"Unansehnliches Motiv, aufgenommen von Rüdiger Dehnen, NN-Foto"
16. Juli 2026 · Kranenburg

Facelift für den Kranenburger Bahnhof

Auf der Suche nach Ideen für Neubahnstein

KRANENBURG. Sagen wir es, wie es ist: Der Kranenburger Bahnhof hat schon bessere Zeiten gesehen – damals, als noch Züge fuhren und es eine eigene Zollstation für den Warenumschlag gab.

Vom Zugverkehr ist nichts geblieben und sowohl der Bahnhof als auch das Gelände könnten ein Facelift mehr als gut gebrauchen. Bürgermeister Martin Kepser formuliert es so: „Es gibt hier reichlich Verschönerungspotential.“ Immerhin ist das Bahnhofsgelände alljährlich für rund 20.000 Draisinentouristen, Anfangs-, End-, oder Zwischenstation. Eine Visitenkarte – so viel ist sicher – sieht anders aus. Bahnhof und Gelände verlocken Gäste nicht wirklich dazu, im Rahmen eines Aufenthalts die Gemeinde zu erkunden. Zeit, etwas zu unternehmen. Wenn eine Gemeinde auf der Suche nach einem neuen Outfit ist, sprich: wenn es um „kosmetische Veränderungen“ geht, tut sie gut daran, die Bürger mit ins Boot zu holen. Auch in Kranenburg ist diese Vorgehensweise schon angewendet worden. Jetzt stehen neue Projekte auf der Bürgerbeteiligungs-Agenda. Eines davon – die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes – wurde jetzt in Angriff genommen.

Brainstorming

"Bahnhofsvorplatz mit Baustellenbedarf, urbanes Stadtbild"

Auch auf dem Bahnhofsvorplatz besteht Handlungsbedarf. Foto: Rüdiger Dehnen

So hatte die Gemeinde kürzlich zu einem „Brainstorming“ vor Ort eingeladen: „Als nächstes Projekt der Bürgerbeteiligungsprojekte 2026 startet die Gemeinde Kranenburg die Beteiligung zum Bahnhofsumfeld. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität für alle zu verbessern, die den Bahnhof nutzen – Gäste, Draisinenfahrende, Radfahrende, Jugendliche und die Kranenburger Bevölkerung. Die Beteiligung startet bewusst ohne feste planerische Vorgaben. Klaus Peters (Stauden Peters Pflanzenvertriebs-GmbH) und Carolin Beyer (Wuchs & Richtung / Das Landleben) haben das Konzept ‚Grüne Gartenstadt‘ mitentwickelt und bringen ihre Expertise zu Bepflanzung und Freiraumgestaltung ein.“ So liest es sich in einer Verlautbarung.

Der Brunnen – vielleicht

Zuletzt suchte die Gemeinde – ebenfalls im Rahmen einer Bürgerbeteiligung – nach einem neuen Standort für den „Marktplatzbrunnen“. Bei der Mehrheit der Bürger, die an der Aktion teilnahmen und Ideen einreichten, scheint der Trend dahin zu gehen, dass der Brunnen demnächst irgendwo am Bahnhof stehen soll. Letztlich entschieden wird darüber allerdings im Gemeinderat.

Eine Spur legen

Circa 30 Interessierte nahmen jetzt am Brainstorming teil und trafen sich vor Ort. Dort fand zunächst unter Leitung von Carolin Beyer und Klaus Peters eine Begehung statt. Beyer und Peters erklärten, dass die Verbindung zwischen Bahnhofsgelände und Zentrum unter anderem durch entsprechende Bepflanzung hergestellt werden könne. Bürgermeister Kepser erklärte, dass im Falle eines Brunnenumzugs zum Bahnhof ein Punkt gefunden werden müsse, der über die notwendigen Voraussetzungen (Wasser und Stromanschluss) verfügen müsse. Bei den Teilnehmern des Brainstormings waren Ideen bezüglich einer Umstrukturierung alles andere als Mangelware.

„So etwas zieht immer Leute an“

"Zeichnung von Dirk Willemsen zeigt futuristische Stadtlandschaft, innovative Architektur, moderne Gebäude und grüne Technologie."

