Beste Stimmung auf der „Fastnackt“-Bühne und im Publikum. Foto: privat
14. Januar 2025 · Emmerich

Emmerich: 33 Jahre kleine Kunst für Kabarett-Fans

Alternative Karnevalssitzung „FastNackt“ bringt Kellertheater zum Beben

EMMERICH. Es bebt wieder, das Kellertheater im Untergrund des Willibrord-Gymnasiums. Die alternative Karnevalssitzung „FastNackt“, zu deren Vorverkauf ganz hartgesottene Anhänger Stunden anstehen, brachte wieder einmal ihr treues Publikum zum Kochen.

Lachen, das manchmal ein wenig im Halse steckenbleiben wollte, wenn es um die kommunale oder auch Weltpolitik ging, dazu Standing Ovations, als Theo Gertsen seinen Lebenslauf und seine mentale Befindlichkeit in Versform beschrieb und besang. Ludger Gerritschen, aktiv auch in Sketchen mit seiner Frau Sabine, warnte vor dem Benutzen der Awo-Toiletten und klärte das Publikum über Notausgänge und fehlende Beleuchtung auf.

„t’stört mich nich“ ist das diesjährige Motto und bezieht sich auf alle Lebensbereiche, angefangen beim Jahreswechsel mit Böller-Verletzungen, Kirchen, die geplatzte Koalition, der Fehlschuss auf Trump, dem auch ein Durchschuss nichts Wichtiges hätte beschädigen können. Das „t‘ stört mich nich“-Lied brach das vielleicht noch vorhandene Eis, die Gäste machten begeistert mit, angestachelt von der Band, die seit fast 30 Jahren als „The Fachnackt-Three“ für musikalische Stimmung sorgt. Die Lieder, die von Thorsten Banning, Nikolai Piefel und Benjamin Wolters arrangiert und begleitet wurden, stammen alle aus den Federn der Akteure.

Nachrichten vom Niederrhein, vorgetragen von Johannes Verbücheln, befassten sich mit dem Zustand Emmericher Straßen, geeignet als Extrem-Teststrecke für Tesla. Nachdem nun der Nationalpark gestorben sei, forderten die Umweltorganisationen einem Kommunalpark, wobei man aufgrund unterlassener Pflegearbeiten bereits auf dem besten Wege sei. Dass Verzichten weh tut, besangen Milena Wehren und Nicole Derksen.

Einer der Höhepunkte war die Gründung des Bündnisses Ernst Verwaayen, kurz BEV. Gemeinsam wurde ein Wahlprogramm entwickelt, zu dem jeder beitragen konnte. So schlug Johannes van Bebber den Abriss der kompletten Innenstatt und Schaffung eines Solar- und Windparks vor. Beim Publikum wurde die Forderung nach einem Märchenpark am Eltenberg am lautesten beklatscht. Dieter Sickelmann, der zu Silvester noch Schäden am Hinterteil („Der Arsch ist ab!“) beklagte, war wieder so weit genesen, dass er seine Vorträge als Kardinal meistern konnte.

Als fast eigenständige Nummern gestaltete Hubert Derksen den ständigen Umbau der Bühne. Zu den Höhepunkten des Abends zählte wieder einmal „Frau Gertsen“ (Sabine Gerritschen), die von ihren alltäglichen Erlebnisse berichtete, darunter ihr Vorschlag zum Erhalt des Krankenhauses, in das sie ihren Mann Herrmann zu möglichst vielen Operationen schickte.

Tradition haben zwei Programmpunkte, die vor der Aufführung nicht geprobt werden: Ein absolut sinnfreier Sketch mit den Musikern als „Senile“ und ein „Silute-Chor“ fragwürdiger Qualität, der aus allen männlichen Aktiven besteht. Beim Zugabelied „Panama Jansen“ hält es niemanden auf den Stühlen.

Beste Stimmung auf der „Fastnackt“-Bühne und im Publikum. Foto: privat