Die Pflegeschüler des Berufskollegs, wussten schnell einiges mit den Erinnerungsstücken anzufangen. Foto: Ewald Hülk
18. Juni 2025 · Geldern

FC Bayern leiht dem Berufskolleg Liebfrauenschule einen Koffer voller Erinnerung

Pflegeschüler ergründen das Thema Demenz und wie man betroffenen Menschen die Vergangenheit näher bringt

GELDERN. 18 angehende Fachabiturienten der Liebfrauenschule Geldern schauen im Unterricht des Faches Pflege fragend auf einen Karton in ihrem Klassenzimmer. Was die Schüler erst nicht wissen: Er kommt vom FC Bayern
München.

Dann richtet sich kein Geringerer als Uli Hoeneß per Tondokument an die Schüler: „Vor Ihnen steht ein Koffer voller Erinnerungen!“ Doch dem Ehrenpräsidenten des FC Bayern geht es nicht darum, dass die Schüler den Erfolgen des Vereins huldigen. Ihm geht es um weit mehr, um Menschen, die wie einst Gerd Müller, der „Bomber der Nation“, unter Demenz leiden. Der Erinnerungskoffer enthält daher eine Vielzahl von zum Teil historischen Gegenständen, die vorwiegend aus den 70er bis 90er Jahren stammen. Schnell haben die Schüler ihn ausgepackt. Autogrammkarten von Weltmeistern, ein von Lothar Matthäus signierter Ball, ein Plakat vom Auswärtsspiel beim MSV Duisburg, ein historisches, rot-weiß gestreiftes Trikot, einlaminierte Spielerposter und Zeitungsartikel von großen Erfolgen kommen da zum Vorschein.

Zielgerichtet moderiert Andreas Mäteling die Runde und stellt die Frage, für wen der Erinnerungskoffer denn gedacht sei. Den Fachabiturienten aus dem Bereich Gesundheit und Soziales ist schnell klar, dass er nicht für Fanclubs zusammengestellt wurde, sondern dass es um das in der immer älter werdenden Gesellschaft existierende Problem des Vergessens, der Demenz geht. Schüler Cennet ist sich sicher: „Die Erinnerung an alte Zeiten kann vieles offenlegen.“ Luca pflichtet bei: „Kleine Erinnerungen, die sonst verborgen bleiben, können so geweckt werden.“ Dabei hilft der Koffer. „Die Gegenstände, die er enthält, bieten vielfältigen Anlass zum Gespräch, sowohl optisch als auch haptisch und akustisch“, so Mäteling. Und Jan ergänzt: „Angesprochen wird dabei die wichtige emotionale Ebene, unabhängig davon, ob man den Verein mag oder nicht.“ Die Schüler wissen, dass das Langzeitgedächtnis bei Menschen mit Demenz im Gegensatz zum Kurzzeitgedächtnis noch recht lange erhalten bleibt. Der Koffer soll, so erkennen die Schüler, Gesprächsanlässe bieten – über die Zeit, in der man samstagnachmittags im Hörfunk die Spiele verfolgte, über die Kneipe, in der man beim Bierchen ein Fußballspiel auf dem Fernseher sah, aber auch über die Mode, die Haare und den Bart der Spieler und der Menschen in den 70er- und
80er-Jahren.

Andreas Mäteling schlägt dann den Bogen zu möglichen Einsatzfeldern des Koffers durch die Schüler, von denen einige einen Pflegeberuf anstreben: „Was lehrt uns das?“ fragt er in die Runde. Die Schüler erkennen schnell. Sie müssen im Gespräch mit Menschen mit Demenz kleinschrittig, zum Beispiel mit Fotos und Zeitungsartikeln an alte Erinnerungen anknüpfen, an Fernsehsendungen und Musiker, an die Stadt, in der sie aufgewachsen sind, an den ausgeübten Beruf. Die wichtigen Konsequenzen, die derartige kleine Gespräche bewirken, bringt schließlich Hanna auf den Punkt: „Wenn solche Erinnerungen wach werden, stärkt das die Selbstliebe und das so wichtige Selbstwertgefühl des alten
Menschen.“

Die Pflegeschüler des Berufskollegs, wussten schnell einiges mit den Erinnerungsstücken anzufangen. Foto: Ewald Hülk