Vielleicht könnte es ja so aussehen? Eine Zeichnung von Dirk Willemsen. Foto: Dirk Willemsen

Einer, der zwar terminlich verhindert war, aber sich trotz allem viel Gedanken zum Thema Umgestaltung des Bahnhofs(geländes) gemacht hat, ist der Musiker und Künstler Dirk Willemsen. Willemsen bezeichnet den Bahnhof nebst Gelände als „Schandfleck“. Deutliche Worte. Willemsens Idee: „Vielleicht auf dem Bahnhofsvorplatz eine alte Dampflok aufstellen.“ Es könne, so Willemsen, auch eine Diesellok sein. „So etwas zieht immer Leute an.“ Willemsens bahnenthusiastischer Hintergrund: „Meine beiden Großväter waren leidenschaftliche Eisenbahner.“ Auch der Gleisbereich könne, so Willemsen, ein wenig Aufhübschung gut vertragen. „Es geht mir nicht darum, dass man mit der Nagelschere das Unkraut wegschneidet, aber das ganze Areal sieht jetzt alles andere als einladend aus.“ Mit der Säuberung hat die Gemeinde bereits begonnen.

Willemsen hat eine Zeichnung angefertigt: Auf dem Vorplatz sieht man eine Dampflok. „Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass der Brunnen vom Marktplatz zum Bahnhofsvorplatz umgesetzt wird.“ Willemsen jedenfalls ist sehr gespannt, was für Vorschläge in den Ideenkästen landen werden, die jetzt am Bahnhof aufgestellt wurden. „Ich finde es in jedem Fall gut, dass die Gemeinde erst einmal keinerlei Vorgaben gemacht hat, denn das schließt ja schlimmstenfalls kreative Vorschläge aus.“

Willemsen ist ein profunder Kenner der Kranenburger Geschichte – vor allem auch in Bezug auf den Bahnhof. „Dieser Bahnhof hat früher als Grenzbahnhof einmal eine zentrale Rolle gespielt. Davon zeugte damals auch das Gebäude.“ Man könne ja, so Willemsen, einmal damit beginnen, „am Bahnhof Blumenkästen zu installieren. So etwas sieht immer toll aus und hätte ja auch etwas mit der Idee von der ‚Gartenstadt Kranenburg‘ zu tun.“

Wichtig wäre es, für die Touristen vom Bahnhof aus eine „Spur“ ins Zentrum zu legen. Wer seinen Aufenthalt gestalten möchte, sollte am besten schon auf dem Vorplatz über die Möglichkeiten informiert werden, die es gibt. Der Bahnhof als „Amuse gueule“ – ein Appetithäppchen auf dem Weg ins Zentrum.

Aber nicht nur für potentielle Touristen ist das Gelände von Bedeutung. Zu nennen wären auch das Jugendhaus „Trainstop“ und die in Reichweite liegende Seniorenresidenz. Das Schlüsselwort: Aufenthaltsqualität.

Jede Menge Ideen

"Ideenreiche Büroräume mit moderner Einrichtung und inspirierenden Design-Elementen für kreative Arbeitsumgebungen."

Ideen satt ... Foto: Gemeinde Kranenburg

Am Ende der Veranstaltung konnten reichlich Vorschläge „eingesammelt“ werden. Wie wäre es (grüne Gartenstadt) mit „Eisenbahnwaggons als Hochbeet“, oder einer deutlichen Erweiterung der vorhandenen Sitzgelegenheiten, einer anderen Ausleuchtung, Kinderspielgeräten, die von den Eltern aus der Gastronomie aus zu sehen wären, einer Reparaturstation für Fahrräder oder einer Sichtachse Zollhaus und Bahnhofsgelände?

Natürlich spiele, so der Bürgermeister, bei der Umsetzung möglicher Ideen auch der Kostenfaktor eine Rolle. Das Interesse an einer Verschönerung von Bahnhof und direktem Umfeld ist jedenfalls gegeben und man darf gespannt sein, was abseits der „Live-Veranstaltung“ noch an weiteren Vorschlägen kommen wird, um aus einem unspektakulären Gelände ein „Neubahnstein“ der Zukunft zu machen.

Luftaufnahme eines modernen Bahnhofs mit Gleisen und Zügen, urbanes Transportzentrum, Architektur, Verkehrsinfrastruktur.

Der Bahnhof von oben. Foto: Gemeinde Kranenburg

Schön geht irgendwie anders. NN-Foto: Rüdiger Dehnen