Emmerich: Lebenswerk von Marianne Bolle gewürdigt
Bürgermeisterin Claudia Lindlahr besucht Verein „Home Emmerich“
EMMERICH. Bürgermeisterin Claudia Lindlahr hat in Begleitung ihres Stellvertreters Gerd Gertsen den Verein „Home Emmerich“ besucht, um sich über die Arbeit des Vereins zu informieren und zugleich das Lebenswerk der kürzlich verstorbenen Gründerin Marianne Bolle zu würdigen.
Marianne Bolle war am 29. Dezember 2025 im Alter von 94 Jahren verstorben. 1975 gründete sie die Bürgerinitiative „Home Emmerich – Hilfe für Südindien“, aus der 1978 der eingetragene Verein hervorging. Über fünf Jahrzehnte setzte sie sich für benachteiligte Kinder und Familien im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu ein. Aus einer Idee wurde ein international anerkanntes Hilfsprojekt.
„Mit Marianne Bolle verliert unsere Stadt eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, betonte Claudia Lindlahr beim Besuch. „Ihr Einsatz war geprägt von Beharrlichkeit, Herz und einem tiefen Verantwortungsgefühl. Sie hat gezeigt, was bürgerschaftliches Engagement bewirken kann – weit über Emmerich hinaus.“
In den vergangenen 50 Jahren konnten durch die Arbeit des Vereins insgesamt 98 Projekte in 19 Städten und Dörfern rund um Madurai realisiert werden, darunter Waisenhäuser, Schulen, Berufsschulen, ein Straßenkinderheim, Mutter-Kind-Zentren sowie Wohnhäuser für bedürftige Familien. Allein im Jahr 2025 wurde eine Higher Secondary School in Parasurampatti nahe Madurai mit einem Investitionsvolumen von 175.000 Euro fertiggestellt. Insgesamt flossen bis November 2025 mehr als 2,5 Millionen Euro an Spenden in die Projekte.
Marianne Bolle war in Emmerich für ihren unermüdlichen persönlichen Einsatz bekannt. Über viele Jahre sammelte sie Spenden, häufig mit dem Fahrrad von Tür zu Tür. Für ihr außergewöhnliches Engagement erhielt sie unter anderem das Bundesverdienstkreuz am Bande von Richard von Weizsäcker sowie später das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, verliehen durch Christian Wulff.
Auch nach dem Tod ihres Ehemannes Rudolf Bolle führte Marianne Bolle den Verein weiter und leitete frühzeitig einen Generationswechsel ein. Heute engagiert sich insbesondere ihr Sohn Bernhard Bolle als nun 1. Vorsitzender führt er die Arbeit mit modernen Strukturen und digitaler Vernetzung fort. Sein Bruder Prof. Dr. Rainer Bolle übernahm den 2. Vorsitz. Der Grundsatz des Vereins ist dabei unverändert geblieben: Hilfe zur Selbsthilfe.
Bürgermeisterin Lindlahr sprach dem Vorstand und den Mitgliedern ihre Anerkennung aus: „Das Lebenswerk von Marianne Bolle ist Verpflichtung und Inspiration zugleich. Home Emmerich steht beispielhaft für gelebte Solidarität. Ich danke allen Ehrenamtlichen, die dieses Werk mit großem Engagement weitertragen.“
Bürgermeisterin Claudia Lindlahr (3. v. r.) besuchte die Brüder Bernhard und Rainer Bolle vom Verein „Home Emmerich“. Mit dabei: der stellvertretende Bürgermeister Gerd Gertsen (r.) und vier Schwestern aus der indischen Region Tamil Nadu. Foto: Stadt Emmerich