer noch die Aquarelle und Cyanotypien von Kathrin Edwards, die die Turmräume mit Schönheit füllen – und mit der Stille des Augenblicks.

Die Ausstellung zum Turmstipendium wird am Sonntag, 18. August, um 12 Uhr eröffnet und danach bis zum 25. August (samstags und sonntags zwischen 11 und 17 Uhr) zu sehen sein.

Eine der Cyanotypien von Kathrin Edwards.NN-Foto: HF.

Eine der Cyanotypien von Kathrin Edwards.NN-Foto: HF.

Zwei Aquarelle von Kathrin Edwards.NN-Foto: HF.