Emmerich: Bürgeraktion Pro Kultur feiert silbernes Jubiläum
Jahresprogramm für 2026 vorgestellt – Auszeichnung mit dem Rheinlandtaler
EMMERICH. Auf ein „aufregendes Jahr“ schaut die Bürgeraktion Pro Kultur. Dabei hat die Vorsitzende des Emmericher Vereins, Irene Möllenbeck, bei der Vorstellung des Programms für 2026 nicht nur die zehn Veranstaltungen im Sinn. Es steht auch das 25. Jubiläum von Pro Kultur an, zudem wird der Verein mit dem Rheinlandtaler des LVR ausgezeichnet. „Es ist eine Anerkennung unseres großen kulturellen Engagements und freut uns sehr“, betont Möllenbeck.
Das neue Jahresprogramm steht unter dem Motto: „Lebendige Kultur, die bewegt.“ Dies habe durchaus mehrere Bedeutungen, wie Möllenbeck erläutert. „Die Menschen bewegen sich zu uns, ins Museum, nehmen an Führungen teil“, sagt sie. „Dann bewegen wir die Menschen aber auch emotional, zum Beispiel mit den Stolpersteinen.“ Auch die Gedenkfeier am Holocaust-Gedenktag, mit dem Pro Kultur ins neue Jahr gestartet ist, zählt sicherlich dazu.
Entspannter Abend mit Poesie, Witz und Musik im PAN
Einen entspannten Abend voller Poesie, Wortkunst, Witz und Musik verspricht Möllenbeck für die „Lyrik-Performance“ am Donnerstag, 26. März, ab 19.30 Uhr im PAN mit Reiner Winkels. Der frühere Lehrer trägt bekannte und unbekannte Gedichte vor, garniert sie mit kleinen Musikeinlagen. „Fröhlich und humorvoll“ werde es, kündigt die Pro-Kultur-Vorsitzende an.
Zu einer weiteren dialogischen Lesung kommen Literaturwissenschaftler Prof. Walter Gödden und Schauspieler Carsten Bender am Mittwoch, 20. Mai, 19.30 Uhr, ins PAN. „Jenny Aloni – Leben, Werk, Wirkung einer jüdischen Schriftstellerin“, widmet sich einer „sehr spannenden und interessanten Frau“, wie Irene Möllenbeck verrät. Die deutsch-israelische Autorin verließ 1939 mit einem Transport jüdischer Kinder und Jugendlicher Deutschland und lebte bis zu ihrem Tod mit kurzen Unterbrechungen in Israel. Ihre Kindheits- und Jugenderfahrungen im Dritten Reich, aber auch die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und der jüdisch-palästinensische Konflikt sind Themen, die sie in ihren Gedichten, Erzählungen und Romanen aufgreift.
Noch offen ist der genau Termin im Juni für die diesjährige Schülerfahrt zum Anne-Frank-Haus in Amsterdam, an dem wieder 50 Schüler der Gesamtschule, des Willibrord-Gymnasiums und des Förderzentrums Grunewald teilnehmen können.
Von Juni bis August pausiert derweil die Bürgeraktion mit ihrem weiteren Programm – aus gutem Grund. „Wegen der katastrophalen klimatischen Verhältnisse im PAN können wir hier in den Sommermonaten keine Veranstaltungen durchführen“, sagt Möllenbeck. Die Kombination aus großer Glasfront sowie fehlender Klimatisierung und Außenbeschattung führe regelmäßig dazu, dass es „in den Räumen im Obergeschoss nicht auszuhalten ist“, berichtet Möllenbeck. Dem Vernehmen nach solle zwar die Anschaffung einer Klimaanlage im Haushalt stehen; ob dies jedoch angesichts der finanziellen Lage der Stadt Emmerich tatsächlich umgesetzt werde, sei fraglich. „Wir hoffen aber weiter“, betont Möllenbeck.
