Im Anschluss an die Präsentation bot sich die Gelegenheit zum Testbaggern. NN-Foto: Gerhard Seybert
5. März 2026 · Niederrhein

Erfolg für Kooperationsprojekt Wasserstoffbagger

Hochschule Rhein-Waal und regionale Unternehmen ermöglichen „Makeathon“

KREIS KLEVE. Ist die Umwandlung eines kabelgebundenen elektrischen Minibaggers auf Wasserstoffantrieb grundsätzlich machbar? Dieser Frage stellten sich Auszubildende von Omexom, MAKS und der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) sowie Studenten der HSRW in einem sogenannten Makeathon.

Fünf Tage haben sie gemeinsam während des Innovations- und Entwicklungsworkshops bis zur letzten Minute gearbeitet. Freitagnachmittags brandete Jubel auf, als der Wasserstoffbagger von einem Teilnehmer aus der Werkstatthalle bei MAKS in Uedem gefahren wurde.

Die vorbereitenden Arbeiten für den Makeathon begannen bereits vor einigen Monaten im Sommersemester 2025. Sie machten die Durchführung des Makeathons zum jetzigen Zeit-punkt erst möglich. Angeleitet von Norbert Reintjes, Projekt TransRegINT der HSRW, haben die Auszubildenden den Bagger in Teile zerlegt, eine Datenaufnahme durchgeführt und mit Hilfe von CAD-Software ein Basismodell konstruiert. Dann übernahmen Studenten der Fakultäten Technologie und Bionik sowie Kommunikation und Umwelt: In angeleiteten Kleingrup-pen haben sie die Umrüstung in der Theorie durchgeplant. Darauf aufbauend wurden Bauteile beschafft beziehungsweise angefertigt.

In der letzten Februar-Woche wurde in sechs verschiedenen Teams bei MAKS praktisch umgesetzt, was in Theorie erarbeitet wurde – vom Einbau eines neuen Elektromotors über die Überarbeitung des Hydrauliksystems bis zur Erneuerung der Energieversorgung inklusive Pufferbatterie und Wasserstoff-Brennstoffzelle. Die erste wichtige Erkenntnis: Nicht alles, was theoretisch glänzt, ist praktisch umsetzbar. So wurde umgeplant und nachjustiert, ganz wie im realen Arbeitsleben. Dass der Bagger zu Demonstrationszwecken mit dem neuen Motor bewegt worden konnte und vor Ort emsig Sand gebaggert wurde, ist für die Lehrenden, die hinter dem Projekt ste-hen, zweitrangig. Sie loben die engagierte Mitarbeit der Auszubildenden und Studenten. „Zusammen wurde auf ein Ziel hingearbeitet, individuelle Stärken und Wissen haben zum Erfolg der gesamten Gruppe beigetragen“, so Prof. Dr. Irmgard Buder, Professorin für Erneuerbare Energien und Electro Mobility an der HSRW. „Es sind Formate wie der Makeathon, die unseren Studierenden eine praxisorientierte Ausbildung ermöglichen. Erst wenn sie selbstständig arbeiten und machen, entwickeln sie ein Verständnis für die Praxis und das ist unser Anspruch als Hochschule für angewandte Wissenschaften“, ergänzt Prof. Dr.-Ing. Peter Kisters, Professor für Maschinenbau und Produktdesign sowie Vizepräsident für Forschung, Innovation und Wissenstransfer. Er blickt in diesem Zusammenhang auch auf den im letzten Jahr gestarteten Studiengang Engineering for Sustainability, B.Sc.: Hier arbeiten Studenten von Beginn an projektbasiert an realen Herausforderungen mit Fokus auf Maschinenbau. „Unter realen Herausforderungen verstehen wir neben dem praxisorientierten Arbeiten an hochschuleigenen Projekten wie zum Beispiel zukünftig dem Wasserstoffbagger, explizit auch das Bearbeiten von Fragestellungen aus der Wirtschaft“, so Prof. Dr.-Ing. Peter Kisters.

Der Makeathon ist ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Firmen vom Niederrhein. „Neben der fachlichen Expertise von Mitarbeiter*innen und Auszubildenden der beteiligten Unternehmen, profitierten unsere Studierenden von der professionellen Arbeitsumgebung bei MAKS ebenso wie von der Bereitstellung von speziellem Material unter anderem durch Hexagon Purus“, führt Norbert Reintjes aus. „Wir möchten künftig noch enger in der Aus- und Weiterbildung mit Firmen zusammenarbeiten. So können wir besser auf neue Anforderungen in der technischen Entwicklung reagieren und neue Ideen schneller in die Praxis bringen.“ Unternehmen, die sich aktiv an der Ingenieursausbildung der Fakultät Technologie und Bionik in Kleve beteiligen möchten, können sich direkt an Norbert Reintjes wenden.

Der Wasserstoffbagger wird nun zu einer Lehrplattform für weitere Projekte in der Ingeni-eursausbildung der HSRW in Kleve, um künftigen Ingenieuren praxisnahe Lernerfahrungen zu ermöglichen. Das Thema Wasserstoff und andere Möglichkeiten der CO2-neutralen oder CO2-armen Fortbewegung werden auch auf dem Campus Kamp-Lintfort weiterverfolgt.

Wasserstoff, Sonnenenergie, Windkraft oder Erdwärme bilden den Gegensatz zu fossilen Energieträgern. Dieser Vielfalt an Alternativen eine Plattform geben, die Produzenten und Abnehmerverbindet, ist das Ziel des Transformationsprojekts „Erneuerbare Energien“ im Projekt TransRegINT. Mit dem Projekt ‚TransRegINT – Transformation der Region Niederrhein: Innovation, Nachhaltigkeit, Teilhabe‘ hat sich die Hochschule Rhein-Waal zum Ziel gesetzt, den nachhaltigen Wandel in der Region wissenschaftsbasiert mitzugestalten. Gefördert wird das Projekt durch das Programm „Innovative Hochschule“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Im Anschluss an die Präsentation bot sich die Gelegenheit zum Testbaggern. NN-Foto: Gerhard Seybert