Seit inzwischen zwölf Jahren arbeitet Niklas Kehren in der Kämmerei der Stadt Emmerich, anfangs als Sachbearbeiter, später stieg er dann zum stellvertretenden Fachbereichsleiter auf. NN-Foto: Rüdiger Dehnen
7. Dezember 2023 · Emmerich

„Es ist sehr viel Sorgfalt gefragt“

Emmerichs neuer Kämmerer Niklas Kehren (36) vor keiner leichten Aufgabe: der Haushaltskonsolidierung

EMMERICH. Manchmal ist der Rhein doch eine Grenze; so trennt er beispielsweise Kleve und Emmerich. Doch andererseits gibt es die Rheinbrücke als verbindendes Element zwischen den beiden Städten. Und so kann Niklas Kehren regelmäßig von Kleve nach Emmerich fahren. Denn nach knapp einem Jahr als Interimslösung ist der 36-Jährige nun der neue Kämmerer in Emmerich. Längst habe er „eine gewisse Verbundenheit zur Hansestadt, obwohl ich auf der anderen Rheinseite wohne“, versichert Kehren, der seit zwölf Jahren in der Kämmerei arbeitet.

Nach dem Abschied von Ulrike Büker übernahm Kehren als damaliger stellvertretender Fachbereichsleiter zu Beginn des Jahres interimsweise das Amt. „In den folgenden Monaten ist der Gedanke gereift, die Stelle fest zu übernehmen“, erzählt er. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung war ihm klar: „Der Arbeitsaufwand ist nicht gering, ebenso die Verantwortung.“ Er habe sich viel Zeit genommen, auch über die Frage nachzudenken, ob er sich dieses Amt zutraue. „Es hängt viel von der Stelle ab“, weiß Kehren. „Es ist ein großer Fachbereich mit mehr als 20 Mitarbeitern, für die man ebenso die Verantwortung trägt wie für die Finanzen der Stadt.“

Herausfordernde Zeit

Letztlich aber konnte er diese Frage für sich klar positiv beantworten, und so übernimmt er die Leitung der Kämmerei in einer Zeit, die man durchaus als herausfordernd bezeichnen kann. „Die Kommunen haben in der Gesamtheit ein strukturelles Problem“, blickt Kehren über die Stadtgrenze hinaus. Emmerich habe zwar eine gute Ausgleichsrücklage, „der Ausblick aber ist nicht positiv“. Schon die Haushaltslage 2022 mit Jahresfehlbeträgen in Millionenhöhe sei nicht gut gewesen, „und mit dem neuen Haushalt wird es nicht anders sein“. Die Arbeitsgruppe Haushalt sei zwar mit dem Ziel gebildet worden, die Haushaltskonsolidierung fortzusetzen und die Basis für einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen. Dennoch sagt Kehren zur aktuellen Lage: „Der Haushalt bewegt sich in die falschen Richtung.“

Zur Amtseinführung, verrät der 36-Jährige, überreichte ihm Bürgermeister Peter Hinze eine Lehrkarte mit einer Waagschale von Einnahmen und Ausgabe. „Die müssen wir halbwegs in einen Ausgleich bekommen“, sagt Kehren, fügt aber direkt hinzu: „Es wird keine leichte Aufgabe.“ Generell stehen die Kommunen seiner Auffassung nach vor großen Aufgaben; auch die Signale vom Land seien „nicht positiv“, was die finanzielle Unterstützung betrifft. Entsprechend sei beim Thema Haushaltskonsolidierung in Emmerich „sehr viel Sorgfalt von allen Akteuren gefragt“, betont der neue Kämmerer, der am kommenden Dienstag den neuen Haushalt einbringen wird.

Doch er versichert auch, dass eben diese Sorgfalt in der Arbeit mit allen Beteiligten möglich sei. „Es ist normal, dass die verschiedenen politischen Lager ihre jeweiligen Interessen verfolgen. Aber so, wie ich alle Akteure in Emmerich kennengelernt habe, würde ich bestätigen, dass der Großteil schon das Wohl der Bürger im Blick hat.“

Unterstützung der Familie

Privat hat Niklas Kehren auch das eigene Wohl, sprich den Ausgleich zwischen Familie und Arbeit, im Blick. „Auch hier ist die Waage ein gutes Bild“, sagt der zweifache Vater schmunzelnd. Im Vorfeld seiner Bewerbung habe er genau darüber mit seiner Familie gesprochen, „von ihr erfahre ich viel Unterstützung und Verständnis“.

Der abschließende Ausblick auf die kommenden Wochen, Monate und Jahre im neuen Amt ist laut Kehren „tagesabhängig“: So gebe es viel Vorfreude auf die neuen Aufgaben. „Ich habe einen Plan im Kopf, den ich mit den Kollegen verfolge.“ Andererseits sei die Haushaltssituation sehr wohl belastend. „Es gibt keine offensichtlichen, leichten Lösungen. Daher bin ich auch etwas besorgt.“Michael Bühs

Seit inzwischen zwölf Jahren arbeitet Niklas Kehren in der Kämmerei der Stadt Emmerich, anfangs als Sachbearbeiter, später stieg er dann zum stellvertretenden Fachbereichsleiter auf. NN-Foto: Rüdiger Dehnen