Im Herbst geht es dann weiter mit einer neuen Mail-Art-Ausstellung von Klaus Cordes, diesmal mit einer Serie über die Künstlerin Donata Helmrich, die während des Zweiten Weltkriegs zahlreichen jüdischen Verfolgten das Leben rettete. „Gerade in der jetzigen Zeit ist es sehr wichtig, sich politisch deutlich gegen rechte Tendenzen zu positionieren“, sagt Möllenbeck mit Blick auf die selbstlose und gefährliche Hilfe Donata Helmrichs für Opfer von Unrecht sowie diese künstlerische Hommage. Die Ausstellung wird am Sonntag, 4. Oktober, um 11.30 Uhr im PAN in Emmerich eröffnet.
Zum dritten Mal findet am Mittwoch, 14. Oktober, ab 19.30 Uhr im PAN die Veranstaltung „Mein Lieblingsbild“ statt. Als Experiment gestartet, hat sie sich zu einem Erfolgsformat entwickelt, freut sich Möllenbeck: „Es wird ein fröhlicher, entspannter Abend voller Überraschungen.“ Prominente Emmericher erzählen von ihren Lieblingskunstwerken, die Besucher erleben so die Kunst aus einer sehr persönlichen Sicht. Mit dabei sind diesmal Bürgermeisterin Claudia Lindlahr, der frühere Erste Beigeordnete Dr. Stefan Wachs, Stadtdechant und Pfarrer Bernd de Baey und die ehemalige Vorsitzende des Freundeskreises King’s Lynn, Brita Buckermann.
Bereits zum elften Mal lädt Pro Kultur am Montag, 9. November, 18 Uhr zur Gedenkfeier „Stolpersteine leuchten“ ins PAN. Schüler der Gesamtschule, des Willibrord-Gymnasiums und des Förderzentrums Grunewald tragen mit Texten und Musik zur Veranstaltung bei.
Die Stolpersteine rücken im Dezember – der genaue Termin ist noch offen – erneut in den Fokus. Dann werden drei neue Stolpersteine verlegt: einer in Gedenken an ein Euthanasie-Opfer in Elten, zwei in Emmerich in der Steinstraße für ein Metzger-Ehepaar. Aktuell gibt es in Emmerich 99 Stolpersteine.
Pro Kultur Emmerich feiert mit „Kunst und Kulinarik“
Die zehnte Veranstaltung in 2026 findet bereits am Freitag, 18. September statt – sie ist das Highlight unter verschiedenen den Höhepunkten des Jahres. Dann feiert die Bürgeraktion Pro Kultur ab 19 Uhr im PAN ihr 25-jähriges Bestehen mit „Kunst und Kulinarik“. Dazu erläutert Irene Möllenbeck: „Statt eines großen Festakts stellen wir lieber unser vielfältiges kulturelles Engagement vor, in kleinen Häppchen – gepaar mit selbstgemachten kulinarischen Häppchen.“ Es werde ein „Abend voller Genuss“; was genau geboten wird, soll eine Überraschung bleiben.
Neben dem Jubiläum kann Pro Kultur in diesem Jahr auch eine besondere Auszeichnung feiern: Der Kulturausschuss des LVR hat beschlossen, der Emmericher Bürgeraktion für ihr vielfältiges Engagement den Rheinlandtaler in der Kategorie „Kultur“ zu verleihen. „Wir freuen uns riesig, damit wird auch unsere ehrenamtliche Arbeit gewürdigt“, sagt Möllenbeck. Immerhin führe man das gesamte Programm rein ehrenamtlich durch, erhalte keinerlei Förderung, „höchstens Spenden“, wie Möllenbeck abschließend betont.
Weitere Informationen zur Bürgeraktion Pro Kultur und zum Programm gibt es unter www.pro-kultur-emmerich.de.
Blicken auf ein Jahr voller Höhepunkte für die Bürgeraktion Pro Kultur in Emmerich: (v. l.) Irene Möllenbeck, Thomas Brokamp und Christiane Feldmann. NN-Foto: Gerhard Seybert